CO2-Ausstoß soll drastisch gesenkt werden

WWF will “Klima- und Energiestrategie” von ÖVP und FPÖ

Sonntag, 12. November 2017 | 09:45 Uhr

Der WWF Österreich hat eine Reihe von Vorschlägen an die Koalitionsverhandler von ÖVP und FPÖ im Klima- und Naturschutzbereich ausgearbeitet. In einem Positionspapier wird eine “verbindliche Klima- und Energiestrategie” gefordert. Ziel soll die Erfüllung des Pariser Klimaabkommens sein. Greenpeace warnt indes vor Einschnitten beim Klimaschutz durch eine zukünftige schwarz-blaue Bundesregierung.

Das sechsseitige Positionspapier des WWF enthält eine Reihe von Vorschlägen, die auch weit über die Legislaturperiode von fünf Jahren hinausgehen. Ziel soll demnach sein, dass sich Österreich im Bereich Klima und Energie als “internationales Vorreiterland” etabliere. Mit einer verbindlichen Klima- und Energiestrategie soll erreicht werden, dass Österreich bis zum Jahr 2050 “klimaneutral” wird.

Dazu dienen soll eine “nahezu vollständige Dekarbonisierung des Energiesystems”, worunter die NGO eine Reduktion des Endenergieverbrauchs um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 sowie eine Eindämmung der Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um mindestens 90 Prozent versteht. Erneuerbare Energien sollen – in naturverträglicher Form – auf “de facto 100 Prozent des Endenergiebedarfs” ausgebaut werden. Darüber hinaus plädieren die Umweltschützer auf einen “Anstoß einer Ausstiegsstrategie aus den fossilen Energien bei der OMV”, die sich zu 31,5 Prozent in Besitz der Republik befinde.

Eine Forderung des WWF – der nun auch jene Lücke im Umwelt- und Klimabereich füllen will, die die Grünen nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament hinterlassen haben – betrifft das Steuer- und Abgabensystem: Dieses soll dem Wunsch des WWF folgend zur Gänze in Hinblick auf Klimaschutz und Energieeffizienz optimiert werden. Abgeschafft sehen will der WWF kontraproduktive und umweltschädliche Subventionen, wie etwa die steuerliche Begünstigung von Heizöl, Diesel und Kerosin.

Im Mobilitäts-Bereich wünscht sich der WWF ein Ende von Pkw-Neuzulassungen mit Verbrennungsmotoren spätestens im Jahr 2030 und eine Forcierung der Elektromobilität. Jede neue Parkmöglichkeit soll künftig mit Stromanschluss oder Leerverrohrung versehen werden, Schnell-Lade-Infrastruktur besonders an Autobahnen und Fernstraßen forciert werden. Fahrzeuge der öffentlichen Hand sollen bis 2020 standardgemäß emissionsfrei werden. Darüber hinaus wünscht sich der WWF einen Ausbau des Öffentlichen sowie des nichtmotorisierten Verkehrs (Radfahren, Fußgängerwege).

Gefordert wird von der Naturschutzorganisation auch ein Ausbau des Gewässer- und Hochwasserschutzes. Darunter fällt etwa der Bau von Fischaufstiegshilfen, Errichtung von naturnahen Uferstrukturierungen und Revitalisierungen von Gewässern. Damit soll nicht nur die Flussökologie geschützt werden, sondern auch die Siedlungen im Einzugsgebiet von Flüssen.

Auch eine Stärkung des Artenschutzes und die Förderung der Biodiversität steht auf dem Wunschzettel des WWF, der hier u.a. einen “Masterplan gegen das Insektensterben” einfordert. Ziel müsse der Einsatz von weniger Stickstoff, weniger Pestiziden und mehr Vielfalt auf den Äckern sein. Der Einsatz von Herbiziden und Neonikotinoiden, mit denen Saatgut behandelt wird, soll eingeschränkt werden.

Durch die ständige Intensivierung der Landwirtschaft würden Bestäubern wie Bienen, Schmetterlingen und Käfern zunehmend Lebensraum und Nahrungsgrundlagen entzogen, schreibt die NGO. Durch Herbizide würden Wildkräuter, Gräser und Grünstreifen vernichtet, dazu gebe es “schädliche Monokulturen auf den Äckern”.

Der WWF verweist in seinem Papier auch darauf, dass Insektenschutz auch die wirtschaftliche Grundlage vieler Landwirte in Österreich und weltweit sichere. Denn global seien fast 90 Prozent der wildblühenden Pflanzenarten und 75 Prozent der Nahrungspflanzen von der Weitergabe des Blütenpollens durch Tiere abhängig.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt indessen vor Einschnitten bei Klima- und Umweltschutz durch eine zukünftige schwarz-blaue Bundesregierung. Zeitgleich mit der laufenden UNO-Klimakonferenz in Bonn soll kommende Woche die Abschaffung des Klima- und Energiefonds auf der Agenda der Koalitionsverhandlungen stehen, so die Befürchtung.

“Während die Welt in Bonn um Lösungen im Kampf gegen die Erderwärmung ringt, verhandelt unsere zukünftige Regierung in Wien über das Aus des Klimafonds. Dieser Kahlschlag beim Klimaschutz in Österreich wäre ein Schlag ins Gesicht für alle, denen die Zukunft unseres Planeten am Herzen liegt”, so Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit am Sonntag.

Derzeit würden dem Klima- und Energiefonds rund 85 Millionen Euro im Jahr für die Förderung von Projekten zur Verfügung stehen. Unterstützt werden dabei etwa Modellregionen für Klima- und Energie, die Entwicklung von neuen sauberen Energietechnologien sowie der Ankauf von E-Autos für Private. “Die nächste Bundesregierung muss die Abhängigkeit von klimaschädlichen Energieimporten wie Öl und Gas beenden und für einen raschen Umstieg auf saubere Energien sorgen. Dafür braucht es starke Förderinstrumente wie etwa den Klimafonds.”

Im drohenden Aus für den Klimafonds sieht Greenpeace einen “weiteren Angriff auf österreichische Umwelteinrichtungen”. Zuletzt hatte Greenpeace die geplante Absiedelung des Umweltbundesamts nach Klosterneuburg scharf kritisiert. Auch die Pläne von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), die Bundesanstalt für Bergbauernfragen von Wien nach Osttirol zu verlegen sieht die Umwelt-NGO als Versuch, “eine als kritische geltende Organisation zu schwächen”.

Von: apa

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