Britischer Premier Johnson will keine Doiplomaten bei Peking-Spielen

Auch Australier, Briten, Kanadier für Olympia-Boykott

Mittwoch, 08. Dezember 2021 | 19:34 Uhr

Australien, Großbritannien und Kanada werden wie die USA keine diplomatischen Vertreter zu den Olympischen Spielen nach China schicken. Das kündigten die Länder am Mittwoch an. Sportlicher Boykott sei aber keiner geplant. Ebenfalls nicht anreisen wird Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. “Es gibt keine Pläne des Bundespräsidenten, nach Peking zu reisen”, sagte eine Sprecherin der ARD. Diese Pläne habe es aber auch nicht vor der Entscheidung der USA gegeben.

Es handle sich “effektiv um einen diplomatischen Boykott”, sagte der britische Premierminister Boris Johnson im Parlament in London. Er bespreche kritische Fragen wie Menschenrechte regelmäßig mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping. “Wie ich bereits zuvor sagte, unterstützen wir keinen sportlichen Boykott. Aber es gibt keine Pläne, dass Kabinettsmitglieder die Olympischen Winterspiele besuchen”, sagte Johnson.

Australiens Premierminister Scott Morrison erklärte, die Entscheidung sei aufgrund der gescheiterten Bemühungen gefallen, die diplomatischen Kanäle mit China wieder zu öffnen, um über Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang zu sprechen. Auch die Maßnahmen der Regierung in Peking, die Einfuhren australischer Waren zu erschweren oder zu blockieren, seien ein Grund. “Australische Regierungsvertreter werden daher nicht nach China zu diesen Spielen reisen. Die australischen Athleten werden es aber tun.”

Der formelle Boykott Australiens birgt die Gefahr, dass die Beziehungen zu China, seinem größten Handelspartner, sich weiter verschlechtern. Die Spannungen hatten sich verschärft, als die Regierung in Canberra dem chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei den Zugang zu seinem 5G-Breitbandnetz verwehrt und eine unabhängige Untersuchung der Herkunft von Covid-19 gefordert hatte. Die Volksrepublik reagierte mit Einfuhrzöllen auf australische Waren, darunter Kohle, Rindfleisch, Gerste und Wein.

Auch Kanada schloss sich der Vorgehensweise der Briten und Australier an. “Kanada bleibt zutiefst verstört angesichts der Berichte über die Verletzung von Menschenrechten in China”, schrieb Premierminister Justin Trudeau am Mittwoch auf Twitter. “Deswegen werden wir keine diplomatischen Vertreter zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen nach Peking schicken. Wir unterstützen weiterhin unsere Athleten, die hart dafür arbeiten, an Wettkämpfen auf der Weltbühne teilzunehmen.”

Die deutsche Europaparlamentarierin Nicola Beer sprach sich unterdessen für einen Komplett-Boykott aus. Die Europäische Union sollte “nicht nur im Windschatten der USA bleiben, sondern sich selbst für die Einhaltung von Menschenrechten auf die Hinterbeine stellen und sich für einen gänzlichen Boykott der Winterspiele aussprechen”, sagte die liberale Politikerin und eine der Vize-Präsidentinnen des EU-Parlaments den Zeitungen der deutschen Funke Mediengruppe. Der von den USA geforderte diplomatische Boykott komme spät, sagte die FDP-Politikerin, und sei “das Mindeste”, was vom Westen zu erwarten sei.

Der neue Bundeskanzler Olaf Scholz reagierte hingegen zurückhaltend auf Forderungen der USA nach einem politischen Olympia-Boykottt. “Das ist eine Debatte, die ganz aufgeregt begonnen hat”, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im ZDF. Man müsse dies sorgfältig international beraten. “Ich jedenfalls finde, dass es hier keinen Anlass gibt, sich vorschnell auf irgendein Vorgehen hinzubewegen”, fügte er hinzu. “Rationales Handeln ist ganz, ganz entscheidend für Frieden und Sicherheit.” Scholz betonte, dass der olympische Gedanke sei, zusammenzukommen.

Die Vereinigten Staaten hatten am Montag erklärt, wegen Menschenrechtsverletzungen in China keine diplomatischen Vertreter im Februar 2022 zu dem Sportevent nach Peking zu schicken. China kündigte an, die USA würden für ihre Entscheidung “den Preis zahlen” und warnte vor “entschlossenen Gegenmaßnahmen”.

Die Olympischen Winterspiele finden vom 4. bis 20. Februar 2022 statt. Dem autoritär regierten China werden von vielen Seiten Menschenrechtsverletzungen, vor allem gegen Minderheiten wie den muslimischen Uiguren in der Provinz Xinjiang, vorgeworfen.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Auch Australier, Briten, Kanadier für Olympia-Boykott"


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Steinbock 1
Steinbock 1
Tratscher
1 Monat 13 Tage

warum tragen sie dort überhaupt spiele aus zum beispiel china russland katar 

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 13 Tage

…die Musi spielt wo gezahlt wird…
🤪

magari
magari
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Als sich Peking vor 8 Jahren beworben hatte waren diese Internierungslager wo zurzeit über eine halbe Million Uiguren weggesperrt werden noch ein andere. Auch war Xi Jinping noch nicht Führer auf Lebenszeit. Ein Boykott unserer Südtiroler Sportler wäre angebracht.

Chrys
Chrys
Superredner
1 Monat 13 Tage

Das die Menschenrechte in China und auch die Außenpolitik sich in den letzten Jahren sehr stark geändert haben ist ohne Zweifel.
Trotzdem sollte man Sport und Politik, so weit als möglich, getrennt lassen.
Einen Diplomatenboykott empfinde ich als angemessen.
Man kann die Augen vor der Realität in China nicht mehr verschließen.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@Chrys Vollkommen Recht. Nur, das wird China nicht beeindrucken. Kleiner Makel an den Spielen aber ansonsten wird sich nicht viel ändern.

Hustinettenbaer
1 Monat 13 Tage

Steinbock 1, gute Frage.
Seit 1936 nix dazu gelernt. Ein Olympia-Boykott hätte Hitler nicht gestoppt, aber wahrscheinlich geschwächt.

Anduril61
Anduril61
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Warum wohl, wirtschaftliche Interessen, oder der schnöde Mammon…😀😀😀 Was Katar betrifft könnte der FC Bayern da sicher die passende Antwort liefern 😃😃😃

Evi
Evi
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

@N. G. denke auch, daß China da stoisch drübersteht.

gutergeist
gutergeist
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

Geld regiert die Welt. Zur Zeit wo die Sanität dringend weltweit aufgerüstet werden müsste, verzeichnet die Waffenindustrie ein fettes Plus. Und dann verlangen Politiker dass wir ihnen glauben?!

brunner
brunner
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Typisch….die Amis Engländer usw halten zusammen wie Pech und Schwefel…lächerlich keine Vertreter zu schicken

Sun
Sun
Superredner
1 Monat 13 Tage

Alles nur Show, die westlichen Wohlstandsländer haben durch chinesische Billigproduktion enorm viel verdient und sind inzwischen wie z.B Medikamentenproduktion abhängig von den Chinesen.

Anduril61
Anduril61
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Solange der Sport und die Athleten im Mittelpunkt des Events stehen passts schon. Kann mich nicht erinnern dass mir bei Olympia mal ein Politiker abgegangen wäre 😀😀😀 Ob sich die Chinesische Führung damit beeindrucken lässt wage ich zu bezweifeln….🤔 Diese Einmischung in innenpolitische Angelegenheiten anderer Länder bringt in der Regel kaum was anderes als neue Spannungen. Es ist nicht alles schlecht im Reich der Mitte, sowie nicht alles gut ist in den USA oder generell im Westen…

quilombo
quilombo
Superredner
1 Monat 12 Tage

wenn man jedes Mal bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften der Politik das Sagen geben, dann würden solche Veranstaltungen überhaupt nie stattfinden. Warum z.B. sind nie Spiele in den USA boykottiert worden, obwohl dieses Land ständig brutale Überfallskriege führt und überall die Menschenrechte mit Füßen tritt?

Zugspitze947
1 Monat 12 Tage

Sollte China diese Tennisspielerin nicht offen und frei auftreten lassen und die Uiguren-Tibeter weiterhin Knechten dann muss es auch im Sport Konsequenzen haben ! 😡👌😂

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