Proteste in Weißrussland gehen weiter

Zehntausende protestieren in Weißrussland gegen Lukaschenko

Sonntag, 06. September 2020 | 20:10 Uhr

Trotz eindringlicher Warnungen haben in Weißrussland wieder Zehntausende Menschen landesweit gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko protestiert. Die meisten Menschen versammelten sich am Sonntagnachmittag in der Hauptstadt Minsk mit historischen weiß-rot-weißen Landesflaggen. Auch in anderen Städten gab es Protestaktionen. Menschen riefen etwa “Es lebe Belarus”.

Die Proteste dauern bereits einen Monat an – seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom 9. August. In Minsk waren Beobachtern zufolge trotz Regenwetter am Sonntag Zehntausende Menschen unterwegs. In anderen Berichten war auch von mehr als 100.000 Teilnehmern die Rede. Viele zogen zum Palast der Unabhängigkeit in einem anderen Stadtteil, dem Sitz Lukaschenkos. Einige schwenkten auch Regenbogenfahnen und spielten Musik. Auch die Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa marschierte mit.

Der Unabhängigkeitsplatz war komplett mit Metallgittern abgeriegelt. Einsatzkräfte versperrten den friedlichen Demonstranten mit Barrikaden und Stacheldraht den Weg. Uniformierte reihten sich mit Schutzschildern aneinander.

Der Sonntag ist für die Opposition der wichtigste Tag für Aktionen gegen den autoritären Präsidenten, der als “letzter Diktator Europas” bezeichnet wird. Regelmäßig warnt das Innenministerium in Minsk, dem Aufruf der Demokratiebewegung zu folgen. Dennoch beteiligten sich auch vor einer Woche Zehntausende an den Protesten. Am Sonntag zuvor waren es mehr als 100.000 Menschen.

Die Lukaschenko-Gegner hatten in den vergangenen Tagen über ihre Internetkanäle zu dem “Marsch der Einheit” aufgerufen. Auch die Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja, die unter dem Druck der Behörden in das EU-Land Litauen geflohen war, forderte ihre Landsleute auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. “Denkt daran: Gemeinsam sind wir stark”, sagte sie in einem Video.

Die Demonstranten sehen die Oppositionelle als wahre Siegerin der Abstimmung vom 9. August an. Lukaschenko will aber nach einem angeblichen Sieg mit rund 80 Prozent der Stimmen im November eine sechste Amtszeit beginnen. Die EU erkennt die Wahl nicht an. Der 66-jährige Lukaschenko lehnt zudem einen Dialog mit dem Koordinierungsrat der Bürgerbewegung ab.

Die Polizei ging auch gegen die Demonstranten vor. Uniformierte steckten vor allem Männer in Gefangenentransporter, wie auf Bildern und Videos zu sehen war. Allein in der Hauptstadt Minsk wurden schon kurz nach Beginn der Proteste laut Innenministerium mehr als zehn Menschen festgenommen. Das Menschenrechtszentrum Wesna sprach von mehr als 75 Festnahmen. Auf Bildern war zu sehen, wie Sicherheitskräfte die Menschen in Polizeibusse zerrten.

Auch in anderen Städten des zwischen Russland und EU-Mitglied Polen liegenden Landes gingen die Menschen auf die Straßen. In Brest und Grodno gab es Berichte, dass schwarz gekleidete Uniformierte Demonstrationen auflösten und viele Menschen festnahmen. Die Einsatzkräfte stürmten auf eine Gruppe von Demonstranten los und trieben die Menschen auseinander, wie auf Bildern zu sehen war. Es sei auch Tränengas eingesetzt worden, berichteten oppositionsnahe Kanäle im Nachrichtendienst Telegram.

Die Proteste dauern bereits seit genau vier Wochen an, jeden Tag gehen Menschen auf die Straßen. Zu Beginn ging die Polizei mit Gewalt vor und ließ zeitweise rund 7.000 Menschen einsperren. Das sorgte international für Entsetzen und trieb auch in Weißrussland die Menschen weiter auf die Straße. Die Demokratiebewegung fordert den Rücktritt Lukaschenkos, Neuwahlen und die Freilassung politischer Gefangener.

Von: APA/dpa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Zehntausende protestieren in Weißrussland gegen Lukaschenko"


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M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
16 Tage 21 h

bemerkenswert, dass sich so viele Menschen dem Risiko aussetzen

halbwissen
halbwissen
Grünschnabel
16 Tage 12 h

welchem Risiko?

RicHardP
Neuling
16 Tage 12 h

Es setzen sich derzeit mehr Menschen dem Virus der Angst aus…

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
15 Tage 23 h

halbwissen
https://www.tagesschau.de/ausland/belarus-proteste-151.html
Zitat: “as Menschenrechtszentrum Wesna sprach hingegen von landesweit mehr als 250 Festnahmen. Das Innenministerium hatte zuvor davor gewarnt, dem Aufruf der Opposition zu folgen und an der Demonstration teilzunehmen.”

Könnte man Risiko nennen oder? für dich kein risiko? oder ist es fake news?
P.S. schau und so funktioniert das Argumentieren mit Quellen, dieser Weblink dort, kannst ihn ja mal anklicken. weil du dich ja ein wenig schwer tust, deine Aussagen zu belegen.

Spiegel
Spiegel
Superredner
16 Tage 19 h

Die Eu Kolosse sind gleich wie Lukaschenko. Auch sie haben lieber Diktatur, wir uns aber als Demokratie verkauft und viele Mitläufer klatschen dazu noch!

ivo815
ivo815
Kinig
16 Tage 8 h

Du hast keine Ahnung, davon aber recht viel

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
15 Tage 23 h

Wir leben in einer Diktatur, ok diese Aussage ist diene Meinung. Aber dann erzähl mir mal was deine Definition von Diktatur ist und woran du erkennst, dass wir auch in einer Diktatur leben. Ich meine, du musst das ja irgendwo gelesen haben, nehme ich an?

Dublin
Dublin
Kinig
17 Tage 1 h

…dort braucht’s schun a Schneid…
😣

Ninni
Ninni
Universalgelehrter
16 Tage 17 h

Unglaublich, was vor Ort die Leute aufn Hut nehmen..🥺

inni
inni
Tratscher
16 Tage 18 h

„Weißrussische Opposition ruft zu neuer Großdemo auf“
… i war dabei !

Schnueffler
Schnueffler
Tratscher
16 Tage 9 h

Da kann man nur den Hut ziehen vor diesen Leuten. Es ist Zeit für Lukaschenko zu gehen. Ohne wenn und aber

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