Internationaler Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne

CAS kippt IOC-Beschluss zu gedopten Russen

Freitag, 05. August 2016 | 16:20 Uhr

Auch Whistleblowerin Julia Stepanowa kann wieder auf einen Start bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro hoffen. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat den Ausschluss von früher gedopten russischen Athleten von den Rio-Spielen als “nicht durchsetzbar” abgelehnt. Dies teilte das CAS am Donnerstag (Ortszeit) mit.

Das Gericht gab damit der russischen Schwimm-Weltmeisterin Julia Jefimowa und den beiden Ruderern Anastassija Karabelschtschikowa und Iwan Podschiwalow teilweise recht. Sie hatten Einspruch gegen diese Doppelbestrafung eingelegt. Allerdings wies der CAS den Antrag der Athleten auf Erteilung einer direkten Starterlaubnis ebenfalls zurück. Wer über die Teilnahme nun letztlich bestimmt, blieb nach der Mitteilung zunächst offen. Im Falle der Ruderer empfahl der CAS, dass der Weltverband FISA entscheiden solle. Die drei Athleten waren in der Vergangenheit wegen Dopings gesperrt worden, haben diese Strafen aber bereits verbüßt.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte im russischen Dopingskandal nicht nur entschieden, dass die internationalen Sportfachverbände jeden nominierten Sportler aus Russland überprüfen sollen, ob er nachweislich sauber ist und an den Rio-Spielen teilnehmen darf. Vielmehr hatte das IOC auch verfügt, dass ehemals gedopte Russen ein Start bei den Sommerspielen verweigert wird.

Mit dieser Begründung hatte das IOC auch einen Start der russischen Doping-Kronzeugin und 800-Meter-Läuferin Stepanowa in Rio verweigert. Allerdings müsste die 30-jährige Leichtathletin ebenfalls vor dem Ad-hoc-Gericht des CAS in Rio de Janeiro Klage einreichen.

Stepanowa hatte systematisches Doping in Russland in ihrem Sport aufgedeckt. Daraufhin schloss der Weltverband IAAF die Leichtathleten Russlands komplett von den Rio-Spielen aus. Die IAAF hatte aber das IOC gebeten, Stepanowa wegen ihrer Verdienste im Kampf gegen Doping in Rio starten zu lassen. Fast 250.000 Menschen unterzeichneten indes die Online-Petition für den Start von Stepanowa. Initiator ist der Darmstädter IT-Berater Kaj Beuter.

“Das IOC respektiert die Entscheidungen des CAS immer”, hatte IOC-Präsident Thomas Bach wenige Stunden vor den Sportgerichts-Urteilen erklärt. “Manchmal mögen wir die Entscheidungen, manchmal nicht, aber immer respektieren wir sie.” Der CAS sei das höchste Gericht des Sports.

“Der CAS hat sich primär nur auf die Rechtmäßigkeit des Paragrafen 3 der IOC-Entscheidung fokussiert”, hieß es in der Urteilsbegründung. Dabei sei festgestellt worden, dass der Paragraf 3 nicht rechtmäßig sei, weil das Grundrecht der Athleten nicht respektiert werde.

Experten hatten eine entsprechende Entscheidung des CAS erwartet. Der Sportgerichtshof hatte nämlich schon die sogenannte Osaka-Regel des IOC 2011 für nicht rechtmäßig erklärt. Die Regel sah vor, dass Doping-Sünder automatisch von den nächsten Olympischen Spielen ausgeschlossen werden und damit doppelt bestraft werden.

Dank der Schützenhilfe durch den CAS rechnet Russland mit einer Aufstockung seiner durch Dopingsperren reduzierten Olympiamannschaft. Sportminister Witali Mutko sagte, nach dem Urteil des obersten Sportgerichts sollten die internationalen Fachverbände rasch handeln.

“Auch unsere Verbände müssen aktiv werden, dann kann die Zusammensetzung der Mannschaft noch ausgeweitet werden”, sagte Mutko der Agentur Interfax zufolge am Freitag in Moskau. Der Sportminister schloss nicht aus, dass er selber die Spiele in Rio de Janeiro, die am (heutigen) Freitagabend (Ortszeit) eröffnet werden, besuchen werde. Die Vorwürfe von Staatsdoping in Russland richten sich zum Teil auch gegen Mutko.

Der CAS hatte am Donnerstag der russischen Schwimmerin Julia Jefimowa teilweise recht gegeben bei einer Klage gegen den Olympia-Ausschluss. Die Richter kippten eine IOC-Verfügung, ehemals gedopten Russen den Start in Rio zu verweigern. Jefimowa hat eine Dopingsperre von 2014 abgebüßt. Gegen die Doppelbestrafung war sie aber vor Gericht gezogen. Das Urteil könnte auch anderen gesperrten russischen Sportlern den Weg nach Rio wieder ebnen.

Derzeit sind laut Internationalen Olympischen Komitee (IOC) 271 Athleten aus Russland in Brasilien startberechtigt. “Wir sind natürlich enttäuscht, dass der CAS unsere Maßnahmen gegen gedopte Athleten als zu hart betrachtet. Aber wir akzeptieren deren Beurteilung”, hieß es am Freitag in einer IOC-Stellungnahme.

Von: apa

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