Beate Schrott ist diesmal nur "Touristin"

Beate Schrott will 2018 wieder angreifen

Dienstag, 08. August 2017 | 10:53 Uhr

Fünf Jahre nach ihrem siebenten Olympiarang ist Beate Schrott dieses Mal nur als Zuschauerin in London. Die Hürdensprinterin verpasste die Qualifikation für die Leichtathletik-WM, wird aber ihrem Freund Christian Taylor im Dreisprung die Daumen drücken. Bei der Rückkehr in die Stadt an der Themse und nach dem Betreten des Stadions stellte Schrott fest, dass der Erfolgshunger wieder da ist.

Am Montag war es auf den Tag genau fünf Jahre her, dass Schrott mit dem Einzug ins Finale über 100 m Hürden bei den Sommerspielen 2012 eine große Überraschung ablieferte. Sie kam im noch am selben Tag ausgetragen Endlauf auf Rang acht, wurde später nach einer Doping-Disqualifikation noch einen Platz nach vor gereiht.

“Es ist echt witzig. Ich bin das erste Mal seit damals wieder hier im Stadion, ich war seitdem auch nie wieder in London”, sagte die 29-Jährige am Montagabend im Stadion-Oval zur APA. Die Wehmut, dieses Mal nicht laufen zu dürfen, hielt sich in Grenzen, auch wenn sie dies natürlich “schon schade” fand. “Aber ich muss sagen, das macht wieder so richtig hungrig. Nach dem letzten Jahr war ich so enttäuscht, da hat mir das ein bisserl gefehlt. Das tut jetzt ganz gut, ich habe wieder voll Lust drauf. Aber ich glaube, ich habe die Zeit auch gebraucht.”

Die Niederösterreicherin, Freiluft-EM-Bronzemedaillengewinnerin 2012 in Helsinki, kam zuletzt im Juli 2015 in Bellinzona (Schweiz) mit 12,92 Sekunden unter die 13er-Marke. Bei der WM 2015 in Peking zog sie sich im Halbfinale einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel zu, für die Freiluft-EM 2016 in Amsterdam sagte sie wegen einer Verhärtung am rechten Oberschenkel ab. Bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro erlebte sie als Vorlaufletzte ein Debakel.

Die österreichische Rekordhalterin (12,82) veränderte nach einer Nachdenkphase ihr Trainingsumfeld und ihre Wohnsituation. Sie verließ den Trainingsstützpunkt in Arnheim, kehrte nach Österreich zurück und schloss sich schließlich der Gruppe des deutschen Trainers Sven Rees in Stuttgart an.

Dass es mit der WM-Norm für London nicht klappte, lag an einer zugezogenen Wadenverletzung. “Die Schmerzen in der Wade sind einfach nicht weggegangen”, sagte Schrott, die sich physiotherapeutisch behandeln lässt. “Ich bin mitten im Reha-Prozess, und wenn die Wade gekräftigt und wieder belastungsverträglich wird, will ich im Oktober mit dem Training beginnen.” Und 2018 die Qualifikation für die Freiluft-Europameisterschaften in Berlin schaffen.

Derweil gibt sich Schrott als Leichtathletik-Fan und freut sich über die guten österreichischen Ergebnisse in London. “Es ist voll schön, das mitzukriegen. Das macht extrem stolz als ÖLV-Athletin, wenn man zuschauen kann, wie Österreich vorne mitmischt.”

Am Montagabend waren ihre Augen auf Christian Taylor gerichtet, der in der Dreisprung-Qualifikation im Einsatz war und souverän in das Finale am Donnerstag einzog. Der US-Amerikaner kann sein drittes WM-Gold gewinnen, 2011 in Daegu und 2015 in Peking war er bereits erfolgreich, zudem gewann er Olympia-Gold 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro.

“Es ist cool und eine andere Erfahrung, ich bin nicht gestresst oder nervös, kann entspannt zuschauen. Ich habe vollstes Vertrauen und verspüre eine positive Aufregung. Ich kann das Zuschauen genießen. Christian ist richtig gut drauf”, erzählte Schrott. Die beiden werden in den kommenden fünf Jahren die meiste Zeit in Österreich verbringen, denn Schrott wird die Facharztausbildung in Angriff nehmen.

Von: apa