Mehr Nutzen oder mehr Schaden?

Befürworter und Gegner rühren Werbetrommel für Olympia-Votum

Freitag, 13. Oktober 2017 | 15:35 Uhr

Zwei Tage vor der Volksbefragung für eine mögliche Bewerbung Tirols/Innsbrucks für Olympische Winterspiele 2026 haben die Befürworter nochmals die Werbetrommel für ein “Ja” aus der Bevölkerung gerührt. Vertreter aus Land, Stadt, Österreichischem Olympischen Komitee und den Austragungsgemeinden orteten eine positive Stimmung. Auch die “Liste Fritz” als Gegner einer Bewerbung machte letztmals mobil.

Zwei Tage vor der Volksbefragung für eine mögliche Bewerbung Tirols/Innsbrucks für Olympische Winterspiele 2026 haben die Befürworter nochmals die Werbetrommel für ein “Ja” aus der Bevölkerung gerührt. Vertreter aus Land, Stadt, ÖOC (Anm., Österreichisches Olympisches Komitee) und den Austragungsgemeinden orteten eine positive Stimmung für die Volksbefragung am Sonntag.

“Ich stelle einen positiven Trend fest”, meinte etwa Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Freitag in Innsbruck. Auch Ex-Skistar Benjamin Raich, der in den vergangenen Wochen als “Olympia-Botschafter” durch das Land getourt war, meinte, dass er für die Volksbefragung ein “sehr, sehr gutes Gefühl” habe. “Ich hoffe als Sportler, aber auch als Tiroler und als Jungvater, dass das gut geht”, meinte Raich.

Platter strich nochmals die Pro-Argumente für Winterspiele hervor und nannte dabei unter anderem die Beschäftigung, Wertschöpfung und das Entstehen von leistbarem Wohnraum. Gleichzeitig mahnte er aber auch die Bevölkerung, nicht die “Unwahrheiten” zu glauben, “die verbreitet werden” und sprach damit die Oppositionspartei Liste Fritz an, die seit Wochen Stimmung gegen Olympische Spiele machte. Es seien sehr viele Unwahrheiten verbreitet worden, stieß auch LHStv. und Sportlandesrat Josef Geisler (ÖVP) ins selbe Horn. “Der Liste Fritz geht es nicht um Olympia, sondern um ihren politischen Überlebenskampf”, so Geisler.

Platter richtete zudem einen Appell an die Tiroler Bevölkerung, ihm zu vertrauen. “Die Tiroler wissen, dass ich einer bin, der auf die Finanzen schaut. Ich stehe den Bürgern im Wort, dass nur unter unseren Bedingungen ein Vertrag mit dem IOC abgeschlossen wird”, betonte er und wiederholte erneut den Leitsatz “unsere Spiele, nach unseren Regeln”.

ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel bekräftigte, dass die Agenda 2020 des IOC (Anm., Internationales Olympisches Komitee) eine Trendwende eingeleitet habe. Man sei heute in der einmaligen Situation, dem IOC als Verhandlungspartner auf Augenhöhe entgegen zu treten. “Wir unterschreiben keinen Vertrag, der nicht unseren Vorstellungen und dem Innsbruck/Tirol Angebot entspricht”, sagte Mennel. Das ÖOC sitze mit Land und Stadt in einem Boot.

Zum letzten Mal haben hingegen Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider und Obmann Fritz Dinkhauser von der Liste Fritz zu einem “Nein” aufgerufen. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag fasste man nochmals die eigenen Positionen zusammen und sprach von einer “politischen Farce”.

Kurzfristig musste die Pressekonferenz vom Landhausplatz ins nahegelegene Büro der “Liste Fritz” verlegt werden. Die Liegenschaftsverwaltung hatte den Landhausplatz nicht freigegeben. “Mit welchen Bandagen man hier kämpft”, gab sich Listen-Chef Dinkhauser wenig amüsiert. Von einer olympiakritischen Aktion ließ man sich dennoch nicht abhalten. Mit vorgehaltenen Masken der Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck), Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und ÖOC-Präsident Karl Stoss warfen Aktivisten Spielzeuggeld vom vierten Stock des Landhauses nicht nur sprichwörtlich zum Fenster hinaus.

Nach der “Fensterwurf-Aktion” nannte Andrea Haselwanter-Schneider Zahlen: “Hier werden 15 bis 20 Millionen Euro Steuergeld verschwendet”, führte sie an. Sie betonte auch, dass ein “Ja” am Sonntag zu Olympia bedeute, dass der Bewerbungsprozess beginne und für diesen eben diese Summe investiert werden müsse. “Wenn wir den Zuschlag nicht bekommen, dann ist das Geld futsch”, formulierte sie. Sie vermisse außerdem unter anderem eine Kostenschätzung zum Thema Sicherheit bei den Spielen.

“Eine Lüge nach der anderen”, ortete wiederum der Namensgeber der Liste, der sich zuletzt beim Olympia-Thema wieder vermehrt eingebracht hat, nachdem er bei der Landtagswahl 2013 nicht mehr angetreten und sich seitdem als Obmann nur mehr vereinzelt öffentlich in das politische Geschehen eingemischt hatte. Es sei “zutiefst unanständig”, dass man das Volk einerseits befrage, andererseits mit politischer Werbung in Millionenhöhe sage “was es tun soll”, so Dinkhauser. Auch die “manipulative Frage” bei der kommenden Volksbefragung kritisierte Dinkhauser scharf.

Unisono forderte man, dass man sagen müsse, was alles tatsächlich koste. “Die Karten gehören auf den Tisch”, forderte Haselwanter-Schneider, ehe sie aufrief am Sonntag mit “Nein” zu stimmen. “Nur mit einem Nein kann die Steuergeldverschwendung gestoppt werden”, sagte sie in ihrem Schluss-Appell. “Es wird knapp”, war sie sich sicher.

Nicht nur bei der Pressekonferenz, sondern auch sonst hatte die “Liste Fritz” am Freitag noch einmal Stimmung für ein “Nein” gemacht. Sowohl am Eingang des Landhausplatzes als auch in der nahe gelegenen Maria-Theresien-Straße wurden Flyer und Luftballons mit eindeutigen “Nein-Botschaften” unters Volk gebracht.

Von: apa

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