Deutschland will Ruf als Turniermannschaft gerecht werden

Deutschland vor Auftakt gegen Mexiko zuversichtlich

Sonntag, 17. Juni 2018 | 00:00 Uhr

Deutschlands Fußball-Nationalteam zweifelt trotz mäßiger Ergebnisse in der Vorbereitung nicht an seiner WM-Form. “Wir haben es oft genug bewiesen, dass wir dann da sind”, erklärte Toni Kroos. Mit Blick auf das erste Gruppenspiel am Sonntag (17.00 Uhr) gegen Außenseiter Mexiko meinte Abwehrchef Jerome Boateng: “Es ist ganz wichtig, gerade das erste Spiel zu gewinnen. Darauf liegt unser Fokus.”

Nachlässigkeiten wie in den jüngsten Testspielen kann sich die Deutsche Mannschaft nicht mehr leisten. “Die Gegner werden gegen uns ganz andere Qualitäten in die Waagschale werfen – große Motivation, Kampf”, sagte Deutschlands Teamchef Joachim Löw. “Deshalb muss in jedem Spiel die Konzentration hoch sein, wir müssen von Anfang an hellwach sein und an unsere Leistungsgrenze kommen. Es muss einfach alles passen”, sagte der 58-Jährige zur anvisierten WM-Titelverteidigung.

Die 1:2-Niederlage gegen Österreich und das blutleere 2:1 gegen Saudi-Arabien gelten als Warnung. “Gegen Österreich sind wir zum Beispiel an vielen Kleinigkeiten gescheitert, die wir häufig falsch gemacht haben. Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft, die auch mal gegen Österreich verlieren kann.” Für den Auftakt ist Löw aber guter Dinge: “Es wird ein schwieriges Spiel, aber ich bin optimistisch, wir werden Lösungen finden.”

Erfolgreiche Auftaktspiele bei WM-Endrunden haben für die deutschen Kicker Tradition. Nicht nur Champions-League-Sieger Kroos weiß: Egal, wie die Vorbereitung läuft, wenn es im Turnier losgeht, ist Österreichs Nachbar fast immer hellwach. Unrühmliche Ausnahme: 1982 gab es gegen Algerien ein peinliches 1:2 – bis heute die einzige Niederlage in 18 Auftaktpartien, von denen 13 gewonnen werden.

Im 21. Jahrhundert waren deutsche Auftaktspiele nicht nur erfolg-, sondern auch torreich. 2002 gelang mit dem 8:0 gegen Saudi-Arabien der bisher höchste Sieg, das “Sommermärchen” 2006 eröffnete der Gastgeber mit einem 4:2 gegen Costa Rica, vier Jahre später gab es ein 4:0 gegen Australien. In Brasilien startete die DFB-Auswahl vor vier Jahren mit einer 4:0-Gala gegen Portugal ins Turnier – es endete mit dem vierten WM-Triumph für Deutschland (nach 1954,1974,1990).

Die Hoffnungen ruhen auf Einfädler Mesut Özil, der turbulente Wochen hinter sich hat. Die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bestimmen die Schlagzeilen. Auch nach der Ankunft in Russland mussten die Teamkollegen immer wieder Partei für den Arsenal-Legionär ergreifen. Löw sieht den Spielmacher als zentralen Baustein im WM-Titelplan. Wenn Özil dabei ist, spielt er (meistens) auch von Beginn an. In seinen 90 Länderspielen lief er 83-mal in der Startelf auf, kein aktueller Nationalspieler stand in Löws Amtszeit länger auf dem Platz als der 29-Jährige: 7.298 Minuten.

“El Tri” will gegen die starbesetzte Truppe nicht vor Angst erstarren. “Man hat gebührenden Respekt vor Deutschland, schließlich sind sie Weltmeister. Aber niemand ist unbesiegbar”, sagte Verteidiger Carlos Salcedo. Der Frankfurt-Verteidiger kennt einige der Gegner aus der Bundesliga. Der pfeilschnelle Timo Werner soll früh mit Druck oder am besten mit einer Abseitsfalle gestoppt werden. Der Stürmer von RB Leipzig suche die Tiefe, “deshalb müssen wir auf Abseits spielen und koordiniert sein”, meinte Salcedo.

Von: apa