FH wirft einen kritischen Blick

Zwanzigster Todestag von Alexander Langer

Freitag, 03. Juli 2015 | 21:32 Uhr

Bozen – Der 20-jährige Todestag von Alexander Langer ist ein Tag, den man in der Südtiroler Politik nicht einfach nur ignorieren kann. Langer hat mit seinen politischen Überzeugungen und seinen persönlichen Eigenschaften Zeichen gesetzt und die Südtirol-Politik nachhaltig verändert. Nicht nur zum Guten. Es muss nach 20 Jahren auch ein kritischer Blick erlaubt und zulässig sein, meinen die Freiheitlichen Ulli Mair und Michael Demanega.

„Alexander Langer war damals ein politischer Außenseiter und ein echter Alternativer. Er hatte den Mut, anders zu sein und für seine politischen Überzeugungen zu kämpfen. Er scheute nicht den persönlichen Verruf und die Isolierung durch das politische System. Er hat das System bekämpft. Er ist für seine persönlichen Überzeugungen eingetreten, nämlich Meinungsfreiheit, Toleranz im Umgang mit anderen politischen Meinungen und hat diese Vielfalt im Denken auch gelebt“, so die Freiheitlichen.

„20 Jahre später hat sich einiges verändert. Die Alexander-Langer-Jünger sind heute Teil des Systems, sitzen in Klassenzimmern, Hochschulen, in der Südtiroler Hochschülerschaft, in Vereinen und Verbänden, im Landtag, in Gemeinderäten, im Parlament, in Zeitungsredaktionen und in Landesämter und praktizieren von dort aus einen sehr einseitigen Toleranz-Begriff, der nur das einschließt, was stramm links ist. Alles andere wird ausgegrenzt, verrufen, unter Generalverdacht gestellt. Das ist sicher nicht jenes politische System, das sich ein Alexander Langer gewünscht hat!“, so die Freiheitlichen weiter.

„Erlaubt sein muss aber auch ein kritischer Blick auf Alexander Langer. Dieser hat sich bekanntlich der linksextremistischen Organisation „Lotta Continua“ angeschlossen. Eine Jugendsünde möchte man sagen. Jene, die das als Jugendsünde bezeichnen, haben allerdings kein Mindestmaß an Toleranz, wenn ein Nicht-Linker eine Jugendsünde begeht. Alexander Langer hat auch totalitäre Regime wie das Gaddafi-Regime und den politischen Islam als Vorbild betrachtet. Weshalb werden diese Bestandteile des Lebenswandels Alexander Langers einfach ausgeblendet? Sind das nicht alles auch Verirrungen, die einen Menschen menschlich machen? Wieso wird derart mit zweierlei Maß gemessen? Wenig vorbildhaft ist auch sein Ableben, das kaum als Vorbild dienen kann, um mit Problemen klarzukommen“, meinen die Freiheitlichen.

„Eindeutig geirrt hat sich Alexander Langer in Sachen Autonomie- und Volkstumspolitik. Er hat die ethnische Politik in Südtirol als „Gefängnis“ betrachtet und dabei ausgeblendet, dass eine solche Politik für eine Minderheit notwendig ist und alles andere längerfristig eine Identifikation mit dem Staatsvolk bedeutet. Dass eine Politik, die darauf hinausläuft, dass Identitäten verwischen, alles andere als ethnischer Frieden bedeutet, sondern Kampf um den eigenen Bestand. Er hat das vielleicht vernachlässigt oder bewusst in Kauf genommen, weil Linke prinzipiell nichts von bodenständigen Minderheiten wissen wollen und erst bei fremden Minderheiten den Anspruch eines Kulturkreises auf Wahrung der eigenen Art akzeptieren wollen. Seine Jünger halten heute an diesen veralteten Sichtweisen fest, ohne zu akzeptieren, dass es der heutige Minderheitenschutz und unsere Autonomie sind, sowie die Präsenz dreier Volksgruppen (und nicht einer Misch-Volksgruppe), die Südtirol zu dem gemacht haben, was es ist“, kritisieren die Freiheitlichen.

„Was verwundert ist grundsätzlich, wie doktrinär die Alexander-Langer-Linken auch heute noch, nach Jahrzehnten an seinen Positionen festhalten und sich kein bisschen weiterentwickelt haben. Aber „ewiggestrig“ sind immer nur die anderen. Nicht anders verhält es sich mit dem Personenkult rund um Alexander Langer. Während Linke sich beispielsweise kritisch zum Personenkult rund um Jörg Haider geäußert haben, steht der Alexander-Langer-Kult diesem in nichts nach. Im Gegenteil: Alexander Langer wird im linken Südtirol noch immer als „Prophet“ angesehen, der Personenkult ist ungebrochen.“„Die heutige Linke sollte sich eine Scheibe von Alexander Langer abschneiden, wenn es um Toleranz, Meinungsvielfalt und Akzeptanz nicht-linker Meinungen geht. Sie sollte aufwachen und vielleicht einsehen, dass sie heute ein System bildet, wie jenes, das Alexander Langer bekämpft hat. Sie sollte die Verirrungen Alexander Langers nicht auszublenden versuchen, nur um den „Mythos“ zu erhalten. Vielleicht braucht es heute in der politischen Linken in Südtirol einen neuen Alexander Langer, der mit verkrusteten, überholten und doktrinären Ansichten auf Seiten der grün-linken Anhänger aufräumt und Toleranz und Meinungsvielfalt auch effektiv lebt und nicht nur vorheuchelt“, so die beiden Freiheitlichen abschließend.

 

Von: ©ka

Bezirk: Bozen