Halep rang Kerber nieder

Damen-Endspiel in Melbourne lautet Halep gegen Wozniacki

Donnerstag, 25. Januar 2018 | 13:47 Uhr

Im Damen-Finale der Australian Open kommt es am Samstag zum Duell der Nummer eins mit der Nummer zwei der Setzliste. Simona Halep und Caroline Wozniacki spielen um ihren ersten Titel bei einem Tennis-Grand-Slam und zugleich um die Führung in der Weltrangliste. Bei den Herren steht mit Marin Cilic der erste Finalist fest. Er besiegte den ungesetzten Briten Kyle Edmund 6:2,7:6(4),6:2.

Cilic ist bei Damen und Herren der erste Kroate in einem Australian-Open-Finale. Gegen Edmund agierte er konzentrierter und erwies sich einfach als besserer Spieler. Cilic gewann den ersten Satz souverän 6:2, ehe Edmund ein medizinisches Time-out beantragte und in die Kabine verschwand. Die Vorentscheidung fiel im Tiebreak des zweiten Satzes, als Cilic das entscheidende Minibreak zum 4:3 schaffte. “Es war sehr wichtig, dass ich den zweiten Satz gewonnen habe”, sah das auch Cilic selbst als Schlüssel für den Erfolg an. Spätestens ab diesem Zeitpunkt fehlte Edmund der Glaube an die Wende.

Nach 2:18 Stunden verwertete der als Nummer sechs gesetzte Cilic seinen ersten Matchball mit einem Service-Winner. Am Montag wird er erstmals auf Position drei der Weltrangliste vorstoßen und nur noch den von ihm im Viertelfinale besiegten Rafael Nadal (ESP) und Federer vor sich haben. Im Endspiel am Sonntag trifft Cilic auf den Sieger der Freitag-Partie zwischen Roger Federer (SUI-2) und Chung Hyeon (KOR).

Im Damenhalbfinale hatte Halep die Deutsche Angelique Kerber 6:3,4:6,9:7 besiegt, nachdem Wozniacki gegen Elise Mertens 6:3,7:6(2) gewonnen hatte. Für beide Verliererinnen endeten damit Erfolgsserien. Sydney-Titelgewinnerin Kerber hatte heuer davor noch überhaupt kein Einzel verloren, Mertens nur am Neujahrstag beim Hopman-Cup in Perth – gegen Kerber. Die Belgierin war in Melbourne sogar ohne Satzverlust ins Halbfinale gekommen, muss nun aber auf ihr erstes Major-Endspiel noch warten.

Mehr Brisanz und Spannung bot das zweite Vorschlussrundenmatch, in dem sich Kerber mehrmals vor dem Out rettete und doch unterlag. Halep überfuhr Kerber im ersten Satz förmlich, ließ in dieser nur 14-minütigen Phase lediglich fünf Punkte gegen sich zu. Im zweiten Durchgang hielt die Titelträgerin 2016 besser mit, kämpfte aber offensichtlich mit ihrer Physis. Für die Deutsche war es ihr in diesem Jahr schon 15. Einzel, dazu kamen vier Mixed-Partien. Doch mit unbändigem Siegeswillen wehrte die 30-Jährige zwei Matchbälle ab und brachte die Partie in einen dritten Durchgang.

Hier servierte Halep erneut auf das Match, und wieder konterte Kerber. Die Rückkehrerin (9.) in die Top Ten hatte selbst zwei Bälle auf den Finaleinzug, letztlich verwertete aber Halep ihren vierten Matchball. “Ich habe mit Selbstvertrauen gespielt und mir vorgenommen, um jeden Punkt zu kämpfen”, sagte die Rumänin nach dem Sieg. “Ausrasten kann ich mich nach dem Turnier.” Die 26-Jährige hatte schon in der dritten Runde gegen die US-Amerikanerin Lauren Davis zwei Matchbälle abgewehrt.

Die Weltranglistenerste schien gegen Kerber zwischendurch Geduld und Nerven zu verlieren. “Es war wie eine Hochschaubahnfahrt, rauf und runter”, meinte Halep. “Aber man darf nicht aufgeben, nur so kann man gewinnen. Ich bin gerade ziemlich stolz auf mich.” Sie nimmt nun ihren dritten Endspiel-Anlauf auf einen Major-Einzeltitel, nachdem sie in den French-Open-Finali 2014 und 2017 Maria Scharapowa (RUS) bzw. Jelena Ostapenko (LAT) in je drei Sätzen unterlegen war.

Ihre Finalgegnerin ist aber alles andere als eine an großen Erfolgen gesättigte Spielerin. Wozniacki war ebenso bereits Weltranglistenerste und würde mit einem Sieg über Halep nicht nur wieder an die Spitze zurückkehren, sondern ihrerseits ebenfalls ihr Major-Titeldebüt feiern. Die Dänin hat diesbezüglich 42 erfolglose Anläufe hinter sich und war davor ebenso zweimal bis in ein Grand-Slam-Finale vorgedrungen – 2009 und 2014 jeweils bei den US Open.

Schon die vergangenen US Open im September wurden von zwei bis dahin bei Majors titellosen Spielerinnen bestritten, Sloane Stephens besiegte in einem US-Duell letztlich Madison Keys. Bei den Australian Open hatte es zuletzt mit der Tschechoslowakin Hana Mandlikova 1980 eine neue Grand-Slam-Siegerin gegeben, also vor 38 Jahren. Wenn ihr Wozniacki nachfolgen will, muss sie ihre Nerven in den Griff bekommen. Das war in entscheidenden Phasen nicht immer der Fall.

Auch gegen Mertens wurde es zum Schluss noch einmal knapp. Bei 5:4 und 30:0 fehlten der 27-Jährige nur zwei Punkte auf den Aufstieg, mit zwei Doppelfehlern ermöglichte sie aber das Rebreak. Die 22-jährige Ungesetzte schaffte es ins Tiebreak, in dem war bei ihrer erst fünften Grand-Slam-Teilnahme jedoch Endstation. Mertens wird am Montag dennoch erstmals in die Top 20 vorstoßen.

Bei Wozniacki – diesmal in der zweiten Runde gegen Jana Fett (CRO) erst nach Abwehr zweier Matchbälle weiter – könnte der gegen Mertens doch noch eingefahrene Sieg aber einen mentalen Knoten gelöst haben. Denn die Niederlage in ihrem davor einzigen Melbourne-Halbfinale beschäftigte die Skandinavierin lange Zeit. Gegen die Chinesin Li Na hatte sie da 2011 einen Matchball vergeben. “Diese vergebene Chance hat mich über Jahre verfolgt. Es war die größte Enttäuschung meiner Karriere.”

Von: apa