Matobato verließ aus Angst vor Duterte das Zeugenschutzprogramm

Zeuge: Duterte soll Morde beauftragt und selbst verübt haben

Donnerstag, 15. September 2016 | 14:29 Uhr

Der Staatspräsident der Philippinen Rodrigo Duterte soll als Bürgermeister von Davao nach Angaben von Kathpress laut einer Zeugenaussage mehr als 1.000 Morde an Kriminellen und politischen Gegnern in Auftrag gegeben und in mindestens einem Fall selbst begangen haben. Diese Anschuldigungen erhob am Donnerstag Edgar Matobato, ein früheres Mitglied der sogenannten Davao-Todesschwadronen (DDS).

Matobato sagte vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss für die Morde in Dutertes Antidrogenkrieg aus. Ihm zufolge habe Duterte 2007 persönlich einen Beamten der Nationalen Ermittlungsbehörde, einer Art Bundespolizei, erschossen. Philippinische Medien berichteten via Twitter und im Fernsehen live aus der von der Ex-Justizministerin und heutigen Senatorin Leila de Lima geleiteten Untersuchungskommission.

Mehr als 2.000 angebliche Drogenkriminelle sind seit Dutertes Amtsantritt als Staatspräsident Ende Juni von Polizeieinheiten und Bürgerwehren erschossen worden. Das hat u.a. scharfen Protest der Bischofskonferenz ausgelöst.

Vor der Präsidentenwahl war Duterte 20 Jahre lang Bürgermeister der Großstadt Davao auf Mindanao. Heute regiert dort seine Tochter Sara. Ihr Bruder Pulong Zimmerman-Duterte ist Vizebürgermeister.

Sprecher des Präsidenten wiesen die Anschuldigungen zurück. Dutertes Sohn Paolo bezeichnete die Aussagen des 57-jährigen Matobato als Auftritt eines “Verrückten”. Matobato hatte unter anderem auch Paolo Duterte beschuldigt, der DDS den Mord an einem Autofahrer befohlen zu haben, weil dieser ihn überholt habe.

Als Mitglied der “Zivilen Sicherheitseinheit”, so der offizielle Name der DDS, sei er 25 Jahre lang ein “heimlicher Angestellter” der Stadtverwaltung gewesen, sagte Matobato dem Ausschuss. “Wir hatten den Auftrag, Kriminelle, Vergewaltiger, Drogenkonsumenten und Diebe zu töten.” Für das Killerkommando seien frühere Polizeibeamte wie er selbst und ehemalige Kämpfer der kommunistischen Rebellen rekrutiert worden. Die DDS habe ihre Opfer erdrosselt, verbrannt, erschossen und in einem Fall lebendig Krokodilen vorgeworfen.

Matobato, der sich seit einigen Jahren in einem Zeugenschutzprogramm befand, belastete sich in seiner Aussage auch selbst. 1993 habe er nach einem muslimischen Bombenanschlag auf die Kathedrale von Davao auf Anordnung Dutertes eine Granate in eine Moschee geworfen und mutmaßliche muslimische Täter entführt, getötet und in einem Steinbruch vergraben. Er habe das Zeugenschutzprogramm inzwischen verlassen, weil er sich seit der Wahl Dutertes darin nicht mehr sicher gefühlt habe.

Von: apa

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