Shiffrin ist im Slalom trotz jüngster Durchhänger die große Gejagte

Alle gegen Shiffrin im Olympia-Damenslalom

Montag, 12. Februar 2018 | 12:23 Uhr

Nach der Absage des Riesentorlaufs beginnt das Alpinski-Programm bei den Damen erst am Mittwoch und mit dem Slalom. Es ist ein Rennen, dass trotz der Schwächephase vor den Spielen mit Mikaela Shiffrin eine klare Favoritin hat. Österreichs heißestes Eisen ist Bernadette Schild, die Salzburgerin baut auf den “Flachau-Effekt”.

Denn der Rennhang in Yongpyong erinnert Schild durchaus an jenen des Heimrennens, bei dem sie im Jänner Halbzeit-Führende gewesen und am Ende Zweite hinter Shiffrin geworden war. “Ich habe echt gedacht, es ist steiler hier. Und es sind auch die Wellen wie in Flachau drin, über die man beschleunigen muss”, stellte Schild erfreut fest. Chefcoach Jürgen Kriechbaum bestätigte das. “Nur der Start ist steiler.”

Schild ist sich deshalb nicht ganz sicher, ob Shiffrin am Mittwoch “unschlagbar” ist. “Es ist ja nicht steil”, gab sie zu bedenken. “Man darf deshalb auch Petra Vlhova nicht unterschätzen. Auch Frida Hansdotter war sehr konstant”, machte die Schwester von Slalom-Königin Marlies Raich den Favoritenkreis doch deutlich größer.

Dazu komme sicher auch eine Wendy Holdener. “Wir fünf haben uns im Weltcup so ein bissl durchgetauscht da vorne, mit Mika voraus natürlich. Es kann immer Überraschungen geben. Aber wenn alles normal läuft, werden wir uns das auch diesmal wieder ausmachen”, ist Schild überzeugt, dass auch sie im Olympia-Slalom zu den Medaillen-Anwärterinnen zählt.

Rodel-Olympiasieger David Gleirscher diene als “Überraschungs-Goldgewinner” durchaus als Vorbild. “Ich glaube aber nicht das er oben gestanden ist und gedacht hat, ich hole Gold”, sagte Schild. “Man kann einfach nur sein Bestes geben und auf Glück hoffen.”

Mit Katharina Gallhuber und Katharina Liensberger haben es auch zwei der vier “Kathis” im ÖSV-Team nach Pyeongchang geschafft. Die zwei 20-Jährigen sind im Athleten-Dorf nun nicht nur Zimmerkolleginnen, sie haben zur Olympia-Premiere auch ihre Mamas mitgebracht.

Liensberger hat unmittelbar vor den Spielen nach Halbzeit-Führung Silber im Riesentorlauf der Junioren-WM geholt. Wichtiger für Olympia war aber das letzte Weltcuprennen in Lenzerheide. “Alles hing von diesem Rennen ab, und dann hat es geklappt. Da habe ich gut gelernt, wie man mit Druck umgeht. Dass ich jetzt hier bin, ist unglaublich. Ich kann es kaum erwarten, dass es los geht”, sagte die Vorarlbergerin, die ihren Teddy als Glücksbringer eingepackt hat.

Auch Gallhuber hat sich im Weltcup bereits mehrmals in den Top-10 platziert. “Ich habe nichts zu verlieren, kann zwei Mal voll angreifen”, lautet das Motto der Niederösterreicherin für das Olympia-Rennen.

Vierte im Bunde ist mit Stephanie Brunner eine Riesentorlauf-Spezialistin. “Macht nichts”, begrüßte die Tirolerin die Verschiebung ihres Hoffnungsrennens sogar. “Jetzt kann ich mich dafür im Slalom einfahren.”

Dass Brunners Slalom-Ergebnisse bis auf den 8. Platz von Levi mager sind und gleich fünf Ausfälle inkludieren, ficht die Tuxerin nicht an. “Ich habe auch im Slalom einen schnellen Schwung”, ist die 23-Jährige überzeugt.

Dass es auch am Mittwoch stark winden kann und Verzögerungen drohen, ist Brunner egal. Sie ist der “Eisbär” im Team, läuft meist ohne Socken durch die Gegend. “Nehme ich halt eine Jause mit, dann wird der Tag schon durchzuhalten sein.”

Kriechbaum ist überzeugt, dass man ein “junges, aufstrebendes, aber wegen Schild auch etabliertes” Team am Start habe. “Natürlich wären wir lieber in jeder Disziplin mit drei Favoritinnen am Start. Aber ich traue unserem Team viel zu. Klar ist, wenn du mithalten willst, brauchst du das Beste vom Besten.”

Während Petra Kronberger (1992) immer noch Österreichs einzige Slalom-Olympiasiegerin ist, ist Shiffrin bei Titelkämpfen seit einer kleinen Ewigkeit unbesiegt. 2013 wurde sie in Schladming erstmals Slalom-Weltmeisterin. 2014 avancierte sie mit 18 Jahren in Sotschi zur jüngsten Slalom-Olympiasiegerin aller Zeiten. Auch 2015 in Vail/Beaver Creek und 2017 in St. Moritz holte sie Slalom-WM-Gold.

Die Bilanz der trotzdem erst 22 Jahre alten Gewinnerin von 30 Slalom-Weltcuprennen trübt lediglich, dass sie sich in den letzten Rennen vor den Spielen erstmals echte Schwächephasen erlaubte. Ihre mentale Müdigkeit habe sie aber mithilfe eine Sportpsychologen erfolgreich beseitigt, beteuert Shiffrin in Korea. “Ich fühle mich jetzt viel besser.”

Von: apa