Dominic Thiem forderte Novak Djokovic zum Halbfinalduell

Djokovic im Madrid-Halbfinale für Thiem zu stark

Sonntag, 12. Mai 2019 | 12:57 Uhr

Nach acht Siegen en suite hat die Nummer 1 der Tennis-Herren am Samstag den Lauf von Dominic Thiem gestoppt. Der Barcelona-Champion verpasste den Final-Hattrick beim Masters-1000-Event in Madrid und musste sich Topstar Novak Djokovic nach 2:22 Stunden Kampf mit 6:7(2),6:7(4) beugen. Ein Erfolgserlebnis hatte Thiem aber schon kurz danach, er zog mit Diego Schwartzman ins Doppelfinale ein.

Thiem, der am Vortag den Grand-Slam-Rekordgewinner Roger Federer in drei Sätzen bezwungen hat, musste sich einem ausgerasteten Djokovic im achten Duell zum sechsten Mal beugen. Djokovic hatte das Viertelfinale ja kampflos gewonnen, weil Marin Cilic (CRO) eine Lebensmittelvergiftung erlitten hatte. Der 15-fache Major-Sieger zeigte aber, dass man auch bei den French Open mit ihm rechnen kann. Djokovic trifft am Sonntag auf den Griechen Stefanos Tsitsipas, der überraschend Rafel Nadal bezwang. Thiem muss weiter auf seinen ersten 1000er-Titel auf Sand warten, die nächste Chance ist in Rom.

Das Match war wie erwartet völlig anders als das Viertelfinale gegen Federer. Während der Schweizer die schnelle Entscheidung gesucht hatte, auch um Thiem keinerlei Rhythmus zu geben, ist die Spielweise von Djokovic auf lange Grundlinien-Duelle, Zermürben des Gegners und auch Konter ausgelegt.

Im Gegensatz zum Vortag nutzte Thiem diesmal seine erste Breakchance. Der 13-fache Turniersieger nahm dem Serben, der die vergangenen drei Grand-Slam-Turniere gewonnen hat, zum 2:1 den Aufschlag ab. Thiem zog auf 3:1 davon, musste dann aber nach zwei großartigen Rallyes zugunsten des Weltranglisten-Ersten im sechsten Game das Rebreak zur Kenntnis nehmen. Heikel wurde es für den “Djoker”, der die Bälle vor dem Service wie so oft rund 15 Mal aufspringen ließ, im neunten Game. Nach einer Verwarnung wegen Zeitüberschreitung musste er nach der zweiten Verwarnung bei 15:40 gar den ersten Aufschlag auslassen. Dennoch gelang es dem noch 31-Jährigen, das Break zu verhindern.

Der Satz ging dann nach 56 Minuten ins Tiebreak, auch weil Thiem in Sachen Aufschlag nicht ganz so überzeugend war. Djokovic erwischte dann das bessere Tiebreak, während Thiem doch einige Fehler unterliefen. Nach starker Defensivarbeit gelang Djokovic die 4:1-Führung und nach 64 Minuten letztlich verdient die 1:0-Satzführung.

Sowohl im zweiten als auch im vierten Game musste Djokovic im zweiten Durchgang jeweils einen Breakball abwehren, bei 1:2 nach einer neuerlichen “time violation” bei Einstand zeigte er seine Abgebrühtheit mit seinem erst zweiten Ass (mit dem zweiten Service) und glich in der Folge zum 2:2 aus. Im sechsten Spiel nutzte Thiem aber aus seiner Sicht endlich den dritten Breakball zur 4:2-Führung, Djokovic gelang jedoch das sofortige Rebreak und dann das 4:4. Ein zu fehlerhafter Thiem musste dann sein Service zum 5:6 abgeben, doch er schaffte seinerseits das vorerst rettende Rebreak zum zweiten Tiebreak.

In diesem verwandelte Thiem einen 0:2-Rückstand noch zum 3:2, doch ein Doppelfehler zum 3:5 stellte die Weichen zum Sieg von Djokovic. Nach 2:22 Stunden nutzte der Weltranglisten-Erste den ersten Matchball.

Thiem war nach der knappen Niederlage alles andere als bitter enttäuscht. Der 25-Jährige, der sich doch noch vor seinem Doppel-Halbfinale für die Medien Zeit nahm, resümierte zufrieden. “Ich denke, dass es generell ein ganz gutes Match war. Um diese Spieler zu besiegen, braucht man immer ein bisserl ein Glück, ein bisserl das Momentum. Das war heute sicher nicht der Fall”, sagte Thiem.

“Es haben ein paar kleine Dinge den Ausschlag gegeben.” Er habe ein paar Breakbälle unglücklich verloren, “bei ein paar Breakbällen habe ich auch ein paar sehr schlechte Fehler gemacht. Im Tiebreak war er zweimal der Bessere.” Thiem erinnerte an einen “unfassbaren Punkt” des “Djokers” im ersten Tiebreak. “Im zweiten Tiebreak mache ich bei 3:4 den Doppler, was zu einer sehr schlechten Zeit war.”

Zu seiner Gesamtperformance in den vergangenen Wochen gebe es jedenfalls keinen Grund, sich zu beschweren. “Es passt sehr gut. Ich habe Indian Wells und Barcelona gewonnen, in Madrid ein Semifinale. Ich habe schon über 2.000 Punkte und auch ziemlich sicher eine Top-4-Setzung in Paris, was sehr wichtig ist, damit ich diesen ganz großen Kalibern aus dem Weg gehe bis zu einer tiefen Phase des Turniers”, hofft Thiem auf das Behalten der Top-4-Position bis Roland Garros. “Es läuft alles gut. Es wäre komplett vermessen, wenn ich unzufrieden wäre.”

“Dominic ist derzeit der beste Spieler der Welt auf diesem Belag. Er hat in dieser Saison Siege gegen Rafa und Roger, er hat Barcelona gewonnen und spielt auf wirklich hohem Level. Er hat auch in Indian Wells gewonnen”, lobte Djokovic, der Thiem bei dessen Abgang vom Platz auch applaudierte, den Niederösterreicher. Der Serbe war mit seiner Performance sehr zufrieden. “Ich habe in beiden Tiebreaks wirklich gut gespielt. Das war mein bestes Sandmatch in dieser Saison.” Zudem war er zufrieden, dass er die Nerven bewahrt hat “Ich dachte, ich hätte das Match bei 6:5 im zweiten Satz ausservieren sollen, aber Respekt für ihn, dass er es ins Tiebreak geschafft hat.”

Thiem hat nun wieder 360 ATP-Zähler sowie 312.215 Euro brutto Preisgeld geholt. In Rom könnte er mit gutem Abschneiden wieder viele Punkte sammeln, denn im Vorjahr war er nach einem Freilos gleich im ersten Match gescheitert.

Am späten Samstagabend feierte Thiem dann aber doch noch einen Sieg. An der Seite seines guten Freundes Diego Schwartzman (ARG) erreichte der 25-jährige Niederösterreicher zum ersten Mal bei einem Masters-1000-Turnier bzw. zum dritten Mal auf der ATP-Tour ein Doppel-Finale. Schwartzman/Thiem besiegten Guido Pella/Joao Sousa (ARG/POR) nach knapp 58 Minuten 6:3,6:2.

“Unglaublich, völlig unerwartet. Es hat Riesenspaß gemacht. Ich war natürlich ein bisserl mit meinen Gefühlen nach dem Einzel unten, aber das Doppel hat mich richtig rausgerissen. So unerwartet mit einem sehr guten Freund wie Diego, das ist ein Traum”, freute sich Thiem. Für ihn geht es am Sonntag (15.30 Uhr) um seinen ersten Doppel-Titel auf der Tour und das gleich auf 1000er-Niveau. In den bisherigen Versuchen verlor Thiem 2016 im Endspiel von Kitzbühel (mit Dennis Novak/AUT) und dieses Jahr mit Schwartzman in Buenos Aires.

Thiem ist im Doppel aktuell 145., sein bisher bestes Doppelranking war 86. Dies hat er schon mit dem Finaleinzug geknackt (voraussichtlich 79.). Holt er am Sonntag doch noch einen Titel in Madrid, dann reiht er sich wohl unmittelbar hinter Jürgen Melzer auf Position 56 ein. Die Madrid-Finalisten teilen sich einen Scheck über 174.490 Euro, die Turniersieger von 357.540 (jeweils brutto).

Von: apa

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