"Wolffreie Zonen" - für WWF fachlicher Nonsens

Wölfe: Führen Abschüsse zu Anstieg von”Nutztierrissen”?

Freitag, 01. September 2017 | 10:25 Uhr
Update

Die angesichts vermehrter Wolf-Attacken tags zuvor von Bauernvertretern aus Südtirol, Tirol und Bayern geforderten “wolffreien Zonen” hat die Umweltorganisation WWF am Freitag als “fachlichen Nonsens” bezeichnet. Abschüsse schützen Nutztiere nicht, argumentierte WWF-Wolfsexperte Christian Pichler: “Ganz im Gegenteil – getötete Wölfe führen oft sogar zu einem Ansteigen an Nutztierrissen”.

Dies hätten Untersuchungen aus den USA und Europa gezeigt, so Pichler: “Solche Eingriffe bringen die soziale Struktur in Wolfsrudeln durcheinander. Der Abschuss eines Elterntieres kann beispielsweise dazu führen, dass Wölfe ihr Jagdverhalten ändern und die jüngeren, unerfahreneren Wölfe dann auf leichter zu erbeutende Tiere wie ungeschützte Schafe ausweichen”. Abschüsse könnten dazu führen, dass die Anzahl der Risse in Folge sogar stiegen.

Zudem gab der Umweltschützer zu bedenken, dass “wolfsfreie Zonen” nicht lange auch wolfsfrei bleiben müssen. Denn diese Tiere können bis zu 1.000 Kilometer weit wandern. Immer wieder würden dann Einzeltiere aus umliegenden Regionen diese Gebiete besuchen.

“Wenn man eine populistische Forderung immer wieder wiederholt, wird sie deswegen nicht wahrer”, so Pichler. Die einzige wirksame Methode zum Schutz von Schafen sei der Herdenschutz. Zudem würden derartige Zonen geltendem EU-Naturschutzrecht widersprechen.

Großraubtiere: Drei Länder, eine Meinung

Zu einem Gedankenaustausch und zur Abstimmung gemeinsamer Positionen haben unterdessen die Bauernbünde von Südtirol, Tirol und Bayern das traditionelle Drei-Länder-Treffen genutzt. Im Mittelpunkt standen die zukünftige EU-Agrarpolitik und das Großraubwild. Unterstrichen wurde auch die Bedeutung der Ernteversicherung.

Einmal im Jahr treffen sich die drei Bauernverbände, um aktuelle landwirtschaftliche Themen zu besprechen und gemeinsame Aktionen abzustimmen. Beim Treffen diese Woche in Vahrn ging es in erster Linie um die zukünftige Agrarpolitik der Europäischen Union. Zwar endet die aktuelle Periode erst 2020, die Diskussion darüber, wie die EU die europäische Landwirtschaft nach 2020 ausgestalten will, hat aber bereits begonnen. Ein erstes Positionspapier haben die Bauernvertreter bereits vor einigen Monaten beschlossen. „Darin fordern wir, dass der derzeitige Finanzrahmen erhalten wird, was angesichts des Austritts Großbritanniens gar nicht so einfach ist. Zudem wünschen wir uns eine stärkere Unterstützung der Junglandwirte und allgemein der Berglandwirtschaft. Auch sollen zukünftig nur mehr aktive Bauern unterstützt werden – Bauern also, die wirklich noch selbst ihre Wiesen bewirtschaften“, fasste der Südtiroler Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler zusammen. Ebenfalls wichtig ist, dass das bewährte Zwei-Säulen-Modell (die 1. Säule enthält die Direktzahlungen, mit der zweiten Säule werden Maßnahmen im ländlichen Raum finanziert) bestehen bleibt. Der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann berichtete, dass die Europäische Volkspartei im Parlament ein Arbeitspapier verfasst hat, das viele Anliegen der Berggebiete berücksichtigt.

Ein weiteres großes Anliegen der Bauernverbände ist, die Landwirtschaft gegenüber dem Handel zu stärken. „Die Produzenten sind zunehmend in einer schwächeren Verhandlungsposition, da sich der Handel immer stärker konzentriert. Von der gesamten Wertschöpfung fällt ein immer größerer Teil dem Handel zu. Preissteigerungen, wie derzeit bei der Milch, müssen auch bei den Bauern ankommen. Das ist aber nicht immer der Fall. Hier hoffen wir auf eine Unterstützung durch die europäische Politik“, so Tiefenthaler.

Wie wichtig eine gute Ernteversicherung für die Landwirtschaft ist, hat sich besonders heuer gezeigt, wo Frost und Hagel Teile der Ernte zerstört haben. „Eine funktionierende Ernteversicherung muss auch weiterhin gewährleistet sein“, forderten die Bauernvertreter. Ein Omnibusgesetz, das derzeit auf europäischer Ebene diskutiert wird, könnte einige interessante Veränderungen für jene Bauern bringen, die ihre Ernte versichern lassen. So soll die Schadensschwelle von 30 Prozent auf 20 Prozent sinken.

Ein weiteres Thema, das die Bauern derzeit beschäftigt, ist das Großraubwild. Auch hier war die Meinung klar und eindeutig. „So kann es nicht weitergehen. Entweder will man eine funktionierende Almwirtschaft, wie es sie seit Jahrhunderten gibt und die Almregionen prägt, oder man will das Großraubwild. Beides zusammen verträgt sich nicht“, sagte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. Daher wurde vereinbart, dass die einzelnen Bauernverbände auf die jeweiligen Regierungen in ihren Ländern Druck ausüben sollen, die Bären- und Wölferegelungen zu überdenken, um so den Fortbestand der Almbeweidung zu sichern. Der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann hat seine volle Unterstützung zugesichert und erklärt, bereits einen entsprechenden Antrag an den Umweltausschuss gestellt zu haben.

Von: apa

Bezirk: Bozen