Die Bayern präsentierten sich in Torlaune

Bayern träumen nach 5:1 in London wieder einmal von Großem

Mittwoch, 08. März 2017 | 13:04 Uhr

Nach dem 10:2-Schützenfest im Champions-League-Achtelfinale gegen Arsenal ist der Blick bei Bayern München nach vorne gerichtet. “Das Viertelfinale muss nicht das Ende sein. Wir wissen genau, was wir wollen”, sagte Arjen Robben. Im zweiten Achtelfinale befreite Sergio Ramos Real Madrid aus einer brenzligen Situation – die “Königlichen” siegten in Neapel wie im Hinspiel 3:1.

Die Bayern um David Alaba verließen das Emirates Stadium in London in der Nacht auf Mittwoch mit einem guten Gefühl. Das Fernziel lautet Cardiff. Dort wird am 3. Juni im Millennium Stadium der Königsklassen-Champion 2017 gekürt. “Man muss die große Motivation haben und auch das große Ziel”, empfahl Clubchef Karl-Heinz Rummenigge, sich an der Triple-Saison 2013 zu orientieren.

Dabei bot das zweite 5:1 gegen Arsenal durchaus Anlass zu einer kritischen Aufarbeitung. “Das Ergebnis gibt nicht wieder, was auf dem Platz passiert ist”, sagte Trainer Carlo Ancelotti angesichts der Vorstellung in der ersten Hälfte, in der Arsenal durch einen Treffer von Theo Walcott verdient führte. Diesem wurde kurz darauf nach einer stritten Szene noch dazu ein Elfmeter verwehrt.

Dramatisch schlimm wurde es für Arsenal und die bröckelnde Trainer-Legende Wenger wie vor drei Wochen nach der Pause. Nach einer Notbremse von Kapitän Laurent Koscielny (54.) gegen Robert Lewandowski verwandelte der Bayern-Torjäger den Elfmeter zum 1:1. Koscielny sah zudem die Rote Karte. Der griechische Referee Tasos Sidiropoulos wurde von Wenger daraufhin als Sündebock ausgemacht.

“Ich finde es unerklärlich, es ist skandalös. Die Bayern sind ein gutes Team, aber heute Abend können sie sich beim Schiedsrichter bedanken”, diktierte Wenger in die Mikrofone. “Nicht nur, dass es kein Elfmeter war, er (Lewandowski) war auch noch Abseits. Obendrein gibt er uns eine Rote Karte, die uns komplett umgebracht hat.”

Nicht die Spieler, sondern der Schiedsrichter habe ihn im Stich gelassen, meinte der Franzose nach der höchsten Heimniederlage der “Gunners” in knapp 19 Jahren. Im November 1998 hatte man im Ligacup gegen Chelsea 0:5 verloren, damals noch im alten Highbury Stadium. Der Gesamtscore von 10:2 für Bayern war zudem die größte Schmach, die ein englisches Team je in der Champions League erlitten hat.

Wenger ist nun noch mehr im Misskredit. In der Premier League hat Arsenal drei der vergangenen vier Spiele verloren und ist aus den Top Vier gefallen. “Wenger raus”, titelte das Massenblatt “Sun” bereits. “Einer der berühmtesten Clubs der Welt ist tot und begraben”, befand Chef-Reporter Neil Ashton.

Die Bayern sonnen sich indes fast ausnahmslos in positiven Schlagzeilen. In der heimischen Meisterschaft unangefochten, zeigte sich der deutsche Rekordmeister auch in der Champions League bärenstark. “Die zweite Halbzeit war eine ganz andere, da haben wir unser gutes Gesicht gezeigt”, sagte Torhüter Manuel Neuer.

Bis zur Auslosung am 17. März müssen die Münchner nun auf ihren Viertelfinalgegner warten. “Ich weiß heute schon, dass wird schwieriger als das, was wir in dieser Runde erlebt haben”, betonte Rummenigge. “Wir tun auch gut daran, uns jetzt nicht gleich zum Favoriten der Champions League abstempeln zu lassen.” Auch Robben empfahl seinen Kollegen eine Portion Demut. “Da kommen nur starke Mannschaften. Das wird ein ganz schweres Ding”, meinte der Niederländer.

Ancelotti wünscht sich seinen Ex-Club, Titelverteidiger Real Madrid, nicht jetzt schon. “Aber ich würde gerne in Cardiff auf sie treffen, das wäre gut für beide Mannschaften”, sagte der Italiener, der 2014 mit den Königlichen den Titel holte. Jetzt strebt er mit dem FC Bayern seinen vierten Triumph an. “Meine Motivation ist, die Mannschaft an die Spitze zu führen, an die Spitze in Europa. Das ist mein einziges Ziel, dafür gebe ich alles.”

Beim Aufeinandertreffen Napolis mit Real Madrid bewies Sergio Ramos einmal mehr Köpfchen. Der Verteidiger leitete beim 3:1-Erfolg mit zwei Kopfball-Toren die Wende ein. “Ich bin glücklich, dass wir weiter sind”, sagte der 30-Jährige nach seiner 100. Königsklassen-Partie.

In der ersten Hälfte belagerte Napoli im rappelvollen Stadion San Paolo das Tor der Gäste. Die Real-Stars wusste zeitweise nicht, wie ihnen geschah. Schon nach 24 Minuten hatte Dries Mertens die Italiener nach der 1:3-Niederlage im Hinspiel in Führung gebracht. Als das Spiel eine Stunde später vorüber war, fragten sich die leidenschaftlichen Tifosi, was wohl aus dem Abend geworden wäre, wenn der Belgier kurz darauf nicht die Stange, sondern zum 2:0 getroffen hätte.

Es kam schließlich nicht zum Happy End, weil Napoli nach der Pause die Kraft fehlte und es Abwehrchef Ramos war, der Real erlöste. Innerhalb von sechs Minuten köpfelte der Routinier nach Eckbällen von Toni Kroos ins Netz, sorgte für die Wende in dem Spiel und die Entscheidung in dem Achtelfinal-Duell. Das 3:1 besorgte Alvaro Morata in der Nachspielzeit.

Von: APA/dpa/ag.