Schrott setzte angeblich Fake-Profil ein

Wirbel um angebliches “Fake”-Gewinnspiel von ÖVP-Abg.

Dienstag, 21. August 2018 | 15:42 Uhr

Der Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordnete Dominik Schrott ist wegen eines angeblichen “Fake”-Gewinnspiels aus dem Nationalratswahlkampf unter Beschuss geraten. Bei diesem den Hauptpreis “gewonnen” haben soll eine auf Schrotts Facebook-Seite eingesetzte Fake-Gewinnerin, berichtete der Blogger Markus Wilhelm auf seiner Seite “dietiwag.org”. Schrott hingegen sah nur einen “Fehler” der Agentur.

Die Tagessieger von Schrotts Wahlkampf-Gewinnspiel erhielten laut Wilhelm ein T-Shirt mit verfremdeten Konterfeis von ihm und ÖVP-Bundesparteichef Sebastian Kurz. Als Hauptpreis war eine Snow Card Tirol im Wert von 797 Euro ausgesetzt. Über den Gewinner oder die Gewinnerin dieses Hauptpreises sollte unter den 23 Tagessiegern scheinbar das Los entscheiden. Im Glückstopf waren nach Angaben von “dietiwag.org” 23 Loszettel, auf denen überall “Karin K.” gestanden sei.

Schließlich wurde ein Los für die Eruierung des Hauptpreis-Gewinners gezogen – Wilhelm stellte das dazugehörige Schrott-Video online. “Karin K.” stehe für Karin Kirchmair, Schrotts “Fake-Profil” auf Facebook, behauptet Wilhelm. Als ihr fiktiver Wohnort sei Innsbruck angegeben worden, die Teilnahme am Gewinnspiel aber auf Personen mit Meldeanschrift im Tiroler Oberland, Schrotts Wahlkreis, beschränkt gewesen. Die “Glücksfee” der Ziehung sei zudem nicht – wie vom ÖVP-Politiker angegeben – aus dessen Wahlkreis gekommen, sondern es habe sich um eine in Innsbruck wohnhafte Mitarbeiterin von Schrotts dortiger Wahlkampfagentur gehandelt.

Schrott, auch Obmann der Jungen ÖVP in Tirol, meinte gegenüber der APA, dass in der Agentur offenbar ein Fehler passiert sei. Er habe damit nichts zu tun, da sich die Wahlkampfagentur – und nicht er – federführend um derartige Aktivitäten gekümmert habe. “Ich habe bereits mit dem Geschäftsführer gesprochen. Er will rechtliche Schritte prüfen lassen”, sagte der Nationalratsabgeordnete. Die betreffende Mitarbeiterin, die als “Glücksfee” agierte, sei zudem nicht mehr bei der Agentur beschäftigt.

Wilhelm wartete indes mit einem weiteren schweren Vorwurf auf: Ebendiese “Glücksfee” sei wenig später als “Karin Kirchmair” bei einem Gewinnspiel der “Zillertaler Trachenwelt” aufgetreten und gewann dort – einem online gestellten Foto zufolge – ein “neues iPhone X” im Wert von knapp 1.000 Euro. Dieses habe sie aber nach dem Fototermin gleich wieder abgeben müssen – und dafür einen 50-Euro-Einkaufsgutschein für die Trachtenwelt erhalten. Der Hintergrund: Die Wahlkampfagentur “Smart Ventures”, bei der Schrott nach eigenen Angaben bis Ende Oktober 2017 angestellt war, betreut auch die “Zillertaler Trachtenwelt”.

Die Wahlkampfagentur sucht nun in den eigenen Reihen nach Schuldigen. Denn die entsprechenden Aufgaben seien “an Mitarbeiter der Agentur” delegiert worden, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Nun hat man Anwälte eingeschaltet. “Kunden wie Dominik Schrott oder die Zillertaler Trachtenwelt” hätten zur Gänze die Agentur mit der Organisation und Durchführung der behaupteten Facebook-Gewinnspiele beauftragt, wurde betont. “Sollte sich der Verdacht als wahr herausstellen, werden wir die Schuldigen zur Verantwortung ziehen”, erklärte Thomas Ziegler, Geschäftsführer der Agentur Smart Ventures GmbH.

Ziegler ist übrigens auch parlamentarischer Mitarbeiter von Schrott. Und dieser war wiederum seinerseits bis Ende Oktober 2017, also bis nach der Nationalratswahl, Mitarbeiter der Agentur.

Der 30-jährige Schrott, der wie Kurz aus der JVP kommt, hatte einen Vorzugsstimmenwahlkampf geführt und im Oberland seine Parteikollegin und damalige Abg. Elisabeth Pfurtscheller hinter sich gelassen. Pfurtscheller kam als Spitzenkandidatin im Oberland auf 4.365 Vorzugsstimmen und musste damit Schrott (7.093 Vorzugsstimmen) weichen, der erstmals in den Nationalrat einzog.

Pfurtscheller verfolgt die Vorwürfe gegen ihren Parteikollegen mit einem “gewissen Schmunzeln” verfolgt. Ob die Vorwürfe stimmen, könne sie jedoch nicht beurteilen, sagte sie der APA. Besagtes Gewinnspiel habe Schrott vergangenen Herbst aber “mit Sicherheit nicht” den Sieg bei den Vorzugsstimmen gebracht, so Pfurtscheller: “Außerdem ist es ein Jahr her, und ich habe mit der Sache abgeschlossen und mich neu orientiert.”

Für die Tiroler Sozialdemokraten ist Schrott nach den Vorwürfen neuerlich in Erklärungsnot geraten. Schrott sei bereits im vergangenen Herbst mit “fragwürdigen Facebook-Aktivitäten” aufgefallen, betonte SPÖ-Vize-Parteichef Georg Dornauer. Damals hätten sich politische Mitbewerber ungewollt unter seinen Fans wiedergefunden. “Gefakte Sebastian Kurz-Briefe, gekaufte Facebook-Freunde und nun auch noch geschobene Gewinnspiele: Das Schrott-Bingo ist komplett”, hämte Dornauer.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz