Vier Verdachtsfälle

Coronavirus: Formel-1-Team Haas auf einmal im Fokus

Donnerstag, 12. März 2020 | 12:15 Uhr

Ein schwarzes Absperrband trennt Günther Steiner von den Journalisten. In Zeiten der Coronavirus-Krise versucht die Formel 1 auf Distanz zu gehen. Das gilt auch für den Teamchef des kleinen US-Rennstalls Haas. Der 54-jährige Südtiroler nimmt in der Debatte im Fahrerlager von Melbourne eine prominente Rolle ein, denn gleich vier seiner Mitarbeiter zählen zu den Verdachtsfällen.

So viele hat kein anderes Formel-1-Team. “Es ist etwas, was wir ernst nehmen müssen. Wir nehmen es sehr ernst”, versicherte Steiner am Donnerstag.

Besonders viel Aufmerksamkeit genießt das Team in der Regel nicht. Dafür fährt die Truppe des Werkzeugmaschinenproduzenten Gene Haas einfach viel zu oft hinterher. In der vergangenen Saison wurden die US-Amerikaner mit nur 28 Punkten Vorletzter in der Konstrukteurs-WM. Und auch in seiner fünften Saison in der Königsklasse des Motorsports ist der Rennstall Außenseiter.

Am anderen Ende der Welt aber rückt Haas in den Vordergrund. Mitarbeiter haben Symptome gezeigt, die auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 hindeuten könnten. Das Virus, dieser unsichtbare Feind, kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Daher wurden die betroffenen vier Angestellten, ein Ingenieur und drei Mechaniker, vorsichtshalber isoliert.

“Wenn jemand etwas hat, bitten wir ihn, es uns zu sagen, um so sicher wie möglich zu sein und nichts zu verbergen”, betonte Steiner. “Das wäre eine verkehrte Sache, wenn sich das Virus verbreiten würde, weil man ihm keine Aufmerksamkeit schenkt.” Diskussionen mit anderen Teams über eine mögliche Rennabsage des ersten Saisonrennens gibt es Steiner zufolge jedoch nicht.

Die Zukunft ist bei Haas ohnehin ein allgegenwärtiges Thema. Schließlich ist nicht sicher, ob der Rennstall weitermacht. “Ich warte mal ab, wie sich die Dinge vom Start weg entwickeln”, sagte Teambesitzer Haas. “Sollten wir ein weiteres schlechtes Jahr haben, wäre es nicht so vorteilhaft zu bleiben.” Haas hat sich ein Fünf-Jahres-Ziel gesetzt – spätestens dann muss Bilanz unter das millionenschwere Engagement gezogen werden. “Man muss es dann bewerten. Das nochmals fünf Jahre zu machen, das wäre schon ein starkes Bekenntnis.”

Das desaströse Jahr 2019 hat Haas als “echten Erziehungsprozess” bewertet. “Ich habe Vertrauen, dass wir daraus gelernt haben”, meinte er bei der Vorstellung des neuen VF-20, mit dem der Däne Kevin Magnussen und der Franzose Romain Grosjean deutlich mehr Punkte als im vergangenen Jahr holen sollen. Bestenfalls wie 2018, als Haas überraschend WM-Fünfter wurde.

Für den 67-jährigen Teambesitzer aus Ohio, dem ehemaligen industriellen Herzstück von Nordamerika, soll sich sein Investment auszahlen. Die Werbeeffekte für sein Kerngeschäft seien nicht so schlecht, meinte Haas. Das Geschäftsmodell der Formel 1 begünstige aber kleine Teams bestimmt nicht. “70 Prozent der Prämien gehen an die besten drei Rennställe und 30 Prozent an die anderen sieben. Das ist kein gutes ökonomisches Modell”, bemerkte Haas.

Ab 2021 greift in der Formel 1 ein neuer Grundlagenvertrag, darin ist unter anderem auch eine Kostenobergrenze von 175 Millionen US-Dollar (156,4 Mio. Euro) pro Saison und Team verankert. Aber das ist auch für Haas vorerst nur Zukunftsmusik.

Von: dpa

Bezirk: Bozen