Kritik an "Feilschen um Hotelbetten"

Wo sind Südtirols Klima-Helden?

Mittwoch, 01. Juni 2022 | 15:33 Uhr

Bozen – Südtirols Umweltorganisationen bewerten das Feilschen zwischen Rat der Gemeinden und Landesregierung um Hotelbetten angesichts der Energie- und Klimakrise als fahrlässig. Anstatt gemeinsam den bedeutenden Wirtschaftssektor Tourismus fit für die Zukunft zu machen, würden die Entscheidungen für ein lebenswertes Land und einen sozial-ökologischen Tourismus auf den Nimmerleinstag verschoben.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und der Heimatpflegeverband Südtirol fordern von der Landesregierung und dem Rat der Gemeinden, das Feilschen um Betten und noch mehr Kapazität im Tourismus endlich zu beenden. Da ist zum einen die Forderung an die Landesregierung, weitere 7.000 Betten zu den bereits bestehenden bzw. genehmigten 250.000 Betten realisieren zu wollen. Diese 7.000 Betten sollten zwar in zehn Jahren wieder „zurückgebaut“ werden. Den Entscheidungsträgern der Zukunft werde damit aber eine unnötige und schwere Bürde aufgetragen. Da ist zum anderen die Forderung nach Durchführungsbestimmungen, die allesamt ausschließlich die Verteilung der Betten betreffen. Als fahrlässig bewerten die Umweltverbände diese Forderungen des Rats der Gemeinden und fordern die Landesregierung ein weiteres Mal auf, mutig zu sein und endlich zu handeln. „Jetzt muss der Klimaschutz und Ressourcenverbrauch ernst genommen werden – nicht erst in der nächsten Amtsperiode“, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und der Heimatpflegeverband Südtirol. Beide fordern wortwörtlich:

(1) Der Tourismus Südtirols muss endlich ressourcen- und landschaftsschonend gestaltet werden, denn bereits heute befinden sich mehr als 50 Prozent der Betten außerhalb des Siedlungsgebiets. Tendenz steigend. Die Landesregierung muss verbindliche Kriterien, Indikatoren und ein Monitoring für die Landschafts- und Ressourcenverträglichkeit des Tourismus in einer Durchführungsverordnung festschreiben. So sprengt zum Beispiel der Wasserverbrauch oft jede Vorstellung, nicht nur in Tourismushochburgen wie Kastelruth oder Hafling generiert Tourismus akuten Wassermangel. Wie soll ein Bürgermeister den Bewohnern ihrer Gemeinde vermitteln, dass das Bewässern des Gartens eingeschränkt werden muss, wenn gleichzeitig Hotels mit Malediven-Feeling und einem eigenen Swimmingpool für jede Suite werben?

(2) Der Tourismus in Südtirol ist laut einer Studie der EURAC für ca. 18 Prozent der CO-2-Emissionen verantwortlich. Die Emissionen pro Gast sind bei weitem zu hoch. Mit einem weiter wie bisher schaffen weder die einzelnen Gemeinden noch das Land Südtirol die eigenen Klimaziele. Die Umweltverbände fordern daher eine verpflichtende und systematische Klimazertifizierung für jedes Hotel ein, sei es bei Neubau, sei es bei größeren Umbauarbeiten des Betriebs. Die Klimahaus Agentur führt seit kurzem solche Zertifizierungen durch. Zurzeit sind gerade einmal 15 Hotels zertifiziert und weitere 15 Hotels befinden sich gerade in der Phase der Bewertung und Prüfung. Es braucht daher dringend eine Durchführungsverordnung zum Klimaschutz im Tourismus.

(3) Die Mehrheit der Gäste kommt mit dem eigenen PKW nach Südtirol. Die Umweltverbände fordern daher, den öffentlichen Verkehr massiv auszubauen. Die Anreisen mit Bus und Bahn müssen innerhalb 2030 von heute zehn Prozent auf 20 Prozent steigen. Damit wird das Klima geschont, vor allem aber werden die Menschen entlang der Autobahn, Schnellstraße und Durchzugsstraßen entlastet. Die Debatte um die Zukunft des Tourismus in Südtirol muss gemeinsam mit dem Wie einer raschen Mobilitätswende geführt werden.

Die Umweltverbände fordern die Landesregierung und den Rat der Gemeinden auf, nicht als Sprachrohr der Partikularinteressen zu handeln, sondern für ein enkeltaugliches Südtirol zu arbeiten. Südtirol braucht jetzt mehr denn je Klima-Helden.

 

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Wo sind Südtirols Klima-Helden?"


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Tina1
Tina1
Superredner
24 Tage 20 h

OttoNormalverbraucher soll das Klima retten, während sich die Lobbys und die Bettenbenutzer  am guten Klima dann ergötzen.

Doolin
Doolin
Kinig
24 Tage 20 h

…ein Bettenstopp wird hier nie kommen!…Hoteliere wollen weiter absahnen, Nachteile hat nur Otto Normalbürger…

andr
andr
Universalgelehrter
24 Tage 20 h

Geld stinkt nicht

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