Cepic ist mit der Entscheidung nicht einverstanden

Cepic kritisiert Doping-“Hintertürchen” in RUSADA-Causa

Dienstag, 18. September 2018 | 16:10 Uhr

Die bevorstehende Aufhebung der Suspendierung der RUSADA durch Welt-Anti-Doping-Agentur löst bei der österreichischen NADA großen Unmut aus. “Ich habe null Verständnis für diese Vorgehensweise. Man versucht, in den letzten Tagen quasi durch ein Hintertürchen einen Schleichweg zu finden”, ärgerte sich NADA-Chef Michael Cepic.

Das Exekutivkomitee der WADA dürfte am Donnerstag der vor einigen Tagen überraschend erfolgten Empfehlung ihres Compliance-Prüfungsausschusses folgen. Diese sieht vor, die wegen des russischen Staatsdopingskandals suspendierte RUSADA trotz der weiterhin fehlenden Kriterien-Erfüllung nach drei Jahren wieder als code-compliant aufzunehmen.

Cepic ist “enttäuscht und verärgert”, dass die WADA dadurch die Anfang 2017 klar definierte “Roadmap” zur möglichen Wiederaufnahme der RUSADA verlassen habe. “Das ist ein ganz klares Abweichen der WADA, das ist ja das Schockierende, weil die WADA interessensunabhängig handeln sollte. Wenn man der obersten Behörde nicht mehr trauen kann und sie nicht mehr zu den eigenen Richtlinien stehen, dann hat das System einen Riss”, betonte Cepic am Dienstag im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. Besonders sauer stößt Cepic auf, dass die WADA bei allen anderen Stakeholdern auf die strikte Einhaltung ihrer Vorgaben beharrt, im vielleicht größten Dopingskandal der Geschichte aber die Regeln verbiegt.

Zuvor hatte es auch schon aus den USA, Großbritannien und anderen Ländern sowie von Athletenvertretern scharfe Kritik am WADA-Einlenken gegenüber Russland gegeben. Man will die Suspendierung nämlich trotz der nach wie vor fehlenden Erfüllung zweier zentraler Forderungen aufheben. Die Russen haben die Rohdaten des in die weitreichen Manipulationen verwickelten Labors in Moskau immer noch nicht herausgegeben. Außerdem gibt es nach wie vor kein klares Schuldbekenntnis der russischen Führung, jahrelang ein systematisches Betrugssystem betrieben zu haben, wie es der McLaren-Report aufgezeigt hat.

Auch das Institut der Nationalen Anti-Doping-Agenturen (iNADO) äußerte sich bestürzt. “Die WADA muss ihre Entscheidungen auf der Basis der konsequenten Anwendung von Prinzipien treffen und nicht aus Zweckmäßigkeit, die dem Willen einer mächtigen Nation dient”, hieß es in einer Mitteilung des iNADO, dem neben anderen 66 nationalen Anti-Doping-Organisationen auch die NADA Austria angehört.

Die Sportgemeinschaft sei bestrebt, Russland als gleichberechtigten Teilnehmer wiederzusehen, aber nicht um jeden Preis, hieß es weiter. “Auf der Grundlage der Briefe, die von Russland und der WADA ausgetauscht wurden, würde jedoch jede vernünftige Person zu dem Schluss kommen, dass Russland seinen Verpflichtungen gegenüber der globalen Sportgemeinschaft noch nicht nachgekommen ist”.

Die WADA begründet das Aufweichen ihrer Vorgaben als nötigen Kompromiss, um die leidige Causa für beide Seiten zufriedenstellend lösen zu können. Der Kompromiss sieht vor, dass Russland nach der Wiederaufnahme eine am Donnerstag festzulegende Frist eingeräumt wird, um die Labordaten herauszugeben. Das sei ein schlechter “Trick”, wie Cepic sagt. “Tatsache ist, dass ein Kriterienkatalog aufgestellt wurde. Jetzt weicht man das durch diese Empfehlung auf und sagt, sie können es ja nachliefern. Es wurde aber weder festgelegt, in welcher Form und bis wann.” Beim fehlenden öffentlichen Eingeständnis, dass die russische Führung in das Staatsdoping eingeweiht war, gehe es um Spitzfindigkeiten in den Formulierungen, die wohl nur auf politischer Ebene zu lösen seien, ergänzte Cepic.

Dass die WADA-Exekutive der Empfehlung ihrer Compliance-Kommission doch nicht folgen könnte, glaubt Cepic übrigens nicht. “Das ist nicht realistisch, weil ja die Proponenten in die Absprache involviert sind.”

Unterdessen haben sich Sieben Mitglieder der WADA-Athletenkommission in einem Statement strikt gegen eine Wiederzulassung der russischen Nationalen Anti-Doping-Agentur ausgesprochen. “Es darf nicht möglich sein, den größten Doping-Skandal des 21. Jahrhunderts zu begehen und dann wieder zugelassen zu werden, ohne die geforderten Bedingungen zu erfüllen”, hieß es in der am Dienstag veröffentlichten Erklärung.

“Als Athleten müssen wir jeden Tag die Regeln befolgen. Dies erwarten wir auch von allen Anti-Doping-Organisationen und Interessengruppen.” Jeder Kompromiss in dieser Sache wäre ein “vernichtender Schlag für saubere Sportler und den sauberen Sport”, hieß weiter. Die Führung der Welt-Anti-Doping-Agentur wird aller Voraussicht nach am Donnerstag dem Vorschlag deren Zulassungskommission folgen und die RUSADA-Suspendierung aufheben. Diese Empfehlung löste Kritik aus, weil zwei elementare Kriterien von Russland bisher nicht erfüllt wurden: Die Anerkennung des McLaren-Reports und die Gewährung des Zutritt zum Moskauer Analyselabors und den dort vorhandenen Doping-Daten und -Proben.

Die Vorsitzende der WADA-Athletenkommission, Becky Scott, gehörte nicht zu den Unterzeichnern der Erklärung. Sie soll vor einigen Tagen aus Protest gegen dieses Empfehlung aus dem Gremium zurückgetreten sein.

Von: apa

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