Druck auf Zuckerberg wächst

Zuckerberg entschuldigte sich für Datenskandal

Sonntag, 25. März 2018 | 15:47 Uhr

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat in der britischen Presse um Entschuldigung für die Datenaffäre rund um sein Unternehmen gebeten. Das weltgrößte soziale Netzwerk schaltete am Sonntag in mehreren Zeitungen ganzseitige Anzeigen. Darin wiederholte Zuckerberg sein Eingeständnis, dass es einen Vertrauensbruch gegeben habe. “Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen”, schrieb der 33-Jährige.

Er bedauere, dass sein Unternehmen nicht mehr dafür getan habe. Die Anzeige erschien auch im “Observer”, dessen Berichterstattung über den Skandal zu massiven Kursverlusten der Facebook-Aktie geführt hatte. Seit Bekanntwerden des Skandals hat der Konzern mehr als 50 Milliarden Dollar (40,50 Mrd. Euro) Börsenwert verloren. Zuckerberg hatte sich bereits vergangene Woche in US-Fernsehinterviews entschuldigt.

Der Druck auf den Datenkonzern wächst, seit die Affäre vor einer Woche publik wurde. Demnach wurden persönliche Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern von der britischen Analysefirma Cambridge Analytica mutmaßlich auf unlautere Weise eingesetzt, um US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf zu unterstützen. Unternehmen wie die Commerzbank stornierten Werbe-Anzeigen auf Facebook, andere Konzerne wie der Elektroauto-Bauer Tesla legten ihre Seiten bei dem Netzwerk still. Im Internet kursierten Boykottaufrufe. Zuckerberg appellierte in den Anzeigen an die Nutzer: “Vielen Dank, dass Sie an diese Gemeinschaft glauben. Ich verspreche Ihnen Besserung.”

Wie am Sonntag bekannt wurde, soll die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica einem Bericht des britischen “Observer” zufolge auch im Brexit-Referendum über Umwege eine Rolle gespielt. Cambridge Analytica ist demnach eng mit dem kanadischen Datenanalyse-Unternehmen AggregateIQ (AIQ) verbunden, das in der Brexit-Kampagne eine Rolle spielte.

Der “Observer” beruft sich in seinem Bericht vom Sonntag auf den ehemaligen CA-Mitarbeiter Christopher Wylie, der den Skandal um unrechtmäßig gesammelte Facebook-Daten mit seinen Enthüllungen ins Rollen gebracht hatte. Ihm zufolge soll AIQ zeitweise intern als Abteilung von Cambridge Analytica bezeichnet worden sein. AIQ streitet auf seiner Webseite ab, jemals ein Teil von Cambridge Analytica oder deren Muttergesellschaft SCL gewesen zu sein.

Die Brexit-Kampagne des heutigen Außenministers Boris Johnson – “Vote Leave” – hatte 40 Prozent ihres Budgets in die Arbeit von AggregateIQ gesteckt. Einem ehemaligen Brexit-Wahlkämpfer zufolge soll über eine gesonderte Scheinkampagne sogar noch mehr Geld nach Kanada geflossen sein. Die britische Wahlkommission ermittelt bereits, ob “Vote Leave” die gesetzliche Obergrenze für Wahlkampfausgaben überschritten hat. Johnson bestreitet die Vorwürfe. Er bezeichnet die Anschuldigungen als “ausgesprochen albern”.

Die Kampagne für den EU-Austritt “Leave.EU” des damaligen Chefs der Unabhängigkeitspartei UKIP, Nigel Farage, soll dem “Guardian” zufolge ansatzweise sogar direkt mit Cambridge Analytica zusammengearbeitet haben.

Unterdessen forderte die EU-Justizkommissarin Vera Jourova genauere Auskünfte. “Ich verlange von Facebook weitere Klarstellungen, etwa inwieweit europäische Nutzer betroffen sind”, sagte sie der Zeitung “Bild am Sonntag”. Dazu wolle Jourova am Montag einen Brief an Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg schicken, berichtete die Zeitung im Voraus.

“Dieser Missbrauch von Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern ist völlig inakzeptabel”, sagte die Kommissarin nach einer USA-Reise. Die US-Regierung und die zuständigen Behörden hätten ihr zugesichert, “dass sie die Vorwürfe sehr ernst nehmen und an der Vorbereitung der notwendigen Schritte arbeiten”. Gleichzeitig seien die EU-Datenschutz-Behörden am Zug, um eine “europäische Antwort” zu geben.

Von: APA/ag.

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