Wilmots hätte lieber einen Gegner mit mehr "Reiz"

Belgien fürchtet sich vor der Favoritenrolle

Samstag, 25. Juni 2016 | 17:35 Uhr

Marc Wilmots, Teamchef der belgischen Fußball-Nationalmannschaft, hat vor dem Auftakt der K.o.-Phase der Europameisterschaft gegen Ungarn am Sonntag in Toulouse (21.00 Uhr) mit einer bemerkenswerten Aussage aufhorchen lassen. Er sei mit dem Sieger der Österreich-Gruppe F im Achtelfinale nicht glücklich, lieber wäre ihm ein Duell mit einer Topnation wie Spanien oder England gewesen.

“Gegen solche großen Mannschaften hast du nichts zu verlieren. Spiele wie damals bei der Weltmeisterschaft 2002 gegen Brasilien haben einfach einen besonderen Reiz.” Gleichzeitig warnte er vor dem vermeintlich unattraktiven Gegner. “Es gibt bei dieser EM keine kleinen Teams, keine leichten Gegner. Sie haben uns in der Qualifikation dafür kritisiert, dass wir gegen Wales verloren haben. Seht euch an, wie die Waliser heute dastehen,” erinnerte er an den “Aufstand der Außenseiter”. Die Mannschaft um Gareth Bale wäre übrigens ein möglicher Gegner im Viertelfinale.

Die Turnierbilanz der “Roten Teufel” ist bisher durchwachsen. Mit großen Vorschusslorbeeren in den Bewerb gestartet, setzte es zum Auftakt beim 0:2 gegen Italien eine herbe Enttäuschung. Im zweiten Spiel gegen Irland (3:0) zeigten Kevin de Bruyne und Co. wohl eine der besten Leistungen der jetzigen “Goldenen Generation”. Zum Abschluss der Gruppenphase mühte man sich gegen Schweden zu einem glanzlosen 1:0.

Gegen Ungarn stehen die Belgier nun vor einer echten Bewährungsprobe. Das Team von Trainer Bernd Storck hat nach dem sensationellen Gruppensieg ohne Niederlage Lust auf mehr. Der Respekt vor Belgien ist zwar gegeben, in Ehrfurcht möchte man aber nicht erstarren. Laszlo Kleinheisler etwa, der bei Werder Bremen in der abgelaufenen Saison kaum zu Einsätzen gekommen war, kündigte an, dass man für den Fall der Fälle auch Elfmeterschießen trainieren würde.

Die Ungarn überzeugten in Frankreich bisher mit taktischer Variabilität. Bernd Storck gab allen 20 Feldspielern Einsatzminuten. Neben der Offensivpower der Belgier um de Bruyne und Eden Hazard wird auch die Abwehr eine Herausforderung darstellen. Obwohl Wilmots die Defensive aufgrund mehrerer Verletzungen im Vorfeld der EM umstellen musste, ließ man zwei Mal in Folge kein Gegentor zu.

Für Aufsehen sorgte übrigens der belgische Siegtorschütze gegen Schweden, Radja Nainggolan. Wilmots bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass der Mittelfeldspieler von der AS Roma raucht. “Wenn er es braucht, werde ich ihn nicht daran hindern. Wichtig ist nur, dass er seine Leistung auf dem Rasen bringt.” Aus diesem Grund habe Nainggolan auch ein Zimmer mit Balkon. “Damit der Rauchmelder nicht anschlägt”, verriet Wilmots.

Der Coach freut sich außerdem auf ein Wiedersehen mit Ungarn-Goalie Gabor Kiraly. “Was, der lebt immer noch? Tatsächlich, der lebt ja immer noch, der ist immer noch da, der Hund. Das nennt man eben Langlebigkeit”, ließ Wilmots in Richtung des 40-jährigen EM-Turnierveteranen fallen.

Kiraly wird als Ungarns Torhüter gleichsam Wilmots’ Gegenspieler im Achtelfinale sein. Die beiden standen sich früher in den Bundesliga-Duellen von Schalke gegen Hertha Berlin oft gegenüber. “Es ist für mich sonderbar, ihn jetzt wiederzusehen. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich gegen ihn jemals ein Tor gemacht habe.”

Zudem brachte er seinen hohen Erwartungen an Kevin De Bruyne zum Ausdruck. “Er kann der Schlüsselspieler sein”, sagte Wilmots und warb um Verständnis für den Profi von Manchester City. Wirklich zufrieden ist Wilmots mit dem Mittelfeldspieler noch nicht. “Er war nicht gut gegen Italien, gegen Irland war er so und so, und dann wurde er besser.” Wilmots sagte aber auch: “Er hat sein Lachen wieder gefunden.”

Von: apa