Hannes Reichelt hat in Bormio schon gewonnen

Bormio-Comeback soll zum “Spektakel” werden

Mittwoch, 27. Dezember 2017 | 14:46 Uhr

Beim Comeback einer der spektakulärsten Pisten im Ski-Weltcup haben sich Hannes Reichelt und Co. viel vorgenommen. Am Donnerstag (11.45 Uhr/live ORF eins) geht es auf der Stelvio in Bormio erstmals seit vier Jahren um den Abfahrtssieg. Zwar machten den Veranstaltern die Wetterverhältnisse im Veltlin am zweiten Trainingstag zu schaffen, für das Rennen soll dies aber kein Problem darstellen.

Nebel und zu viel Schnee in den Sturzräumen ließen die Abfahrer am Mittwoch unverrichteter Dinge in die Unterkünfte zurückkehren, während sich die Pistenarbeiter ans Werk machten. Für Donnerstag war Besserung angesagt, am Freitag steht dann noch die erste Kombination des Olympia-Winters auf dem Programm. ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher freute sich: “Bormio hat eine riesige Tradition, in dieser Abfahrt ist alles drin, was es braucht. Wenn Wetter und Piste passen, wird es ein Spektakel.”

Die Stelvio wäre für die ÖSV-Riege eine gute Gelegenheit, in der vierten Abfahrtskonkurrenz dieses Winters erstmals ganz oben zu stehen. Matthias Mayer als Zweiter in Lake Louise und Max Franz als Dritter in Gröden schafften es bisher zumindest auf das Podest. Als zweifacher Saisonsieger setzte sich Aksel Lund Svindal in Szene. Der Norweger ist neben den Südtirolern Peter Fill und Christof Innerhofer auch in Bormio ein heißer Kandidat auf den Sieg. Um den wollen auch die Österreicher kämpfen.

Einer, der das Gefühl des Siegers in Bormio schon ausgekostet hat, ist Hannes Reichelt. Der Routinier aus Salzburg hatte als 24. in Gröden zuletzt wenig zu lachen. Die selektive Piste in Bormio liegt dem Routinier aber weitaus besser. “Sie liegt mir definitiv mehr als in Gröden. Ich bin froh, hier schon einmal gewonnen zu haben. Das möchte ich natürlich wieder”, sagte Reichelt, der 2012 zeitgleich mit Dominik Paris gewann. Svindal folgte als Dritter mit einer Hundertstelsekunde Rückstand.

Auch heuer stellt sich Reichelt auf eine enge Entscheidung ein. Die Rückkehr zu einem “richtigen Klassiker” machte ihm jedenfalls “definitiv Spaß. Auch wenn man das auf der Fahrt nicht so sieht.” Immerhin präsentiert sich die Stelvio heuer nicht so eisig wie gewohnt. “Aber dafür sind wir sehr dankbar. Sonst ist es zäh, wenn du nach den Weihnachtskeksen runter kommst und die rumpelt es dir schon nach 30 Sekunden wieder rauf”, scherzte der 37-Jährige.

Der elf Jahre jüngere Vincent Kriechmayr teilte diese Ansicht seines Teamkollegen. Für den Super-G-Sieger von Beaver Creek ist es sein erstes Antreten in Bormio. Nach dem ersten Trainingslauf am Dienstag hatte Kriechmayr den Respekt aufgrund der weicheren Piste bereits abgelegt. “So schwierig, wie es im Fernsehen ausgeschaut hat, war sie nicht”, sagte der Oberösterreicher. “Trotzdem ist es eine der schwierigsten Abfahrten”, merkte er aber umgehend an.

Auf den Schnellsten Peter Fill fehlten Kriechmayr im Training immerhin über eineinhalb Sekunden. “Die Konkurrenz ist groß, auch intern”, sagte er. So landete Reichelt hinter Mayer auf Rang vier, hatte laut eigenen Angaben aber noch ein paar Reserven. Puelacher stellte dies zufrieden fest. Auf den Sieg in einer Abfahrt arbeite man hin, betonte der Rennsportleiter: “Das ist unser Wunsch.”

Als Außenseiter geht Max Franz ins Rennen, nachdem der Kärntner zuletzt gesundheitlich angeschlagen war. Johannes Kröll erlitt bei seinem Sturz am Dienstag eine schmerzhafte Schuhrandprellung. Er unterzog sich in Innsbruck einer genaueren Untersuchung und soll laut Puelacher so schnell wie möglich zurückkommen.

Den letzten Abfahrtssieg in Bormio im Dezember 2013 holte sich Svindal, Reichelt wurde Zweiter. Danach waren die Speed-Spezialisten zuletzt dreimal im benachbarten Santa Caterina zu Gast, nachdem im WM-Ort von 2005 ein schwelender Konflikt zwischen den örtlichen Veranstaltern und den Betreibern der Bergbahnen dazu geführt hatte, dass die Abfahrtsstrecke am traditionellen Termin vor Silvester nicht mehr freigegeben wurde.

Abgesperrte Pisten und fehlende Unterkünfte wollte man den Feriengästen in der letzten Dezember-Woche nicht mehr zumuten. Mittlerweile sind die Differenzen ausgeräumt. In der Woche vor Weihnachten konnte der ÖSV die Strecke auf Einladung der Italiener bereits teilweise befahren. Auch Amerikaner und Franzosen waren zu Gast, nicht aber die Schweizer. Puelacher meinte über das Abkommen: “Das beruht auf Gegenseitigkeit, auch sie bekommen Dinge von uns.”

Von: apa