Die Belgier stellten noch einmal ihr großes Potenzial unter Beweis

Belgien nach größtem WM-Erfolg hungrig auf mehr

Sonntag, 15. Juli 2018 | 10:33 Uhr

32 Jahre lang galt die Generation von 1986, die damals Vierter wurde, als das Maß aller Dinge im belgischen Fußball. Nun haben Pfaff, Scifo, Gerets und Co. würdige Nachfolger gefunden. Mit dem souveränen 2:0-Sieg gegen England im Spiel um Platz drei und dem besten WM-Abschneiden der Historie hat die mit Stars gespickte Equipe in Russland noch einmal ihr großes Potenzial unter Beweis gestellt.

In Brüssel wurde der Erfolg ausgelassen gefeiert. Es gab Autokorsos und Hupkonzerte, Sonntagmittag wurde die Mannschaft empfangen. Das bei den Spielern nicht sonderlich beliebte “kleine Finale” hat man durchaus ernst genommen. “Für uns war das kein Freundschaftsspiel. Es ging um eine Medaille und nach so einem Turnier willst du die haben”, konstatierte Verteidiger Vincent Kompany.

Der Jubel der Stars erschien verglichen mit jenem der Fans erstaunlich geschäftsmäßig. Die “Roten Teufel” haben längst Größeres im Sinn. Die “Bronzene” bei der WM in Russland soll für die “Goldene Generation” nur der Beginn einer Ära gewesen sein. Und so gaben nahezu alle Topspieler noch direkt nach dem 2:0 gegen England den Titel 2022 in Katar als Ziel aus. “Ich hoffe, dass es in vier Jahren noch etwas besser geht. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, dann ganz oben zu stehen”, sagte Tormann Thibaut Courtois.

Vermutlich fiel der Blick in die Zukunft bei den Belgiern auch deshalb besser als bei den “Three Lions” aus, weil ein versöhnlicher Abschluss gelang. Der dritte Platz hat Lust auf mehr gemacht. “Der Rest kommt dann vielleicht in vier Jahren bei der nächsten WM”, sagte ManCity-Spieler Kevin de Bruyne. Zurück in die Gegenwart: Trotz des verpassten Finales blickten die “Roten Teufel” auf ein erfolgreiches Turnier zurück. “Wir haben sechs von sieben Spielen gewonnen. Wir haben den Menschen viel Freude bereitet”, fügte der 27-Jährige hinzu.

Teamchef Roberto Martinez war nach dem dritten Platz stolz auf seine Elf. “Wir haben einen wirklichen Meilenstein gesetzt und das haben sich die Spieler verdient.” Der Halbfinal-Niederlage wolle man nicht nachtrauern. “Wir wollten natürlich gewinnen. Wenn man Brasilien schlägt und ins Halbfinale kommt, liegt der Fokus darauf, zu versuchen, den Pokal zu holen. Aber diese Spieler haben Geschichte geschrieben und das ist alles, was zählt”, betonte der Coach.

Das Spiel um Platz drei hätte zum Showdown im Duell um den Goldenen Schuh werden sollen. Doch sowohl Englands Topscorer Harry Kane (6 Tore) als auch Belgiens Romelu Lukaku (4 Tore) hatten nicht mehr viel im Tank. Trainer Martinez nahm seinen Torjäger aber gegen Kritik in Schutz. “Er ist im Halbfinale gegen Frankreich einige Male hart angegangen worden. Aber er wollte unbedingt dabei sein und der Mannschaft helfen. Ich bin sicher, er hat eine große Zukunft vor sich.”

Kapitän Eden Hazard war einer der besten Spieler dieser WM. Auch am Samstag war er wieder bester Mann auf dem Platz und Schütze des 2:0. Danach deutete der angeblich von Real Madrid als Nachfolger für Cristiano Ronaldo umworbene Belgier seinen Abschied vom FC Chelsea an. “Ich bin seit sechs Jahren bei Chelsea, habe eine tolle WM gespielt. Vielleicht ist es an der Zeit, einmal etwas anderes zu machen”, sagte dreifache Torschütze der Russland-WM.

Von: APA/dpa/Ag.