Die Motorrad-WM begeisterte die Fans in Spielberg

Begeisterung nach Comeback der MotoGP in Spielberg

Montag, 15. August 2016 | 12:40 Uhr

Riesen-Begeisterung hat die Rückkehr der Motorrad-Straßen-WM in Österreich hinterlassen. 216.000 Zuschauer machten an vier Tagen Österreichs größte Sportveranstaltung des Jahres in Spielberg zu einem Volksfest, 95.000 sahen am Sonntag bei Prachtwetter einen historischen Ducati-Doppelsieg. Auch 2017 wird die MotoGP ein Highlight im Spielberg-Kalender sein, der Vorverkauf hat schon begonnen.

In Spielberg ist man zuversichtlich, dass nach der gelungenen Rückkehr auch im kommenden Jahr – das Rennen findet voraussichtlich am 13. August 2017 statt – Valentino Rossi und Co. die Massen anlocken werden. 225.000 Fans waren 2014 zur Rückkehr der Formel 1 gekommen. Während in der Auto-Königsklasse der Zuschauerstrom seitdem dramatisch abgenommen hat, soll dies bei den Zweirädern nicht passieren.

Zu leidenschaftlich und begeisterungsfähig sind die Motorrad-Fans, vor allem viele Camper wohnten sogar am Montag nach dem Grand Prix noch den Moto2- und Moto3-Testfahrten in Spielberg bei. “Das aktuelle Produkt ist sehr gut”, befindet Philipp Berkessy vom Projekt Spielberg. “Außerdem geht mit KTM 2017 ein österreichisches Team an den Start der MotoGP, und auch Rossi wird weiter fahren”, nannte er zwei weitere Gründe.

“Gänsehaut” verspürte in Spielberg auch Gustl Auinger. Österreichs letzter Motorrad-Grand-Prix-Sieger war wie Gerhard Berger oder die Skistars Marcel Hirscher und Matthias Mayer begeistert von den Shows der Zweirad-Asse. Wie angekündigt, erwiesen sich die Rennen der Zweiräder als spannend und emotional. Weltmeister Johann Zarco etwa lieferte bei der Siegerehrung der Moto2 in übergestreifter Lederhose seinen üblichen Rückwärtssalto. Niemand geringerer als Mick Doohan, 1997 hier letzter GP-Sieger auf dem A1-Ring, überreichte an “The Maniac” Andrea Iannone die Siegertrophäe.

“Natürlich ist bei uns was los! In der MotoGP macht fast immer der Fahrer den Unterschied, außerdem sind Formel-1-Rennen viel zu lange”, machte WM-Leader Marc Marques gleich Werbung in eigener Sache.

Zwei Dinge fielen in Spielberg besonders auf. Erstens: Rossi ist eine Ikone. Der Hype um den 37-jährigen Superstar war riesig. Seine gelben Utensilien mit “VR46” darauf waren omnipräsent und auf allen Merchandising-Ständen der Verkaufshit. “Gott sei Dank habe ich diese Unterstützung auf der ganzen Welt”, erklärte Rossi.

Auch in Spielberg setzt man auf die ungebrochene Begeisterung um den neunfachen Weltmeister. 2017 wird es eine eigene Tribüne mit dem Namen “Fan Club Valentino Rossi” geben. Zum Wochenend-Ticket um 125 Euro gibt es auch Geschenke wie Fahnen. Der Vorverkauf dafür hat bereits begonnen.

Die zweitgrößte Spielberg-Show erlebte man im gut besuchten Fan-Village, der Action-Zone und auf den Campingplätzen. Was sich vor allem auf letzteren viele Besucher an kreativen und aufwendigen, bisweilen extrem lauten, aber stets lustigen Gags einfallen hatten lassen, war bemerkenswert.

Auch die nächsten Motorrad-GP-Läufe in Österreich werden in Spielberg über die Bühne gehen. Eine Rückkehr etwa 2019 anlässlich des 50-jährigen Bestehens auf dem Salzburgring, wo zwischen 1971 und 1994 gleich 22 GP-Events stattgefunden hatten, wird es nicht geben. Der sicher geglaubte Kauf der Rennstrecke durch Dietrich Mateschitz ist diesen Sommer wieder geplatzt. Am Status Quo wird sich laut Informationen vom Salzburgring in den kommenden drei Jahren auch nichts ändern.

Auf dem Mateschitz bereits gehörenden Red Bull Ring wurde aber offensichtlich, dass Rennstrecken nicht für Auto- und Motorrad-Rennen gleich sicher sein können. Hatte man die kritisierte Zielkurve entschärft, orteten die MotoGP-Piloten noch weitere “Schwachstellen” auf der superschnellen Berg- und Talbahn in der Steiermark.

Letztlich verließen aber nicht nur die “siegreichen” Ducati-Fahrer Iannone und Andrea Dovizioso die Rennstrecke zufrieden. Sondern auch der drittplatzierte Weltmeister Jorge Lorenzo (“Eine schwarze Serie ging zu Ende”) und auch Superstar Rossi, obwohl er am Sonntag nur Vierter geworden war.

“Der Umbau in Kurve zehn war aus meiner Sicht nicht unbedingt notwendig. Es ist aber sicherer nun und deshalb okay. Wenn man auch die anderen Bereiche noch nachbessert, sollte es für nächstes Jahr gut sein”, sagte der Italiener. Sein Gesamteindruck vom Ring war positiv: “Die Strecke gefällt mir, die Atmosphäre hier ist fantastisch.”

Wie in der Formel 1 war der große Wermutstropfen, dass die Zuschauer keinen Lokalmatador anzufeuern hatten. Eine Situation, die an jene in der Formel 1 erinnert. Da wie dort gibt es kaum heimische Nachwuchsarbeit.

Aber Hoffnung besteht, denn in Spielberg wurde trotz allem österreichische Motorsport-Geschichte eingeläutet. KTM präsentierte das Motorrad, mit dem die Österreicher ab 2017 an der MotoGP teilnehmen werden. Ziel ist der WM-Titel, das hielt Firmenchef Stefan Pierer in der Steiermark glasklar fest. Damit wird es in beiden Motorsport-Königsklassen zwar auch 2017 keine österreichischen Fahrer, aber dafür jeweils chancenreiche Teams geben. In der Formel 1 nimmt die Mateschitz-Truppe von Red Bull Racing erfolgreich an der WM teil.

Die steirische Region um den Spielberg-Ring bleibt der Hotspot der heimischen Veranstaltungs-Szene. Es folgt das große Musikfestival (24. bis 28. August), und bei der Air Power am nahen Fliegerhorst Hinterstoisser (2./3. September) werden gleich 300.000 Besucher erwartet.

Von: apa

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