Die Mitglieder beschließen am Donnerstag die Regeln

Deutscher Bundesliga-Notbetrieb als gewagtes Spiel

Mittwoch, 13. Mai 2020 | 15:42 Uhr

Der Notfall-Neustart wird zum heikelsten Experiment der deutschen Bundesliga-Geschichte. Begleitet von beißender Kritik und vielen Zweifeln stellt die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Donnerstag die letzten Weichen für den Corona-Spielbetrieb – und auch schon für den Fall eines möglichen Saisonabbruchs. Die Liga steht jedenfalls unter besonderer Beobachtung.

Beim gewagten Wiederanpfiff der 1. und 2. Liga am Samstag steht für den deutschen Profifußball enorm viel auf dem Spiel: Millionen-Summen und sogar die wirtschaftliche Existenz einiger Clubs, aber auch der schon beschädigte Ruf der Branche und nicht zuletzt die Gesundheit der Beteiligten am Geister-Schauspiel.

Wenn am Wochenende der Ball in leeren Arenen wieder rollt und die Fans sich nicht einmal vor dem Fernseher zum gemeinsamen Schauen versammeln dürfen, gerät das Sportliche eher zur Randnotiz – auch wenn großes internationales Interesse beim Neustart der ersten Top-Sportliga weltweit gewiss ist. Es gehe schlicht um “den Fortbestand der Ligen in ihrer jetzigen Form”, versicherte DFL-Chef Christian Seifert. Als Krisenmanager steuert der 51-Jährige die Bundesliga in einen “absoluten Notbetrieb”, wie er dem ZDF sagte. Unermüdlich betont er: “Jedem in der Liga muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung.”

Deswegen müsse man auch auf einen Saisonabbruch vorbereitet sein. Die Mitgliederversammlung soll deshalb am Donnerstag beschließen, dass für dieses Worst-Case-Szenario aus rechtlichen Gründen der dann aktuelle Tabellenstand gewertet würde. Damit könnte ein Meister gekrönt werden, es gäbe jeweils zwei feste Absteiger und keine Aufstockung der Ligen. “Nochmal: Dieses Szenario ist höchst unwahrscheinlich, sollte aber auch geregelt sein. Ich bin überzeugt, dass alle Clubs diesem Vorschlag zustimmen”, sagte der DFL-Aufsichtsratschef Peter Peters am Mittwoch.

Um die Abstiegsfrage ist allerdings bereits ein heftiger Streit entbrannt. Bei einer Videokonferenz der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit den Erstliga-Clubs haben nach einem “kicker”-Bericht am Mittwoch zehn Vereine für einen Antrag der DFL gestimmt, acht dagegen. Die Entscheidung soll nun deshalb nicht wie vorgesehen bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der 36 Proficlubs am Donnerstag fallen, sondern um eine Woche vertagt werden, schrieb das Fachmagazin.

Der Beifall und die Vorfreude auf Bundesliga-Fußball halten sich aber in Grenzen. Der Entertainer Jan Böhmermann brachte es bei Twitter auf die drastische Formel: “Fickt Eure verschissene Bundesligasaison!” Mehr als 34.000 Menschen klickten binnen weniger Stunden auf “Gefällt mir”. In Umfragen sind die Befürworter eines Liga-Wiederbeginns unter den aktuellen Umständen in der Minderheit.

Der SPD-Parteivize Kevin Kühnert warnte bei Sport1 die Liga-Bosse: “Das ist kommunikativ neben den organisatorischen Fragen etwas, was nach hinten losgehen kann, und wodurch die Debatte befeuert wird, ob der Fußball in Deutschland Sonderrechte genießt.” Dass derzeit am Fußball-Stammtisch neben Politikern auch Virologen und Ökonomen das Wort führen, ist Beweis für die schmerzhafte Zwickmühle der Liga.

“Wir wollen und werden unserer Verantwortung gerecht werden”, versprach Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. Doch das Skandal-Video von Hertha-Profi Salomon Kalou, der in der Berliner Kabine Hygiene- und Abstandsregeln kichernd missachtete, und die Coronafälle, die das gesamte Team des Zweitliga-Schlusslichts Dynamo Dresden in die Quarantäne zwangen, nährten die Bedenken. Ob Bundesliga und Unterhaus wirklich Ende Juni die Saison abschließen und dann auch Relegation und Pokalfinale wie geplant die letzten Entscheidungen bringen, bleibt fraglich.

“Das Konzept steht auf tönernen Füßen”, gestand Sportchef Max Eberl von Borussia Mönchengladbach. Der sportliche Wert des Restarts angesichts knapper Vorbereitung und die womöglich fehlende Chancengleichheit werden überlagert vom Wunsch nach der Rettung der ausstehenden Fernseh- und Sponsorengelder. “Wenn die Bundesliga als einzige große Liga rund um den Globus im TV übertragen wird, dann gehe ich davon aus, dass wir ein Milliardenpublikum haben werden”, sagte Bayern-Chef Rummenigge der “Sport Bild”.

Und Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärte: “Die Bundesliga so lange ruhen zu lassen, bis wieder Zuschauer in die Stadien dürfen, wäre für die Vereine wirtschaftlich allerdings nicht durchzuhalten gewesen.” Der Boss des einzigen börsennotierten Bundesligisten schaut indes nicht allein auf die Kassenlage, sondern hofft dazu noch auf den Titelgewinn im Saisonendspurt.

Vier Punkte liegt der BVB hinter dem Tabellenführer aus München, zum Auftakt des 26. Runde wartet der Revier-Klassiker gegen den FC Schalke 04. Es werde das “ungewöhnlichste Derby der Geschichte”, sagte Dortmunds Lizenzspielerchef Sebastian Kehl der “Welt”. Kein gemeinsamer Torjubel, Trainer mit Masken, Abstand halten zumindest auf der Ersatzbank – und keine “Gelbe Wand” mit 25.000 BVB-Fans.

Von: APA/dpa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Deutscher Bundesliga-Notbetrieb als gewagtes Spiel"


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Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
15 Tage 7 h

Hallo aus D,

Samstag wird der Tag der gelebten Unvernunft.

Wer sich halbwegs im deutschen Fussball auskennt weiss um die Brisanz von “Schalke gegen Dortmund”.

Fast flehentlich wird in den Medien getrommelt man möge gemeinsames Fussballschauen in Garten und Wohnzimmer unterlassen.
Die Realität wird eine andere sein und sizilianische Strandverhältnisse herrschen.

Und wenn es 14 Tage später dann weiterhin sinkende Infektionszahlen gibt werden alle Dämme brechen, das ist gewiss.
Und Fussball war der Räumpanzer..

Auf Wiedersehen in Südtirol

Supergscheider
Supergscheider
Tratscher
15 Tage 5 h

Andreas1234567@ Wahrscheinlich sind die Auswirkungen ohne Fussball doch schlimmer als ein Neustart der Pandemie.
Da doch gefühlt die Hälfte der Menschen glauben es gibt das Virus nicht,oder halt eh nur eine normale. Grippe ist sowieso nichts mehr zu machen.

Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
15 Tage 3 h

Hallo @Supergscheider,

mir ist auch nicht wohl aber der Druck muss aus dem Kessel und es wird am Wochendende laut pfeifend soweit sein.

Ich war und bin jetzt jeden Tag stärker davon überzeugt wir hätten die prognostizierten Toten nehmen müssen , auch das Doppelte der schlimmsten Prognosen wäre noch ein Sonderangebot gewesen angesichts der globalen Schäden die sich langsam abzeichnen.

Mache niemandem einen Vorwurf bislang, war eine unbekannte Situation.
Ich schnapp mir jetzt mit vielen anderen einen Besen und fange an das Scherbenmeer zusammenzukehren.

Auf Wiedersehen in Südtirol

guenne
guenne
Tratscher
15 Tage 2 h

22 Millionäre dürfen Fußball spielen, aber 6 Kinder nicht. 🤔

Mistermah
Mistermah
Kinig
14 Tage 13 h

Stimme ich dir voll zu. Solange unsere Kinder nicht spielen dürfen gehört Fußball für alle verboten

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Tratscher
14 Tage 14 h

Jetzt Bundesligaspiele sind der größte Schwachsinn. Profifussball ist nicht systemrelevant.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
14 Tage 14 h

Fanansammlungen hin oder her. Die sind nur ein Problem für die Sicherheitskräfte. Die 1. und 2. Fußball-Bundesliga lebt auch ohne Fans im Stadion. Wenn jemand, wie der Herr Rummelfliege vom FC 🤮 der Wortführer ist, dann muss jedem klar sein, um was es wirklich geht. 🤑🤑🤑

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