Den Niederösterreicher plagt die Achillessehne

Alles Topfen bei Zehnkämpfer Distelberger: “Hilft am besten”

Mittwoch, 09. August 2017 | 15:02 Uhr

Dominik Distelberger weiß, was seiner schmerzenden Achillessehne gut tut. Nach härteren Belastungen legt sich der Mehrkämpfer Topfen auf. “Das zieht die Entzündung raus. Es ist lustig, aber dieses alte Hausmittel hilft am besten”, sagte der 27-Jährige, der sich so fit für die London-WM gemacht hat. Im Zehnkampf am Freitag und Samstag will er an seine Bestleistung von 8.175 Punkten rankommen.

Sechs Pakete Speisetopfen hat der Niederösterreicher in die Stadt an der Themse mitgenommen und Quartier im Athletenhotel an der Tower Bridge bezogen. Dort hat ein Magen-Darm-Virus schon etliche Athleten flachgelegt. Distelberger will Händeschütteln vermeiden, nicht viel im öffentlichen Hotelbereich angreifen und von Desinfektionsmitteln Gebrauch machen. “Ich habe sehr gute Abwehrkräfte. Notfalls kann ich ja Topfen essen”, gab sich der Siebenkampf-Vierte der Hallen-EM im März in Belgrad gut gelaunt.

Die Achillessehnenprobleme tauchten vor einem Monat auf. Trainiert wurde trotzdem ordentlich, die Belastungen aber sehr gezielt gesetzt und für den 1.500-m-Lauf auf den Radergometer zurückgegriffen. “Ich fühle mich gut in Form und bin sehr zuversichtlich, dass es mit der Achillessehne klappt.” Er glaubt, dass es für die Top Ten 8.300 Punkte brauchen werde. “Die Dichte ist relativ hoch, da können 30 über 8.100 kommen und 20 haben die Chance auf 8.200. Das wird ein harter Kampf.”

Er habe sich platzierungsmäßig nichts vorgenommen. “Ich will gute Punkte machen und schauen, wo ich damit lande. Die Konkurrenz kann ich ja nicht beeinflussen.” Er selbst favorisiert den Franzosen Kevin Mayer, dann kommen der Kanadier Damian Warner, die Deutschen Rico Freimuth (Jahresbester mit 8.663), Kai Kazmirek; er lässt aber auch Lindon Victor aus Grenada nicht unerwähnt. “Es wird ein harter Kampf um die Medaillen werden.” Nicht mit dabei ist nach seinem Rücktritt der je zweifache Olympiasieger und Weltmeister sowie Weltrekordler Ashton Eaton aus den USA (9.045).

Mayer gewann die Hallen-EM mit Europarekord: “Wenn er gut durchkommt, kann er gute Punkte machen. Aber es ist ein Zehnkampf und kein Siebenkampf. Da gibt es noch dreimal eine Chance, irgendwo Mist zu bauen oder auch Punkte aufzuholen. Es kann schnell was schiefgehen oder jemand mit einem Lauf von ganz hinten weit nach vorne kommen”, sagte Distelberger.

Er selbst peile seine persönliche Bestleistung an. “Ich habe in vielen Disziplinen noch Luft nach oben, alles zusammen habe ich auch schon 8.600 Punkte an Einzelleistungen stehen. Wenn es mal aufgeht, und daran muss man glauben und darauf hoffen, kann eine Medaille auch einmal passieren. Derzeit sehe ich mich da aber noch nicht. Doch ich traue mir sehr viel zu.”

Ein Zehnkampf bei einer großen Meisterschaft verlangt einem Athleten viel ab, denn die Wettkampftage sind lang. “Bei einem Meeting ist alles darauf hingeschnitten, dass die Athleten möglichst gute Leistungen bringen können. Bei einer großen Meisterschaft macht es immer den Eindruck, dass man den Zehnkampf irgendwie unterbringen will. In Götzis dauert ein Tag sechs Stunden, hier zwölf. In Götzis bleibst du auf einem Level, hier kannst du das nicht in einem durchradeln, hier geht der Spannungsboden rauf und runter”, erklärte Coach Herwig Grünsteidl, der die Mitnahme von Kopfpolster und Tuchent empfiehlt, um es sich in den langen Pausen zwischen den Bewerben gemütlich zu machen.

Distelberger hofft, vom Energieverbrauch her gut durchzukommen. “Du musst es schaffen, den Körper immer wieder voll rauf- und runterzufahren. Wenn du das nicht schaffst, bist du am zweiten Tag komplett fertig.” Deshalb wird er auch Seitenblicke riskieren, wenn zum Beispiel Usain Bolt oder Mo Farah laufen. Oder nach einem guten ersten Versuch in einer technischen Disziplin ein bisschen Schmäh mit den Mitstreitern führen. “Du siehst das oft: Der, der viel redet, hat gerade einen guten Mehrkampf. Aber wenn es um Medaillen geht, werden alle ruhiger.”

Der Zehnkampf beginnt mit den 100 m und dem Weitsprung, zwei Paradedisziplinen Distelbergers. “Ich will richtig gut reinstarten, wenn die ersten zwei passen, habe ich ein gutes Gefühl, auf das ich aufbauen kann.” Kugelstoß und Hochsprung folgen, dort geht es darum, nicht zu viel zu verlieren. Beendet wird der Freitag mit den 400 m. Samstag folgen 110 m Hürden, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf und 1.500 m. “Diskus und Speer kann was gehen. Im Sprint und Weitsprung hoffe ich, dass er eine solide Leistung abrufen kann. Stabhochsprung geht immer ganz gut”, sagte Trainer Grünsteidl.

Nicht zuletzt wegen der starken Leistungen seiner ÖLV-Teamkollegen in London ist bei Distelberger die Vorfreude groß. “Jeder hat sich hier sehr gut und teuer verkauft, ich werde das auch probieren. Ich habe nichts zu verlieren, werde voll attackieren. Ivi hat gesagt, die Stimmung ist wie bei den Olympischen Spielen 2012, sie ist rausgegangen und hat Gänsehaut bekommen. Mir stellt sie sich schon auf, wenn ich nur daran denke”, erzählte er von einem Gespräch mit Siebenkämpferin Ivona Dadic, die Sechste geworden war.

Von: apa

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