Es ist geschafft - Wieder drei Kugeln für Hirscher

Besser geht’s nicht – Marcel Hirscher dominant wie nie

Sonntag, 04. März 2018 | 16:30 Uhr

Er fährt die stärkste Saison seines Lebens, er hat mit zwei Olympia-Goldmedaillen die letzten Mosaiksteinchen ins Erfolgspuzzle gesetzt, er hat einen neuen Zenit erreicht: Superstar Marcel Hirscher hob den Skisport auf eine neue Ebene. Am Wochenende in Kranjska Gora eroberte er zum siebenten Mal in Folge den Gesamtweltcup, in Riesentorlauf und Slalom legte er die jeweils fünfte Kugel drauf.

Im vergangenen Oktober wurde Hirscher zu Europas Sportler des Jahres und zum vierten Mal zu Österreichs Sportler des Jahres gewählt. Die Ehrungen erfolgten zu einem Zeitpunkt, als er nach einem im August beim Slalomtraining erlittenen Bruch im linken Außenknöchel um seine Rückkehr kämpfte. “Ich glaube, dass ich wirklich gezwungen worden bin. Wie früher, als ich 18 Jahre war und im Weltcup in die Mannschaft reingekommen bin und mich in jedem Training beweisen habe müssen”, versuchte Hirscher, die trotz Verletzung überragende Saison zu erklären.

Denn bereits in seinem zweiten Rennen war er wieder siegreich. In der laufenden Saison gewann er bereits zwölf Weltcupbewerbe und damit so viele wie noch nie zuvor in seiner Laufbahn einem Winter. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang holte er sich etwas überraschend den Titel in der Kombination und erhofft jenen im Riesentorlauf und damit in einer seiner Spezialdisziplinen.

Nach der Verletzung habe “Marcel selbst nicht und keiner von uns” erwartet, dass es so laufen werde, erklärte Andreas Puelacher, der Rennsportleiter der alpinen Ski-Herren im ÖSV. “Ich kann nur froh sein, dass ich so einen Athleten in der Mannschaft habe. Und als Trainer musst du auch froh sein, von so einem Mann Trainer sein zu dürfen”, zog er den Hut.

Angesprochen auf das bis heuer fehlende Olympiagold hatte Hirscher in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass seine Karriere schon nach dem ersten Gesamtweltcupsieg perfekt gewesen sei. Nun ist sie auch für alle anderen komplett.

Nach der Rückkehr aus Asien holte er sich das Geschehene vor die Augen, um sein “Gedankenpuzzle” komplett zu machen. “Das ist schon schön, wenn man die Berichterstattung, die Kommentare sieht. Das macht das Ganze viel voller”, sagte der seit Freitag 29-Jährige vor den Rennen in Slowenien, wo er vor zehn Jahren mit 19 Jahren als Slalom-Dritter das erste Mal in seiner Karriere auf das Podest gekommen war.

Hirscher gewann bisher 57 Weltcuprennen und liegt damit bei den Herren nur noch hinter der schwedischen Legende Ingemar Stenmark (86). “Die Marke ist brutal, aber wenn ich es wirklich einem zutraue, dann diesem Marcel”, hofft Puelacher, dass Hirscher seine Karriere fortsetzen wird. Bei Weltmeisterschaften hält der Ausnahmekönner bei sechs Gold- und drei Silbermedaillen. Von Winterspielen hat er zu Doppel-Gold in Korea auch Slalom-Silber von 2014 in Sotschi daheim.

Hirscher, Absolvent der Hotelfachschule Bad Hofgastein, ist Sohn einer niederländischen Mutter (Sylvia) und eines Skilehrer-Vaters aus Salzburg. Ferdinand ist unterstützend bei den meisten Rennen mit dabei. Was das Erfolgsgeheimnis von Marcel sei? “Das liegt sicher in seiner Kindheit. Er ist auf der Alm aufgewachsen, er war immer koordinativ sehr gut. Das kommt ihm heute zugute.” Er habe seinem Kind nicht Skifahren beigebracht, damit es im Weltcup fahre, sondern wegen der Freude an der Bewegung, fügte der schnauzbärtige “Ferdl” hinzu.

Weitere wichtige Bezugspersonen von Marcel Hirscher sind Trainer Michael Pircher und Lebensgefährtin Laura. In entscheidenden Momenten ist sie an seiner Seite, so auch bei den Winterspielen in Asien, als der Papa wegen seiner Flugangst fehlte. “Wenn sie hier ist, macht das Zuhause aus. Und dann ist Zuhause in dem Fall jetzt hier. Ich bin sehr dankbar”, sagte Hirscher.

Wie lange Atomic-Pilot Hirscher seine Karriere noch fortsetzen wird, ist unklar. Er wird im Sommer eine längere Pause einlegen und sich in Ruhe Gedanken machen. Vielleicht mangelt es an Zielen, aber darum gehe es bei Hirscher wohl nicht mehr, ist sich Puelacher sicher: “Er hat Freude am Wettkampf und Freude am Skifahren. Wenn ich Freude daran habe, mich mit anderen zu messen, wenn ich gesund bleibe, dann macht das Spaß, dann brauche ich mir kein großes Ziel mehr aussuchen.” Das treffe es genau, versicherte Hirscher.

Von: apa