Österreichs Handballer hatten gegen Chile überraschend wenig zu sagen

24:32-Niederlage gegen Chile WM-Rückschlag für ÖHB-Männer

Samstag, 12. Januar 2019 | 22:02 Uhr

Österreichs Männer-Nationalteam hat das zweite Spiel bei der Handball-WM in Dänemark und Deutschland verloren. Ausgerechnet Außenseiter Chile erwies sich am Samstag zu stark und setzte sich in Herning klar mit 32:24 (14:15) durch. Wenngleich noch weitere drei Spiele anstehen, haben sich damit naturgemäß auch die Aufstiegschancen verschlechtert.

Rot-Weiß-Rot pausiert am Sonntag, ehe der “skandinavische Block” mit den Partien gegen die klaren Favoriten Norwegen (Montag) und Dänemark (Dienstag) ansteht. Am Donnerstag kommt es dann zum abschließenden Duell mit Afrikameister Tunesien, das gewonnen werden muss, um eine Chance auf das Weiterkommen zu haben.

Chile hatte die 16:39-Abfuhr durch Dänemark zum Auftakt sichtlich gut weggesteckt. Der Panamerika-Dritte beschäftigte Österreichs zu passive Abwehr mit dynamischen, variablen Aktionen und kam in seinen meisten Angriffen auch zu Toren – vor allem Aufbauspieler Emil Feuchtmann, einst bei Westwien aktiv, war in der Anfangsphase mit vier Toren zur Stelle. Österreich hingegen agierte im Angriff fehlerhaft und musste sich vor allem auf Einzelaktionen von Nikola Bilyk oder Flügel Robert Weber verlassen. So blieb etwa auch eine zweiminütige Überzahl ohne Erfolg.

Nach einer Viertelstunde hatte sich Chile auf drei Tore abgesetzt (4:7) und die Partie bis zum 14:11 (25.) einigermaßen im Griff. Dann brachte aber ein Personalwechsel die Wende. Tormann-Oldie Nikola Marinovic kam für den glücklosen Kristian Pilipovic, im Aufbau erhielten Dominik Schmid und Boris Zivkovic ihre Chance. Letzterer leitete einen 4:0-Lauf und die Wende ein, die folgende Überzahl konnte man mit zwei Toren in den leeren Kasten und einem weiteren Treffer ideal nützen.

Anstelle nach Seitenwechsel nahtlos fortzusetzen, lag Österreich trotz 16:14-Führung schnell wieder mit drei Toren 16:19 in Rückstand. Dabei ließ man nicht nur eine einminütige doppelte Unterzahl “liegen”, sondern handelte sich mit einem falschen Wechsel auch eine umstrittene Zweiminutenstrafe ein. Chile nützte diese Phase, um sich bis zur 43. Minute sogar bis auf 23:18 abzusetzen. Die Südamerikaner hatten sich in einen Rausch gespielt, Österreich hingegen machte bei seinen Angriffsaktionen, u.a. scheiterte der sonst so sichere Robert Weber zweimal an Chiles Tormann.

Mit dem 19:23 durch Janko Bozovic (45.) bzw. dem 20:24 (47.) durch Weber keimte noch einmal Hoffnung auf. Doch auch da blieb die Wirkung aus. Offensiv zeigte die ÖHB-Auswahl eine erschreckend schwache Vorstellung mit einer Mischung aus technischen Fehlern und schwachen Würfen, hinten kassierte man weiter zu viele Gegentreffer. Beim Stand von 20:26 (49.) war die Partie eigentlich gelaufen.

Bei Gegner Chile herrschte Stimmung wie am Nationalfeiertag. “Das ist unser Traum. Unser Trainer hat uns vor sechs Monaten gesagt, dass wir Österreich schlagen können. Und wir haben an etwas geglaubt, das uns niemand zugetraut hat”, erklärte Chiles “Man of the Match”, Erwin Feuchtmann, 2016/17 bei Westwien unter Vertrag. Es sei auch ein Sieg des Willens gewesen: “Viele Leute in Chile spielen Handball für nichts. Österreich, das sind alle Profis, bequemer.” Kreisläufer Marco Oneto stieß nach dem erst zweiten Sieg Chiles bei einer WM ins selbe Horn. “Wir haben keine große Unterstützung, wir machen diesen Sport, weil wir ihn lieben”, erklärte der Kreisläufer, bei Magdeburg einst Teamkollege von Robert Weber.

Der konnte das Geschehen kaum fassen und fühlte sich an die WM 2011 erinnert. Damals folgte dem Auftaktsieg über Brasilien die Niederlage gegen Japan, die das Vorrundenaus besiegelte. “Vielleicht haben wir geglaubt, dass wir der sichere Sieger sind. Auf dem Papier haben wir die besseren Spieler, aber Chile hatte die bessere Mannschaft und war gemeinsam stark”, sagte Österreichs Flügel-Routinier. “Wenn wir eine Mannschaft sein wollen, die in die Hauptrunde kommt, musst du so wie Dänemark mit 15 zur Halbzeit führen”, erinnerte er an die dänische 39:16-Abfuhr für Chile am Freitag. Sein Fazit: “Es ist beschämend. Chile hat uns vorgeführt. Das war keine Werbung für den österreichischen Handball. Peinlich. Was wollen wir hier?”

Teamchef Patrekur Johannesson suchte naturgemäß nach nüchternen Formulierungen. “Klar bin ich enttäuscht”, meinte der Isländer. “Ich glaube, dass es einfach am Kopf lag.” Dass seine Truppe am Ende einer mäßigen ersten Hälfte mit vier Toren en suite die Plus-1-Pausenführung herstellte, diese Dynamik nach dem Seitenwechsel aber nicht nützen konnte, machte ihn ratlos. “Was danach passiert ist …”, ächzte Johannesson. In der Folge sah er zahlreiche Passfehler, Fehlwürfe und viele leichte Tore Chiles. “Das Problem war diese Hektik nach vorne. Wir haben angefangen, an uns zu zweifeln. Wir haben den chilenischen Tormann warmgeschossen.”

In den Samstagabendspielen der Österreich-Gruppe C haben Co-Gastgeber Dänemark und Vizeweltmeister Norwegen Favoritensiege gefeiert. Norwegen setzte sich im Anschluss an Österreichs Debakel gegen Chile in Herning mit 40:21 (20:10) gegen Schlusslicht Saudi-Arabien durch. Ähnlich souverän agierte Dänemark, das Afrikameister Tunesien 36:22 (19:10) abfertigte.

Dänemark führt die Gruppe nach zwei Runden mit vier Zählern vor den punktegleichen Norwegern an. Dahinter folgen Österreich und Chile (je 2) bzw. Tunesien und Saudi-Arabien (je 0).

Von: apa