Gietl und Messini bewältigten Ortler, Drei Zinnen und Großglockner

48 Stunden für drei Gipfel und 360 Kilometer mit dem Rad

Mittwoch, 30. Mai 2018 | 12:25 Uhr

Drei Nordwände in Süd- und Osttirol sowie die zwei Strecken dazwischen mit dem Rennrad in weniger als 48 Stunden – das war der Plan der beiden Alpinisten Simon Gietl und Vittorio Messini. 7.300 Höhenmeter, über 360 Radkilometer und genau 47 Stunden und 16 Minuten später erreichten die beiden nach ihrer Extremtour über den Ortler, die Drei Zinnen und den Großglockner ihr Ziel in Kals.

Am Sonntag um 20.00 Uhr waren der Südtiroler Gietl und der seit seiner Kindheit in Osttirol lebende Italiener Messini in Sulden in Südtirol zum ersten der drei Gipfel, dem Ortler, aufgebrochen. Nach einer Abfahrt mit Skiern schwangen sich die beiden Alpinisten auf ihre Rennräder und fuhren über Bozen zu den rund 246 Kilometer entfernten Drei Zinnen. Ihrem ursprünglichen Plan, die Nordwand der Großen Zinne zu erklimmen, machte jedoch das Wetter einen Strich durch die Rechnung, weshalb sich die beiden kurzerhand für die kleine Zinne entschieden. Nach weiteren 117 Rad-Kilometern erreichten die Extremsportler schließlich den Fuß des höchsten Bergs Österreichs. Der Großglockner stellte die letzte Herausforderung ihres “North3-Projekts” dar.

Am Dienstag gegen 19.00 Uhr kamen die Alpinisten schließlich im Zielort Kals am Großglockner an – trotz teilweise schwieriger Wetterverhältnisse etwas früher als geplant. “Die Freude war überwältigend”, sagte Gietl im Gespräch mit der APA. “Ich werde wohl erst in den nächsten Tagen realisieren, was wir da geleistet haben”, meinte der Südtiroler. Die Zeichen standen für die beiden jedoch nicht immer günstig. “Bereits nach drei Stunden dachten wir das erste Mal an einen Abbruch”, erzählte Gietl. Am Ortler habe es gestürmt und geschneit und sie seien sich nicht sicher gewesen, ob sie die Abfahrt überhaupt finden würden.

Am Fuße der Drei Zinnen vereitelte ihnen das Wetter dann ihren ursprünglichen Plan, nämlich die Große Zinne über die Comici-Dimai-Route zu erklettern. Nach drei Seillängen mussten die beiden aufgeben und wieder absteigen. Es habe stark geregnet und sogar gehagelt. “Aber wir waren so motiviert, dass wir gleich einen Plan B bereit hatten”, berichtete Gietl. Sie stiegen schließlich über die sogenannte “Gelbe Kante” auf die Kleine Zinne. Dort seien die Witterungsverhältnisse wesentlich besser gewesen. Der Südtiroler sprach von einem “ganz kleinen Schönheitsfehler” in ihrem Projekt.

Bei einer Willkommens-Party in Kals ließen die Bergsteiger die Korken knallen. Der Schlafentzug und die Strapazen der vergangenen Tage seien den beiden zwar anzusehen gewesen, berichtete Sieghard Pircher, einer ihrer Betreuer. “Die übergroße Freude und das einmalige Glücksgefühl stand ihnen aber trotzdem ins Gesicht geschrieben”, meinte Pircher. In den kommenden Woche stehe jetzt aber Erholung und ein Urlaub mit der Familie am Programm, versicherte Gietl.

Bereits im Jahr 1991 hatten der Extrembergsteiger Hans Kammerlander und der Bergführer Hans-Peter Eisendle das Projekt “Von Nord nach Nord” in Angriff genommen. Sie durchstiegen die Nordwände des Ortler und der Großen Zinne in 24 Stunden und legten die Etappe zwischen Sulden und Toblach ebenfalls mit dem Rad zurück. Daran hatten Gietl und Messini Anleihe genommen, sie wollten aber “noch eins drauflegen”.

Von: apa

Bezirk: Pustertal, Vinschgau