Die jordanischen Behörden riegelten das Gelände ab

Zwei Tote bei Schüssen in Israels Botschaft in Jordanien

Montag, 24. Juli 2017 | 21:06 Uhr

Bei einem tödlichen Zwischenfall auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Jordaniens Hauptstadt Amman ist nach israelischen Angaben zunächst ein Wachmann aus Israel von einem Jordanier attackiert worden. Der Wachmann habe den Angreifer daraufhin erschossen und versehentlich auch einen zweiten, unbeteiligten Jordanier getroffen, teilte das israelische Außenministerium am Montag mit.

Die jordanischen Sicherheitsbehörden erklärten in einem Statement, dass der Vorfall noch untersucht werde. Von einer Attacke des Arbeiters auf den Israeli wurde jedoch nichts erwähnt, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete.

Die israelische Zeitung “Haaretz” schrieb, der Vorfall am Sonntag habe eine diplomatische Krise mit Jordanien ausgelöst. Das haschemitische Königreich wolle den Wachmann zu dem Vorfall befragen und verbiete ihm die Ausreise. Israel lehnt dies jedoch ab und beruft sich auf das Wiener Übereinkommen, das Diplomaten Immunität gewähre.

Ebenfalls am Montag berichtete die israelische Zeitung “Maariv”, Israel habe angesichts des Vorfalls in Amman und der Tempelberg-Krise als Vorsichtsmaßnahme seine Botschaft und sein Konsulat in der Türkei geschlossen. Das Außenministerium in Jerusalem wollte dies jedoch nicht kommentieren.

Nach Angaben des Regierungschefs Benjamin Netanyahu bemüht sich Israel um eine rasche Lösung der Krise in den Beziehungen zu Jordanien. “Wir sind in ständigem Kontakt mit Repräsentanten der Sicherheit und Regierung in Amman, um die Angelegenheit möglichst schnell zu beenden”, sagte Netanyahu in Jerusalem.

Der Vorfall in Amman verschärfte Spannungen mit Jordanien wegen der jüngsten Unruhen auf dem Tempelberg in Jerusalem, bei denen am Freitag vier Palästinenser getötet und rund 400 weitere verletzt worden waren. Bei einem Anschlag in einer israelischen Siedlung im Westjordanland wurden später drei Mitglieder einer Familie erstochen. Jordanien ist Hüter der islamischen Stätten in Jerusalem, darunter auch der Tempelberg.

Als zweites arabisches Land nach Ägypten hatte Jordanien 1994 einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen. Der Frieden gilt jedoch als belastet. Ein großer Teil der Einwohner Jordaniens sind palästinensischer Herkunft und viele sind solidarisch mit ihren Glaubensbrüdern in den palästinensischen Gebieten.

Angesichts der gewalttätigen Konflikte um die Zugangsrechte zum Tempelberg in Jerusalem forderte der UNO-Sondergesandte Nikolai Mladenow eine rasche “Lösung”. “Es ist extrem wichtig, dass für die aktuelle Krise bis Freitag eine Lösung gefunden wird”. Das sagte der Sondergesandte für den Nahen Osten am Montag am Sitz der Vereinten Nationen in New York, nachdem er dem UNO-Sicherheitsrat über die jüngsten Entwicklungen Bericht erstattet hatte.

Die Gefahr einer weiteren Eskalation nehme zu, wenn bis zu den bevorstehenden Freitagsgebeten der Muslime keine Lösung gefunden worden sei, sagte Mladenow. Der Streit um den Tempelberg könne “weit über die Stadtmauern der Altstadt (Jerusalems) hinaus katastrophale Kosten” verursachen. Diese Auswirkungen könnten “weit über Israel und Palästina” und “weit über den Nahen Osten” hinausreichen. Der palästinensische Botschafter Rijad Mansur forderte den Sicherheitsrat auf, den Abbau der Metalldetektoren und Überwachungskameras zu verlangen.

Von: APA/ag.