Barcelona gastiert im CL-Achtelfinale an der Stamford Bridge

Angstgegner Chelsea wartet: Messi will Torsperre brechen

Montag, 19. Februar 2018 | 12:42 Uhr

An Motivation wird es Lionel Messi nicht mangeln. Der Fußball-Superstar trifft mit dem FC Barcelona im Achtelfinale der Champions League auf einen Gegner, der ihm einen der bittersten Momente seiner Karriere beschert hat. Chelsea warf die Katalanen vor sechs Jahren aus dem Rennen um die Trophäe. Messi selbst hat es in acht Duellen mit den “Blues” aus London nicht geschafft, ein Tor zu erzielen.

Am Dienstag (20.45 Uhr) gastiert der Argentinier mit Spaniens Tabellenführer an der Stamford Bridge. Chelseas Trainer Antonio Conte wusste: “Wir müssen versuchen, ein perfektes Spiel abzuliefern.” Im zweiten Achtelfinal-Hinspiel tritt der FC Bayern mit David Alaba gegen Besiktas Istanbul als klarer Favorit an. Die Münchner gelobten vor dem Heimauftritt, den Gegner keinesfalls zu unterschätzen. Besiktas bezwang Bayerns nationalen Konkurrenten RB Leipzig in der Gruppenphase immerhin zweimal.

Barcelona gegen Chelsea bot in den vergangenen Vergleichen zumeist Drama auf hohem Niveau. 2009 bescherte den Blaugrana ein Treffer von Andres Iniesta in der Nachspielzeit zum 1:1 an der Stamford Bridge den Aufstieg ins Champions-League-Finale. In Spanien ist das Tor als “Iniestazo” in die Fußball-Annalen eingegangen. Die Engländer sahen sich von Referee Tom Henning Övrebö zurecht schwer benachteiligt. Barcelona holte dann auch den Titel. Drei Jahre später revanchierte sich Chelsea, stieg nach einem 2:2 im Camp Nou ins Endspiel auf und bezwang dort auch den FC Bayern.

Messi hämmerte im Rückspiel 2012 beim Stand von 2:1 einen Elfer an die Latte und traf im Finish noch die Stange. Sein damaliger Mitspieler Alexis Sanchez (nun Manchester United) erinnerte sich dieser Tage: “In der Kabine habe ich Leo dann weinen gesehen. Spieler erwarten sehr viel von sich selbst, die Leute sehen das nicht.” Für Messi wird das Wiedersehen damit auch eine persönliche Herausforderung. Exakt 655 Minuten hat der Torjäger gegen Chelsea nicht angeschrieben. Laut UEFA-Statistik ist Messi im Europacup alle 102 Minuten und 43 Sekunden erfolgreich.

Chelsea-Coach Conte wusste um die Aufgabe, die seine Mannschaft erwartet. “Ich hoffe, wir können diese Tradition aufrechterhalten. Aber wir sprechen hier über einen fantastischen Spieler”, sagte der Italiener. Es gehe jedoch nicht nur um Messi alleine. “Wenn wir uns nur darauf fokussieren, ihn in Manndeckung zu nehmen, kann das sehr gefährlich sein”, wusste Conte. Der ehemalige Barca-Profi Cesc Fabregas sagte zur taktischen Ausrichtung: “Wenn wir ihr hohes Pressing überwinden, können wir ihnen wehtun.” Zum Matchwinner soll Eden Hazard werden, der Belgier ist mit drei Toren Chelseas bester Torschütze in der laufenden Champions League.

Spaniens Tabellenführer reiste zuversichtlich auf die Insel. Gerard Pique rief dennoch folgenschwere Ausrutscher in der Vergangenheit in Erinnerung. “Wir müssen aus unseren Erfahrungen aus den letzten Jahren lernen. Ein schlechter Tag, und wir sind draußen”, sagte der Innenverteidiger. In der Vorsaison war Barcelona im Viertelfinale nach einem 0:3 im Hinspiel bei Juventus gescheitert, als man sich unkonzentriert präsentierte. Trainer Ernesto Valverde bot beim 2:0 in Eibar am Samstag seine stärkste Formation auf, obwohl er zuletzt moniert hatte, dass Chelsea nach dem FA-Cup-Einsatz am Freitag (4:0 bei Zweitligist Hull) einen Tag länger zur Regeneration habe.

In München schöpfen die Bayern aus dem Vollen, nur Torhüter Manuel Neuer fehlt weiter verletzt. Beim 2:1 über Wolfsburg schonte Trainer Jupp Heynckes einige Stars. Der wie David Alaba erst in der zweiten Hälfte eingewechselte Robert Lewandowski traf in der 91. Minute per Elfer entscheidend. Heynckes will eine Erfolgsserie weiter ausbauen: Gegen Besiktas soll in Europas Königsklasse der zehnte Sieg des deutschen Rekordmeisters unter dem Erfolgscoach in Folge bejubelt werden.

Thomas Müller sah beim Gegner viel Qualität. “Man hat ja auch schon bei den Spielen gegen Leipzig gesehen, dass man Besiktas auf keinen Fall unterschätzen darf”, warnte der Offensivmann. RB-Coach Ralph Hasenhüttl hatte den türkischen Meister als “abgezockte Truppe” bezeichnet. Bei den Adlern vom Bosporus stehen einige erfahrene Akteure wie die portugiesischen Europameister Pepe und Ricardo Quaresma unter Vertrag. Der nach langer Verletzungspause noch nicht fitte Wiener Veli Kavlak fehlt im Champions-League-Kader.

Besiktas rechnet sich nicht zuletzt nach Platz eins in der Gruppenphase etwas aus. In der Champions League sind die Türken in dieser Saison noch ungeschlagen. Club-Chef Fikret Orman meinte: “Der Gegner ist stark, aber wir sind auch keine schwache Mannschaft.”

Von: apa