Serena Williams ist keinesfalls nur Zaungast in Wimbledon

Coach glaubt an Serena Williams, “wenn sie sie selbst ist”

Sonntag, 27. Juni 2021 | 14:19 Uhr

Die Nummer 1 körperlich angeschlagen, die Nummern 2 und 3 der Welt fehlen: Und plötzlich befindet sich Serena Williams mit bald 40 wieder in einer guten Ausgangslage für Wimbledon. Die 23-fache Major-Siegerin läuft seit ihrer Babypause dem Rekord von Margaret Court (24 Titel) hinterher. Ihr Coach glaubt aber an den US-Superstar. “Wenn sie wie Serena spielt und sie ihre Mentalität auf den Platz bringt, kenne ich niemanden, der sie stoppen kann”, sagte Patrick Mouratoglou.

Seit ihrem Comeback stand sie viermal in Major-Endspielen, zweimal in Wimbledon und zweimal bei den US Open (jeweils 2018, 2019). Zudem hat Williams bei ihren letzten vier Auftritten an der Church Road neben erwähnten Finali die Titel 2016 und 2017 geholt, es waren die Triumphe sechs und sieben auf dem “Heiligen Rasen”. Dazu hat Williams auch Olympische Gold-Erinnerungen an Wimbledon, wo sie 2018 Einzel-Gold gewonnen hat. Apropos Olympia: Williams gab am Sonntag bekannt, dass sie bei den Spielen in Tokio nicht spielen wird. Dafür gebe es eine Menge Gründe, über die sie ein anderes Mal vielleicht sprechen wolle, meinte sie.

“Rasen ist wahrscheinlich der Belag, der ihr Spiel am besten zur Geltung kommen lässt. Hier ist sie am gefährlichsten”, glaubt Mouratoglou. Schon in Runde vier, dem Achtelfinale, könnte es zum Generationenduell mit der immer noch erst 17-jährigen Cori “Coco” Gauff kommen. Sie gilt als eine von mehreren gefährlichen Außenseitern.

Ähnlich wie Williams ist auch Roger Federer, der am 8. August knapp sechs Wochen vor der US-Amerikanerin 40 Jahre alt wird, im Spätherbst seiner Karriere auf Rasen die größte Gefahr für die Konkurrenz. Bei den French Open hatte sich der Eidgenosse nach dem gewonnenen Achtelfinale zurückgezogen, um seinen Körper auch im Hinblick auf die mit 35,02 Mio. Pfund dotierten All England Tennis-Championships zu schonen. Dann kam eine unerwartet frühe Niederlage in der zweiten Runde von Halle, wo er auf Rasen zuvor zehn Mal triumphiert hatte. Abseits der Niederlage gegen Felix Auger-Aliassime sei es vor allem seine eigene Negativität gewesen, von der er selbst enttäuscht gewesen sei, so Federer. “Das Gute daran ist, ich weiß, dass es hier nicht passieren wird. Ich bin bereit, bin aufgeregt und aufgepumpt. Ich weiß, dass ich so viel besser spielen kann”, meinte Federer.

Aktuell ist sein Ziel einmal bescheiden. Er will in die zweite Turnierwoche kommen. “Wenn die Dinge zu laufen beginnen und ich jedes Match stärker werde, glaube ich, dass sehr viel möglich ist.” Federer hat sich u.a. übrigens auch mit Andy Murray (ATP-119.) auf das Turnier eingeschlagen. Der Brite freut sich nach mehreren Hüft-Operationen nach vier Jahren auf sein Comeback an jenem Schauplatz, wo er zweimal triumphiert hat. Sollte Federer tatsächlich der neunte Triumph gelingen, dann wäre es sein 21. Titel auf Major-Niveau. Aktuell teilt er sich den Allzeitrekord bei den Männern mit Rafael Nadal. Topfavorit Novak Djokovic könnte diese 20-Titel-Marke mit seinem sechsten Wimbledon-Gewinn ebenfalls erreichen.

Für die Fans ist die Rückkehr von Wimbledon gleich doppelter Grund zur Freude: Denn 2020 war das Major in London wegen der Coronavirus-Pandemie als einziges der vier Grand Slams ganz ausgefallen. Und sie dürfen auch wieder auf die Anlage. Zunächst mit 50-prozentiger Auslastung, die Finali der Frauen und Männer dürfen dann vor der vollen Kapazität von 15.000 Fans ausgetragen werden. Die 3-G-Regel ist dort ebenso obligat, wie das Tragen von Gesichtsmasken außer am Sitzplatz. “Als Wimbledon letztes Jahr gestrichen wurde, war das ein Bauchschuss für unseren Sport”, sagte es der ehemalige Tennis-Flegel und Topstar John McEnroe gewohnt drastisch. Die spezielle Atmosphäre von Wimbledon, wo die Spieler nur in Weiß auftreten dürfen und wo die Etikette weit mehr zählt als sonst wo im Tennis-Zirkus, die wissen sogar die jüngeren Spieler sehr zu schätzen.

Von: APA/Reuters