Zuckerberg bezog im US-Kongress Stellung

Zuckerberg sagte vor US-Kongress aus

Mittwoch, 11. April 2018 | 06:17 Uhr

Im Abwehrkampf gegen eine schärfere Regulierung zeigt sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg nach dem jüngsten Datenskandal tatkräftig. “Wir durchlaufen gerade einen breit angelegten Kulturwandel im Unternehmen”, sagte er am Dienstag im US-Kongress bei der ersten öffentlichen Anhörung nach Bekanntwerden der unlauteren Nutzung von Informationen von bis zu 87 Millionen Usern durch Cambridge Analytica.

Der 33-Jährige, der den Frage- und Antwortmarathon der Senatoren anders als andere Auftritte nicht im T-Shirt, sondern im Anzug absolvierte, gab sich reumütig: “Wir haben uns die Dimension unserer Verantwortung nicht vergegenwärtigt und das war ein großer Fehler.” Doch in der fast fünfstündigen Anhörung ließ er sich keine konkreten Zusagen dafür abringen, eine stärkere Kontrolle des weltgrößten Sozialen Netzwerks zuzulassen.

Die zum Teil scharfen Fragen der Senatoren des Justiz- und Handelsausschusses reichten von der jüngsten Datenaffäre, bei der die britische Firma Cambridge Analytica mit den Nutzerinformationen den Wahlkampf von Präsident Donald Trump unterstützte, über Falschnachrichten (“fake news”) bis zur russischen Einmischung in den Wahlkampf vor zwei Jahren. Für Zuckerberg, der Facebook 2004 als Harvard-Student gründete und zu einem Konzern mit einem Marktwert von mehr als 450 Milliarden Dollar (364 Mrd. Euro) machte, steht wie für die gesamte Technologiebranche viel auf dem Spiel. Angesichts des Datenskandals, mit dem sich das Unternehmen seit Mitte März herumschlägt, denkt die Politik über eine stärkere Regulierung nach. Einzelne Volksvertreter haben eine Zerschlagung von Facebook mit seinen mehr als zwei Milliarden Nutzern gefordert.

Bisher hätten viele Abgeordnete darauf vertraut, dass sich die Technologieunternehmen selbst steuerten, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses, John Thune (Republikaner), zu Beginn der Anhörung. “Aber dies könnte sich ändern.” Senator Bill Nelson von den oppositionellen Demokraten drohte, wenn Facebook die Datenschutzprobleme nicht löse, “dann werden wir das tun müssen”. Zuckerberg erklärte, er sei per se nicht gegen eine Regulierung, wenn es die richtige Regulierung sei. Details wollte er nicht nennen, versprach lediglich, entsprechende Vorschläge einzureichen. Er betonte, dass die USA nicht hinter China zurückfallen dürften, was Innovationen angehe. Für Lacher sorgte Zuckerberg mit der Antwort auf die Frage, ob Facebook ein Monopol innehabe: “Es fühlt sich für mich nicht danach an.”

Bei der Anhörung kamen 44 Senatoren zu Wort. Zuckerberg, der alle Fragen sehr konzentriert und ruhig beantwortete, schien im Verlauf der Fragerunde Selbstvertrauen zu gewinnen. Zu Beginn wirkte der Superstar der Technologie- und Internetbranche sehr nervös und verhaspelte sich einige Male. Der sonst medienscheue Milliardär fährt gerade eine Charme-Offensive. Um Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen, entschuldigte er sich bereits in mehreren Interviews. Viele seiner Aussagen wiederholte er auch am Dienstag. Bei Anlegern kam der Auftritt des Amerikaners gut an: Die Facebook-Aktie baute ihre Gewinne aus und schloss mit einem Plus von 4,5 Prozent.

Im Ringen um die Gunst der Senatoren und Nutzer weltweit verwies er auf die Veränderungen, die Facebook vorgenommen hat. So gibt der Konzern aus Menlo Park (Kalifornien) Nutzern mehr Kontrolle über ihre eigenen Informationen und vereinfacht die Verwaltung der Einstellungen. Werbekunden sollen davon nicht gestört werden. Das Gros der Einnahmen des Tech-Riesen kommt aus den Anzeigen. Analysten und Anleger könnte eine Aussage Zuckerbergs noch einige Zeit beschäftigen: “Es wird immer eine Version von Facebook geben, die kostenlos ist.” Zuckerberg kündigte an, alle Apps zu untersuchen, die Zugriff auf Facebook-Nutzerinformationen haben. Zehntausende Apps sollen auf mögliche Missbräuche durchkämmt werden. Mittels eines solchen Miniprogramms waren die von Cambridge Analytica verwendeten Daten nämlich abgefischt worden.

Laut “New York Times” hatte Zuckerberg intensiv trainiert – Mitarbeiter und Berater schlüpften demnach in die Rollen von Parlamentariern und “grillten” probeweise den Konzernchef. Auch Zuckerbergs Outfit war sorgfältig gewählt. Statt des üblichen grauen T-Shirts trug er einen dunklen Geschäftsanzug mit blauer Krawatte und passte sich damit dem steifen parlamentarischen Ambiente an. Es war seine erste formelle Aussage im US-Kongress der wohl schwierigste Moment seiner bisher steilen Karriere. Der Datenmissbrauchsskandal setzt Facebook massiv zu. Er wird beiderseits des Atlantiks von Aufsichtsbehörden und Parlamenten untersucht. Beim Krisenmanagement steht für Zuckerberg und sein Unternehmen enorm viel auf dem Spiel: Der Skandal berührt das Geschäftsmodell von Facebook, das auf massiven Datensammlungen über seine Nutzer beruht. Die Daten werden für die gezielte Schaltung von Anzeigen genutzt.

Jeder Facebook-Nutzer “sollte Kontrolle darüber haben, wie seine Informationen verwendet werden”, sagte Zuckerberg während der Anhörung. “Es war mein Fehler, und es tut mir leid”, streute der Gründer des mit zwei Milliarden Nutzern weltweit größten Onlinenetzwerkes wegen des Datenskandals Asche auf sein Haupt und sprach von einem tief greifenden Kurswechsel bei Facebook: “Wir vollziehen eine breitere Wende in unserer Philosophie.” Facebook müsse eine “proaktivere Rolle” einnehmen und dafür sorgen, dass die vom Unternehmen bereitgestellten Vernetzungsinstrumente nicht missbraucht würden. “Ich bin dem Ziel verpflichtet, es hinzubekommen”, sagte der Facebook-Chef.

Weiteres zentrales Thema von Zuckerbergs Befragung, die am Mittwoch im Repräsentantenhaus weitergehen sollte, waren die mutmaßlich aus Russland betriebenen Desinformationskampagnen im US-Wahlkampf. Zuckerberg nannte es “eines seiner größten Leidwesen”, diesen über Seiten seines Unternehmens betriebenen Kampagnen nicht rechtzeitig auf die Spur gekommen zu sein. Seither sei es die “Top-Priorität” seines Konzerns, “die Unversehrtheit” von Wahlen zu schützen, beteuerte er. Doch befinde sich Facebook dabei im “Rüstungswettlauf” mit Russland, das seine Instrumente ständig zu verfeinern suche.

Von: APA/ag.

Kommentare

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21 Kommentare auf "Zuckerberg sagte vor US-Kongress aus"


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sigi
sigi
Grünschnabel
13 Tage 19 h

Die Schuld bei Facebook suchen ist leicht. Aber die App installieren, die zum Analysieren genutzt wurde, macht jeder Benutzer selbst. Ab und zu mal bisschen nachdenken, bevor man jeden Blödsinn installiert vor allem auf den sozialen Medien.
Ich empfehle euch, klickt euch bei den privaten Einstellungen durch und räumt bei den Apps auf, da gibt es einige, die Zugriff auf viele Daten haben. Nicht nur bei Facebook, auch andere sammeln fleißig Daten, vorallem Google.

denkbar
denkbar
Kinig
13 Tage 18 h

@sigi . So ist es. Jeder Konsument hat auch seine Verantwortung, insbesondere jetzt wo mehr Klarheit besteht, dass facebook ein hochprofitables börsenkotiertes Werbeunterhmen ist.

sigi
sigi
Grünschnabel
13 Tage 17 h

Nachtrag: bei Facebook kann man kontrollieren ob man bei Cambridge Analytics analysiert wurde, oder nicht.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
13 Tage 17 h

Richtig. Facebook verkauft aber auch von sich aus reichlich Daten weiter – und das vollkommen legal. Steht alles in den Nutzungsbedingungen, wenn man sich mal die Mühe macht, sie zu lesen und weiterzuverfolgen, was “an Werbepartner” und ähnliche Formulierungen bedeutet.

FC.Bayern
FC.Bayern
Tratscher
13 Tage 17 h

vollkommen recht !!

als ob alle jetzt vom Himmel fallen würden 🙂

wer sich registriert muss sowas auch in Kauf

nehmen ….

Rotwurst
Rotwurst
Grünschnabel
13 Tage 15 h

@sigi
..was macht das schon? Die Daten sind so oder so hinterlegt und werden bei Bedarf verwendet !  Ziel von Facebook war immer, Daten zu sammeln, mit dem Ziel, Eigenschaften und Gewohnheiten von Personen auszuforschen. Kräftig wurde der Hype damals flankiert vom Mainstream- auch das hätte eigentlich verdächtig machen müssen.😉 

Tabernakel
14 Tage 3 h

Der größte Kriminelle des Jahrhunderts gehört aus dem Verkehr gezogen. Der hat seinen Konzern nicht im Griff.

FC.Bayern
FC.Bayern
Tratscher
13 Tage 17 h

Kriminell ?
was dachtet ihr – du
was mit Daten passiert , wenn man sich auf solchen Portalen anmeldet …
100% sicherheit gibt es da nicht ,
und hier geht es auch nur um die Politik,
fake News , beinflussung gewisser Wahlen
durch facebook etc.

um uns normal Bürger geht es hier nicht !!!
soll es auch nicht , man weiss im Vorraus was mit Daten passieren kann .

oder man akzeptiert es ,
oder man registriert sich gar nicht !!
Ich habe nichts zu verbergen
deshalb ist es mit auch egal !!!

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
14 Tage 17 h

Leid tuts ihm, dem armen…
Ist halt so passiert, Hoppala! Nebenbei hat man einen Haufen Geld gemacht, aber das muss uns ja nicht interessieren !

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
13 Tage 19 h

Habe gestern im ntv die Anhörung von Zuckerberg mitverfolgt,die Grand Jury wird er aber nicht übertölpeln können,dafür ist er doch noch etwas zu wenig schlau.Er wird sich sehr schnell etwas glaubwürdiges einfallen lassen müssen,sonst wird es happig!

peterle
peterle
Superredner
13 Tage 17 h

@MickyMouse
Bei seinem Einkommen kann Er sich so manchen Anwalt Stundenweise kaufen.

Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
13 Tage 19 h

Ganz einfach, löschen!!!

DerBerni
DerBerni
Neuling
13 Tage 18 h

Los von Facebook

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
13 Tage 17 h

@ sigi
das ist ein Schmarrn!
Die  Einstellungen hätten im Voraus so gestaltet werden müssen dass von Haus aus kein Zugriff auf viele Daten möglich ist.Alles nur fein geklügelte Gaunerei denn man weiss genau das der Großteil der User sich mit den Einstellungen KAUM oder gar nicht  beschäftigt.Blöd ist schon mal zu allererst wer sich solche Wanze überhaupt installiert, Google mail ist ist genau die selbe Sache !!

sigi
sigi
Grünschnabel
13 Tage 15 h
@Mikemann Ich glaube nicht, dass man einfach pauschal sagen kann, dass Facebook ein scheiß ist. 2,1Mrd. Menschen nutzen Facebook, in etwa 1/3 der Weltbevölkerung. 1,4 Mrd. Sind täglich in Facebook. Wenn du es nicht nützt ist es deine Sache, aber wenn 1/3 der Weltbevölkerung dieses Portal nutzt muss es doch viele positive Dinge geben. Was den Datenschutz angeht: Facebook würde nicht Funktioniert, wenn alle Einstellungen so eingestellt wären, wie du es forderst. Das ist ja die Idee von Facebook sein Leben mit seinen Freunden zu teilen. Wem das nicht gefällt, darf sich nicht anmelden oder macht die Einstellungen extrem save,… Weiterlesen »
Dolomiticus
Dolomiticus
Tratscher
13 Tage 17 h

Die Realität hat sie wieder, diese superreichen, weltbeherrschenden, fast allmächtigen, teeniehaften Garagengenies und die Geister die sie riefen, werden sie nun nicht mehr los. Die Social Media entpuppen sich immer mehr als problematische Kreaturen und verlieren ihren ursprünglichen, spielhaften, unschuldigen Charakter.  Jetzt wird’s ernst Bubis…!

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
13 Tage 18 h

wer sich solchen Blödsinns bedient dem ist nicht zu helfen 😀

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
13 Tage 17 h

@ sigi
das ist ein Schmarrn!
Die  Einstellungen hätten im Voraus so gestaltet werden müssen dass von Haus aus kein Zugriff auf viele Daten möglich ist.Alles nur fein geklügelte Gaunerei denn man weiss genau das der Großteil der User sich mit den Einstellungen beschäftigt.Blöd ist schon mal zu allererst wer sich solche Wanze überhaupt installiert, Google mail ist ist genau die selbe Sache !!

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
13 Tage 13 h

@ sigi
jeder hat seine Meinung, für mich ist das so  und man sieht ja wie die Sache ausgeartet ist.Wenn Leute ihre eigenen Sachen in die ganze Welt hinaus posaunen müssen ist das ihr Problem dennoch bin ich vollends überzeugt dass Tabernakel hier vollkommen Recht hat.

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
13 Tage 13 h

die grossen Schwindler werden immer persönlich gefragt, ob und wie man sie zur Rechenschaft ziehen soll…..
siehe Ackermann und Merkel…

jack
jack
Superredner
13 Tage 13 h

wurde jemand gezwungen sich bei Facebook anzumelden?

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