Hebein führt die Wiener Grünen an

Wiener Grüne Hebein will “linke Politik” machen

Dienstag, 27. November 2018 | 13:22 Uhr

Die frischgebackene Spitzenkandidatin der Wiener Grünen, Birgit Hebein, will zwei Themen in den Mittelpunkt ihrer Politik rücken. “Ich will die ökologische und die soziale Frage verstärkt miteinander verknüpfen”, kündigte die 51-Jährige am Dienstag bei ihrem ersten Medienauftritt nach ihrer Kür an. Wann sie die Regierungsfunktionen von Maria Vassilakou übernimmt, ist noch offen.

“Wow, ich bin noch immer sehr beeindruckt von dem enormen Zuspruch. Das sickert erst schön langsam”, meinte Hebein erst Stunden nach ihrem Sieg bei der Spitzenwahl. Das Ergebnis war erst in der Nacht verkündet worden. Sie wolle die durch das Briefvotum angestoßene Öffnung der Partei – Stichwort externe Wähler – jedenfalls weiter fortführen. Und sie wolle auch auf die vielen Ideen ihrer unterlegenen Mitstreiter nicht verzichten, wie sie versicherte. Ob David Ellensohn demnach Klubchef bleibt? “Das werden wir gemeinsam entscheiden”, wollte sie sich vorerst nicht festlegen.

In Sachen Positionierung ließ Hebein keine Zweifel offen: “Ja natürlich mache ich linke Politik – was denn sonst?” Linke Politik bedeute Menschlichkeit, Menschenrechte, Gleichberechtigung und einen sorgsamen Umgang mit Natur und Umwelt. “Man muss sich vor linker Politik nicht fürchten”, so die Losung der grünen Gewinnerin.

Das Umweltthema will Hebein jedenfalls forcieren. “Die Klimakrise ist kein Bobo-Thema”, erinnerte sie an den vergangenen Hitzesommer. Dessen Auswirkungen hätten vor allem ältere und kranke Menschen getroffen. Im Hinblick auf ihr zweites Steckenpferd, die Sozialpolitik, stellte die bisherige grüne Sozialsprecherin klar, dass in Wien niemals Politik auf dem Rücken der Ärmsten gemacht werde. Da sei man sich mit der Wiener SPÖ einig. Insofern zeigte sich die neue Nummer eins betreffend der jüngsten Einigung des Bundes auf ein Mindestsicherungsmodell “total zuversichtlich”, auch hier mit den Rathaus-Roten eine gemeinsame Position zu finden. Denn Rot-Grün sei zweifelsohne ein “Gegenmodell” zu Türkis-Blau.

Folglich hält die Neo-Spitzenkandidatin auch nichts von vorgezogenen Neuwahlen: “Selbstverständlich arbeiten wir als Rot-Grün bis zum letzten Tag.” Damit ist klar, dass die Amtsübergabe von Vassilakou an Hebein noch ein Stück weit vor der nächsten Wien-Wahl stattfinden wird. Wann genau, ist noch offen: “Ich habe morgen (Mittwoch, Anm.) ein erstes Gespräch mit Maria Vassilakou. Wir werden das gemeinsam entscheiden.” Die Noch-Frontfrau habe sie jedenfalls in der Früh schon angerufen und gemeint: “Willkommen im neuen Leben.”

Vassilakou sicherte Hebein jedenfalls ihre “volle Unterstützung” zu. “Mit Birgit Hebein setzen die Grünen ein starkes Zeichen für Solidarität und soziale Gerechtigkeit”, befand Vassilakou. Die Spitzenwahl sei “eines der größten Demokratieprojekte der österreichischen Parteiengeschichte” gewesen. “Sie hat viele neue Menschen für Politik und die Grünen begeistert”, so Vassilakou in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA.

Die Wiener SPÖ versicherte unterdessen, dass sie die Koalition mit den Grünen unter der neuer Spitzenkandidatin Birgit Hebein fortsetzen will. “Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin sehr gut und konstruktiv zusammenarbeiten werden”, sagte Landesparteisekretärin Barbara Novak im Gespräch mit der APA.

Neuwahlen sind also kein Thema für die Wiener SPÖ: “Bis zur nächsten Wahl sind es noch zwei Jahre und bis dahin werden wir gemeinsam mit dem Koalitionspartner konstruktiv im Sinne der Wienerinnen und Wiener weiterarbeiten”, betonte Novak. Sie gratuliere Hebein “ganz herzlich”: “Es ist immer schön, wenn eine Frau eine Organisation leitet, aus meiner feministischen Perspektive”, sagte sie.

Dass Hebein als Gewinnerin aus dem Rennen um die Spitzenkandidatur der Wiener Grünen hervorgehen würde, war im Lauf des Wahlabends am Montag übrigens bis zuletzt nicht klar. Vielmehr konnte die Gemeinderätin und Sozialsprecherin ihren Sieg erst auf den letzten Metern einfahren. Denn lange Zeit hatte Peter Kraus die Nase vorn. Das geht aus der Auswertung der Stimmen hervor.

Bekanntlich haben die Grünen für das Briefvotum erstmals ein “Instant Runoff”-System – also eine Art eingebaute Stichwahl – angewendet. Denn um das Rennen zu machen, brauchte man mindestens 50 Prozent der Stimmen. Deshalb konnten die Wähler nicht nur ihren Favoriten angeben, sondern auch die restlichen Kandidaten je nach Präferenz reihen. Insgesamt vier Auszählungsrunden, bei denen die Reihungen dann schlagend wurden, brauchte es am Montagabend, bis es mit Hebein eine klare Gewinnerin gab.

Interessant ist, dass die neue Spitzenkandidatin bis zur dritten Runde stets nur Platz 2 erreichte. Konkurrent Kraus lag hier stets vorne. Bemerkenswert ist auch, dass Klubchef David Ellensohn von Beginn an deutlich abgeschlagen auf dem letzten Platz unter den drei Favoriten gelegen ist. Das zeigt schon die Auswertung aller Erststimmen. Kraus kam hier auf 933 Stimmen, Hebein auf 846 und Ellensohn auf 598. Die beiden Außenseiter-Anwärter, der Meidlinger Bezirksrat Benjamin Kaan und die Ärztin Marihan Abensperg-Traun, erhielten 86 bzw. 59 Stimmen.

Sie schieden in den nächsten beiden Durchgängen auch aus, die jeweiligen Zweit- und Drittstimmen wurden den Konkurrenten zugerechnet. Daraus ergab sich folgendes Zustimmungsverhältnis: 971 Stimmen für Kraus, 893 für Hebein und 637 für Ellensohn, der somit ebenfalls aus der Stichwahl flog. Erst die Aufteilung der Reihung seiner Wähler brachte somit das eindeutige Ergebnis – und somit die entscheidende Wende. Denn Hebein konnte im letzten Auszählungsdurchgang Kraus noch überholen und siegte mit 1.244 zu 1.138 Stimmen.

Von: apa

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