Unruhen in Venezuela

Zwei Tote bei Demonstrationen gegen Regierung in Venezuela

Mittwoch, 12. April 2017 | 22:35 Uhr

Bei Demonstrationen gegen die sozialistische Regierung in Venezuela sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein Mann und ein Jugendlicher seien in der Stadt Barquisimeto erschossen worden, teilte der Gouverneur des Bundesstaates Lara, Henri Falcón, am Mittwoch mit. Laut einem Bericht der lokalen Zeitung “El Impulso” waren die Opfer von bewaffneten Regierungsanhängern angegriffen worden.

Die sogenannten Colectivos attackieren immer wieder Regierungsgegner. Damit stieg die Zahl der Todesopfer bei den seit einer Woche andauernden Protesten auf fünf. Hunderte Menschen wurden verletzt und festgenommen. Zuletzt gingen im ganzen Land Tausende auf die Straße, um die Freilassung der politischen Gefangenen und Neuwahlen zu fordern. Präsident Nicolás Maduro wittert hinter den Protesten eine Verschwörung konservativer Kreise und des Auslandes.

Venezuela steckt seit Monaten in einer tiefen politischen Krise. Diese verschärfte sich durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, dem von der Mitte-rechts-Opposition beherrschten Parlament die Kompetenzen zu entziehen und auf sich selbst zu übertragen.

Nach heftiger Kritik aus dem In- und Ausland nahm das Gericht das Urteil zurück, doch die Proteste dauerten an. Durch ein am Freitag gegen den konservativen Oppositionsführer Henrique Capriles verhängtes 15-jähriges Ämterverbot wurde die Krise weiter angeheizt.

Die Regierungsgegner im ölreichen Venezuela machen Maduro für die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung zu seiner Amtsenthebung. Für kommende Woche rief die Opposition zu weiteren Demonstrationen auf, Höhepunkt soll eine Großdemonstration in Caracas am 19. April sein.

Die venezolanische Opposition feierte zuletzt auch einen Angriff aufgebrachter Bürger auf die Wagenkolonne von Präsident Nicolas Maduro. “Ganz Venezuela hasst dich und deine korrupte Regierung. Sofort Wahlen”, schrieb Oppositionsführer Henrique Capriles am Mittwoch auf Twitter. Am Vorabend hatten Demonstranten in der Ortschaft San Felix im Teilstaat Bolivar den Konvoi des Staatschefs attackiert. Medienberichten zufolge warfen sie mit Eiern und Steinen.

Die Liveübertragung im Staatsfernsehen wurde unterbrochen, fünf Verdächtige festgenommen. Parlamentspräsident Julio Borges sagte: “Ganz Venezuela lehnt Maduro und seine Diktatur ab.” Laut einem Bericht der Zeitung “El Nacional” hat das Dorf San Felix mit Versorgungsengpässen zu kämpfen. Immer wieder kommt es dort zu Protesten.

Von: APA/dpa