Offene Fragen sind noch zu klären

Deutsche Doping-Komplizen in Übergabehaft

Freitag, 01. März 2019 | 12:38 Uhr

Das Landesgericht Innsbruck hat am Freitagvormittag über die beiden Komplizen des deutschen Sportmediziners, die am Mittwoch im Zuge einer Anti-Doping-Razzia in Seefeld in Tirol festgenommen worden waren, Übergabehaft verhängt. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck in einer Aussendung mit.

Die beiden Komplizen, ein Mann und eine Frau, waren aufgrund eines Europäischen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft München I festgenommen worden. Sie bleiben nun bis zur Übergabe an die deutschen Behörden in der Justizanstalt Innsbruck. Die Haft sei bei der Frau aufgrund von Tatbegehungsgefahr und bei dem Mann aufgrund von Tatbegehungsgefahr und Verdunkelungsgefahr verhängt worden, sagte Klaus Jenewein, Sprecher des Landesgericht Innsbruck, zur APA.

Beide hätten bezüglich der Übergabe an die deutschen Behörden auf Rechtsmittel verzichtet. Trotzdem könne die Übergabe erst nach einer Haftprüfungsverhandlung statt finden. Zu dieser wird es laut Jenewein voraussichtlich am 11. März kommen.

Wichtige Details zum mutmaßlichen Doping-Netzwerk könnten neben den Aussagen des festgenommenen Sportarztes Mark S. die Auswertungen der in Erfurt sichergestellten Blutbeutel liefern. In Erfurt seien bei den Hausdurchsuchungen mehr als 40 Blutbeutel sichergestellt worden, schrieb die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. Die “Süddeutsche Zeitung” berichtete von mindestens einigen Dutzend kühl gelagerter Blutbeutel. Angeblich seien diese mit Tarnnamen versehen gewesen. Die Ermittler gehen von einem internationalen Doping-Netzwerk aus.

Die Besitzer könnten rasch zu identifizieren sein. Der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und den nationalen Anti-Doping-Agenturen (NADA) liegen demnach Zehntausende individuelle Blutprofile vor. Das österreichische Bundeskriminalamt (BK) arbeite sehr eng mit der WADA und NADA zusammen, erklärte Dieter Csefan vom BK. Er sieht laut SZ “gute Möglichkeiten, die Blutbeutel über DNA-Tests den jeweiligen Besitzern zuordnen zu können”.

Bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld waren die österreichischen Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf, die beiden Esten Karel Tammjärv und Andreas Veerpalu sowie laut Medienberichten der Kasache Alexei Poltoranin im Zuge einer Razzia festgenommen worden. Alle haben laut Staatsanwaltschaft inzwischen Eigenblutdoping gestanden und sind wieder auf freiem Fuß. Offen ist nun, ob weitere Athleten und andere Sportarten in die Affäre verwickelt sind. Der Erfurter Arzt Mark S. kooperiert laut seinem Anwalt “vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden”, zudem wurden in Erfurt und Seefeld drei mutmaßliche Komplizen festgenommen.

Deutsche Doping-Experten sind indes nicht überrascht, dass die Spur gerade nach Erfurt führt. “Der Standort Erfurt ist mir in alle den Jahren immer wieder im Zusammenhang mit Doping begegnet – in der DDR und auch danach”, sagte der bekannte Dopingjäger Werner Franke in einem Interview der “Welt”. Über die Landeshauptstadt Thüringens meinte der Molekularbiologe: “Man kann da schon von einem der Knotenpunkte des Sportbetrugs in Deutschland sprechen.”

Franke verglich das mutmaßliche Doping-Netzwerk mit dem des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes, der im Mittelpunkt eines großen Dopingskandals vor 13 Jahren gestanden war: “Hinsichtlich der kriminellen Energie und der Organisation des Dopings kann man sicherlich vom deutschen Fuentes sprechen.”

Von: APA/dpa

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