Zehntausende wurden in die Flucht getrieben

Zehntausende auf der Flucht vor Kämpfen in Syrien und Irak

Sonntag, 05. März 2017 | 18:10 Uhr

Zehntausende Zivilisten sind durch die jüngsten Offensiven gegen die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) in der nordsyrischen Provinz Aleppo in die Flucht getrieben worden. Etwa 66.000 Menschen seien in den vergangenen Wochen aus den Städten Al-Bab, Tadef und weiter östlich gelegenen Ortschaften geflohen, teilte das UNO-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) am Sonntag mit.

Die syrischen Regierungstruppen eroberten mehrere Dörfer in der Region. Alleine aus den Städten Al-Bab und Tadef seien fast 40.000 Bewohner geflohen, erklärte Ocha. Türkische Soldaten und mit ihnen verbündete syrische Rebellen hatten die IS-Miliz Ende Februar nach wochenlangen Kämpfen aus Al-Bab vertrieben. Auch die syrische Armee kämpft mit Unterstützung der russischen Luftwaffe in Nordsyrien gegen den IS. Deren gemeinsame Großoffensive trieb seit Ende Februar nach UN-Angaben 26.000 Menschen östlich von Al-Bab in die Flucht.

Viele von ihnen flohen in die Region rund um Manbij. Die frühere Jihadistenhochburg unweit der türkischen Grenze wird seit vergangenem Jahr von der kurdisch-arabischen Rebellenallianz Demokratische Kräfte Syriens (SDF) kontrolliert, die von den USA unterstützt wird und ebenfalls den IS bekämpft.

Wegen der anhaltenden Kämpfe zwischen der Armee und dem IS werde die Zahl der Vertriebenen weiter steigen, sagte am Samstag der Ko-Vorsitzende der Zivilverwaltung von Manbij, Ibrahim al-Kuftan. Die geflüchteten Familien seien “sehr schwierigen Lebensbedingungen” ausgesetzt.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten die syrischen Regierungstruppen bei ihrer Offensive dutzende Dörfer aus der Hand der IS-Miliz. Ziel der Armee ist, wieder die Kontrolle über das von den Jihadisten sabotierte Pumpwerk in Chafsa zu erlangen. Die Extremisten hatten die wichtigste Wasserzufuhr für die Provinzhauptstadt Aleppo vor eineinhalb Monaten unterbrochen.

Unterdessen sind bei zwei Selbstmordanschlägen der Jihadistenmiliz IS im Norden Syriens nach Angaben von Aktivisten mindestens 15 Menschen getötet worden. Ein Attentäter habe sich Sonntagfrüh nahe der Ortschaft Deir Hafer in einem Auto in die Luft gesprengt, dabei seien acht Mitglieder der syrischen Regierungstruppen getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der IS, unter dessen Kontrolle Deir Hafer steht, bekannte sich zu dem Anschlag.

Bei einem zweiten Anschlag sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Rebellenstadt Asas ebenfalls in der Provinz Aleppo in die Luft. Dabei seien sieben Kämpfer getötet und mehrere weitere verletzt worden, teilte die Beobachtungsstelle mit, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum überprüft werden können. Auch dieses Attentat wurde vom IS beansprucht.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle berichtete auch von einem tödlichen Luftangriff auf ein Dorf im Zentrum Syriens, dem mindestens elf Zivilisten zum Opfer gefallen seien. Bei dem Bombardement eines Viehmarkts in dem vom IS kontrollierten Dorf Okairabat seien außerdem 45 Menschen verletzt worden. Vermutlich seien die Angriffe von der russischen Luftwaffe geflogen worden, erklärte die Beobachtungsstelle, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum überprüft werden können.

Russland hatte im September 2015 militärisch in den seit 2011 andauernden Bürgerkrieg in Syrien eingegriffen und dadurch das Blatt zugunsten seines Verbündeten, des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, gewendet. In dem Gewaltkonflikt wurden der UNO zufolge mehr als 310.000 Menschen getötet und Millionen weitere in die Flucht getrieben.

Auch eine US-geführte Allianz bekämpft die IS-Miliz in Syrien und im benachbarten Irak. Die Koalition legte am Wochenende neue Zahlen zu zivilen Opfern bei ihren Luftangriffen vor. Zwischen Mitte November und Mitte Jänner wurden demnach 21 Menschen unabsichtlich bei Angriffen der Allianz getötet. Die Zahl der zivilen Opfer der Luftangriffe seit dem Beginn des Militäreinsatzes im Sommer 2014 erhöhte sich damit auf mindestens 220.

Von: APA/ag.