Die Post-Ronaldo-Ära in Madrid hat begonnen

Atletico als Reals erster Prüfstein in Post-Ronaldo-Ära

Dienstag, 14. August 2018 | 15:10 Uhr

Erstmals in der Geschichte des UEFA-Supercups treffen am Mittwochabend (21.00 Uhr MESZ) zwei Teams aus derselben Stadt aufeinander. Das Madrider Derby in Tallinn zwischen Champions-League-Sieger Real und Europa-League-Gewinner Atletico Madrid steht im Zeichen der Absenz von Weltfußballer Cristiano Ronaldo, der vor fünf Wochen für 112 Millionen Euro zu Juventus Turin gewechselt war.

Diese Nachricht am Tag des WM-Halbfinales zwischen Frankreich und Belgien löste Freudentaumel in Turin aus. In Madrid fielen die Reaktionen indes komplett unterschiedlich aus: Während die Real-Fans im reichen Norden sichtlich geschockt waren, herrschte im Süden bei den Anhängern von Atletico Freude und Erleichterung. Denn mit dem 33-Jährigen verließ am 10. Juli so was wie der Angstgegner der “Rojiblancos” die spanische Hauptstadt: In 31 Spielen gegen den Stadtrivalen war Ronaldo an 30 Toren beteiligt – 22 schoss er selbst, acht bereitete er vor.

Man darf also gespannt sein, wie sich Real nun nach dem Abgang des fünffachen Weltfußballers in der nur 13.000 Zuschauer fassenden Le Coq Arena der estnischen Hauptstadt präsentieren wird. Die “Königlichen” werden dabei auch nicht mehr von Erfolgscoach Zinedine Zidane betreut, der überraschend nach dem dritten Champions-League-Triumph en suite zurückgetreten war. Neuer Real-Coach ist nun Julen Lopetegui, der wegen seines Engagements in Madrid unmittelbar vor der WM in Russland als Trainer der spanischen Nationalmannschaft gefeuert worden war.

Lopetegui sieht im Abgang Ronaldos kein Problem. Auch dass noch kein Ersatz für den Portugiesen gefunden worden ist, stört den bald 52-jährigen Basken nicht. “Es ist eine spannende Aufgabe, die Mannschaft ohne Cristiano neu zu erfinden, um ein konkurrenzfähiges Team zu schaffen”, sagte Lopetegui, der nun auf Gareth Bale setzt. Der pfeilschnelle Waliser war bereits beim 3:1-Erfolg im Champions-League-Finale gegen Liverpool mit einem Doppelpack der Matchwinner.

70 Tore in 126 spanischen Ligaspielen sind ein weiterer Beweis für die Qualität von Bale, der nun endgültig aus dem langen Schatten des abgewanderten Superstars Ronaldo treten kann. Dafür muss der 29-Jährige aber auch seine Ausbeute in den Prestigeduellen mit dem Stadtrivalen Atletico deutlich steigern. In 16 Spielen glückte Bale bisher erst ein Treffer gegen die robuste Verteidigung des Teams von Kult-Trainer Diego Simeone, die auch in Tallinn schwer zu knacken sein wird.

Lopetegui weiß jedenfalls, was von ihm und seiner Mannschaft erwartet wird: “Real Madrid hat die Pflicht, alles zu gewinnen.” Deshalb wäre alles andere als der dritte UEFA-Supercup-Triumph en suite eine herbe Enttäuschung für den spanischen Rekordmeister.

Von: APA/ag.