DFB steht vor einer großen Krise

Deutsche Bundesligen pausieren bis mindestens 2. April

Montag, 16. März 2020 | 19:47 Uhr

Die deutsche Fußball-Bundesliga und die 2. Liga unterbrechen ihren Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Pandemie bis mindestens zum 2. April. Das wurde während der Mitgliederversammlung der 36 in der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisierten Profi-Clubs am Montag in Frankfurt am Main beschlossen.

“Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir nicht davon ausgehen, ab dem 3. April wieder zu spielen”, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. In der Woche ab dem 30. März wollen sich die Vereine erneut abstimmen.

Geisterspiele seien “in naher Zukunft die einzige Chance”, äußerte Seifert zudem. “Deshalb bitte ich um Verständnis und Unterstützung, dass wir darüber nachdenken müssen.” Es gebe “keinen Zweifel, dass die Eindämmung des Coronavirus Vorrang vor allem hat”.

Am vergangenen Freitag hatte die DFL nach massiver Kritik und langem Hin und Her die eigentlich für das Wochenende geplante 26. Runde abgesagt. Die Branchengrößen hatten das zögerliche Krisenmanagement im Anschluss auch mit finanziellen Zwängen begründet. Hintergrund sind Zahlungen aus dem milliardenschweren TV-Vertrag, die nur fällig werden, wenn auch tatsächlich gespielt wird.

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte unlängst von der “größten Krise des deutschen Profi-Fußballs” gesprochen. Sollte die Saison wegen der Krise nicht beendet werden können, drohen Einnahmeverluste in Höhe von rund einer dreiviertel Milliarde Euro. Auch deshalb war längst über Solidarfonds innerhalb der Ligen diskutiert worden.

Auch Schalkes Vorstandsmitglied Alexander Jobst warnte eindringlich vor den möglichen wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie. “Wir alle sind uns in diesen Tagen der gesundheitlichen Bedrohung für das ganze Land bewusst. Absolute Priorität hat die Gesundheit der Bevölkerung! Die Auswirkungen der aktuellen Situation zeigen aber auch, dass es um die Existenz des FC Schalke 04 und der Clubs der 1. und 2. Bundesliga geht”, teilte der für Marketing und Kommunikation zuständige Vorstand des deutschen Fußball-Bundesligisten auf der Club-Homepage mit.

Das Virus bestimme inzwischen “wesentliche Abläufe in unserer Gesellschaft. Dabei ist unsere Aufgabe, auch wenn wir die Entwicklungen der nächsten Zeit nicht einschätzen können, die Bundesligasaison bestmöglich zu Ende zu spielen”, sagte Jobst. Das sei “die Verantwortung für Schalke 04 und für den gesamten Profifußball”.

Jobst äußerte Verständnis für den Wunsch der Fans, Bundesligaspiele im Stadion zu verfolgen, ließ aber auch klar durchblicken, dass er bestenfalls noch mit Geisterspielen rechnet: “Es muss in allererster Linie unser Bestreben sein, die noch ausstehenden Spiele überhaupt austragen und die Saison zu Ende führen zu können”, sagte der 46-jährige Ökonom.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rief Fußball-Stars dazu auf, auf Millionen zu verzichten, um ihren Vereinen in der Coronavirus-Krise zu helfen. Denn Söder sieht dies derzeit nicht als zentrale Aufgabe der Politik an. “Ganz ehrlich: Es ist nicht die wichtigste und vordringlichste Aufgabe jetzt, dafür zu sorgen, dass die Profivereine wirtschaftlich überleben können”, sagte Söder am Montag in einem Live-Interview der “Bild”-Zeitung. Wichtiger sei nun die Sicherstellung der medizinischen Versorgung.

Von großer Bedeutung für den deutschen Fußball wird der Ausgang der UEFA-Konferenz am Dienstag sein. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) berät über die Verlegung der Fußball-EM 2020 in den kommenden Winter oder den Sommer 2021. Sollte das Turnier aufgrund der Verbreitung von Sars-CoV-2 wie erwartet nicht wie ursprünglich geplant vom 12. Juni bis zum 12. Juli stattfinden, hätten die nationalen Ligen bis zum 30. Juni Zeit, ihre Saison abzuschließen.

In der deutschen Bundesliga stellt Österreich das größte Legionärskontingent: 29 rot-weiß-rote Profis spielen in der höchsten Spielklasse und 22 in der 2. Liga.

Von: APA/dpa