Unterklassige Davis-Cup-Duelle in zwei Tagen abgehandelt

Davis-Cup-Duelle der unteren Zonen werden verkürzt

Freitag, 06. Oktober 2017 | 15:15 Uhr

Eine kleine “Revolution” im traditionellen Davis Cup ist am Freitag vom internationalen Tennisverband (ITF) avisiert worden: Abgesehen von der Weltgruppe werden in allen Zonen-Gruppen vorerst 2018 die Länderkämpfe nur noch an zwei Tagen und im best-of-three-Modus ausgetragen. Betroffen ist auch das Heimspiel Österreich – Weißrussland in der Europa-Afrikazone I, das am 2./3. Februar stattfindet.

Der ITF-Board of Directors hat in einer doch überraschenden Entscheidung diese Neuerungen bekannt gegeben. Hauptziel ist es, in weiterer Hinsicht auch wieder die absoluten Topstars des Sports für den Traditionsbewerb zu interessieren. “Das ist unsere Priorität. Dieser Test soll dem immer dichter werdenden Tennis-Kalender der Spieler entgegenkommen. Sollte dieser Versuch ein Erfolg sein, werden wir eine Einführung in der Weltgruppe nach 2018 in Erwägung ziehen”, sagte ITF-Präsident David Haggerty in einer Aussendung.

ÖTV-Davis-Cup-Kapitän Stefan Koubek war von der Neuerung überrascht, konnte ihr aber doch Gutes abgewinnen. “Grundsätzlich ist es auf alle Fälle einen Versuch wert”, sagte Koubek am Freitag im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. Besonders freut ihn auch die neue Möglichkeit, dass man anstelle von vier künftig fünf Spieler nominieren darf. “Das ist sehr angenehm. Da kann man dann wirklich ein ganzes Doppel mitnehmen und drei Einzelspieler, das ist super.”

Die Tatsache, dass der dritte Spieltag wegfällt, könne sich bei Heim-Matches auf die Einnahmen auswirken. “Auf der anderen Seite hast du an zwei Tagen alles fertig und am Samstag weißt du, ob du weiter bist.” Die Modusänderung auf nur noch zwei Gewinnsätze (best-of-three) werde aus seiner Sicht den Spielern ganz gut gefallen. “Weil es nicht mehr so tough ist – ein Fünfsatz-Match ist einfach hart. Es geht natürlich ein bisserl etwas vom Davis Cup verloren. Das finde ich persönlich ein bisserl schade.”

Auch in Sachen Weiterreise zu den nächsten Turnieren ist es aber ein Vorteil für die Spieler, schon am Sonntag fliegen zu können. Koubek ist überzeugt, dass es auch die Chance erhöht, dass Österreichs Topstar Dominic Thiem öfter zur Verfügung steht: “Natürlich, weil es weniger Sätze und weniger Tage sind, das kommt einem Spieler wie Dominic entgegen. Ich glaube definitiv, dass es die Chancen erhöht, dass er dabei ist.”

Tennis-Traditionalisten werden die Nase rümpfen, dass man an den klassischen Fünf-Satz-Matches sägt. Dies macht gerade bei Grand-Slam-Turnieren und im Davis Cup viel der besonderen Atmosphäre aus. Koubek denkt da ähnlich, aber: “Irgendwie sagt mein Bauchgefühl, dass es was Gutes sein könnte. Die Topspieler werden wieder öfters spielen.”

Ein Schauplatz für den Heimländerkampf am 2. und 3. Februar ist übrigens noch nicht fixiert. Koubek: “Wir sind noch am Suchen.”

Wenig erfreut zeigte sich ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda über die Formatänderung und auch über die rasche Vorgangsweise der ITF gezeigt. Der Funktionär beklagte die durch die Verkürzung auf zwei Tage reduzierten Einnahmen bei gleichbleibenden Kosten.

“Die Idee dahinter ist ja nicht schlecht und die Spieler werden es begrüßen. Aber wir haben jetzt ein Drittel weniger TV-Zeit und können ein Drittel weniger Tickets verkaufen”, erklärte Schweda gegenüber der APA. Die Kosten blieben hingegen im Wesentlichen die gleichen. Die nötige Adaptierung einer Halle samt Tribünenaufbau rechnet sich natürlich für drei Spieltage besser als für nur zwei.

Auch die Vorgangsweise der ITF, die dies äußerst kurzfristig beschloss, gefällt Schweda nicht. “Im Fußball-Geschäft wären die Verantwortlichen schon gefeuert worden”, sagte der früher u.a. für die UEFA-Champions-League tätige Geschäftsführer des Verbands. Schweda ist schon seit einigen Wochen auf Schauplatz-Suche für den Heim-Davis-Cup, nunmehr am 2./3. Februar. Die bisher angestellten Kostenkalkulationen waren freilich noch auf drei Tage ausgerichtet.

Schauplatz könnte übrigens Anfang Februar 2018 Niederösterreich werden. Man ist jedenfalls derzeit mit Niederösterreich in Gesprächen, konkret sind das Multiversum in Schwechat und eine Anlage in St. Pölten im Gespräch, auch Wr. Neustadt ist eventuell möglich. Eine Entscheidung soll in den nächsten zwei Wochen fallen.

Von: apa

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