Djokovic musste über vier Sätze gehen

Djokovic nach Vier-Satz-Sieg in Melbourne im Viertelfinale

Montag, 21. Januar 2019 | 15:53 Uhr

Nach Kei Nishikori ist auch der Serbe Novak Djokovic bei den Tennis-Australian-Open gegen den Russen Daniil Medwedew mit 6:4,6:7(5),6:2,6:3 in das Viertelfinale eingezogen. Zwei Tage haben sie nun Zeit, sich von den Strapazen ihrer Achtelfinali zu erholen, ehe es am Mittwoch zum Aufeinandertreffen der beiden kommt. Alexander Zverev muss hingegen weiter auf sein zweites Major-Viertelfinale warten.

Der topgesetzte Djokovic musste in der Night Session gegen den erst 22-jährigen Medwedew zum zweiten Mal im Turnierverlauf über vier Sätze gehen, geht aber mit seinen 31 Jahren sicher ausgeruhter in die nächste Phase als Nishikori. “Da mein nächster Gegner sicher zuschaut: Ich fühle mich fantastisch, habe mich noch nie frischer gefühlt”, scherzte Djokovic im Court-Interview mit Jim Courier nach seinem aufreibenden Sieg über Medwedew. Dann gab er aber zu: “Das war eine körperliche Schlacht. Daniil hat in den letzten sechs Monaten sehr gutes Tennis gespielt. Er serviert gut, verteidigt sich gut – es war schwer, über ihn drüber zukommen. In solchen Matches muss man sich einfach reinhängen”, gestand Djokovic.

Obwohl er den zweiten Satz abgeben musste, wirkte der neun Jahre ältere “Djoker” nach vielen langen Ballwechseln ab dem dritten Satz einfach körperlich und mental frischer. Er ist gerüstet für das insgesamt 18. Duell mit Nishikori.

Der als Nummer 8 gesetzte Japaner hatte zuvor den Spanier Pablo Carreno Busta (ESP-23) nach nicht weniger als 5:05 Stunden und einem 0:2-Satzrückstand mit 6:7(8),4:6,7:6(4),6:4,7:6(10/8) niedergerungen. Das Match wurde erst im in Melbourne neu eingeführten “Super Tiebreak” im fünften Satz entschieden, das erst nach zumindest zehn gewonnenen Punkten entschieden wird.

Carreno Busta führte da bereits mit 8:5, als ein umstrittener Ball seiner Meinung nach falsch entschieden wurde. Der sonst immer so freundliche Spanier verlor völlig die Konzentration, machte keinen Punkt mehr, warf danach seine Tasche auf den Court und schrie beim Abgang in Richtung Schiedsrichter. “Wie ich den Platz verlassen habe, war nicht richtig und es tut mir so leid, weil das bin nicht ich”, eröffnete er dann gleich seine Pressekonferenz mit einer Entschuldigung.

Nishikori konnte das egal sein, hat er doch schon sein drittes Fünfsatz-Match in vier Spielen gewonnen. Auch in Runde zwei gegen Ivo Karlovic hatte er erst im Tiebreak des fünften Satzes (10/7) gewonnen. 13:47 Stunden in vier Runden hat der Wien-Finalist (2018) nun schon auf dem Platz verbracht. “Es fühlt sich an, als wäre das nicht genug”, scherzte Nishkori noch auf dem Platz. “Das war natürlich nicht einfach. Heute war das härteste Match”, fügte er dann hinzu.

Nishikori wird es nun wohl noch schwerer haben, denn Djokovic ist noch eine Nummer größer. Der Serbe hatte den Asiaten zuletzt auf dem Weg zum US-Open-Titel im Halbfinale bezwungen und führt im Head-to-Head klar mit 15:2.

Alexander Zverev muss weiter auf den Durchbruch bei einem Major-Turnier warten. Der allerdings erst 21-jährige Deutsche, der sich bei den ATP Finals in London zum Champion gekürt hatte, unterlag am Montag im Achtelfinale der Australian Open dem nach einer Verletzungsserie wieder erstarkten Kanadier Milos Raonic mit 1:6,1:6,6:7(5). Raonic trifft nun auf Borna Coric (CRO) oder Lucas Pouille (FRA).

Beim Seitenwechsel bei 1:6,1:4 zerhackte Zverev nach auch schwacher Performance seinen Schläger mit gleich neun Hieben und ließ eine Menge Frust heraus. “Das hätte ich vielleicht nach dem ersten Satz machen sollen”, meinte Zverev später. Satz drei konnte der Weltranglisten-Vierte dann zwar ausgeglichener gestalten, am Ende war es aber doch eine glatte Drei-Satz-Niederlage.

“Als ich das Match angefangen habe, wusste ich, dass es ein schwerer Tag wird”, sagte Zverev. Es gibt solche Tage einfach, man hat es schon bei Angie gesehen”, verglich der Hamburger seinen Auftritt mit dem glatten Aus seiner Landsfrau Kerber am Vortag, ebenfalls im Achtelfinale, gegen Danielle Collins (USA).

Zverev muss damit weiter auf sein zweites Major-Viertelfinale nach den French Open 2018 (Niederlage gegen Dominic Thiem) warten. “Im Moment bin ich nicht happy, aber ich bin auch nicht deprimiert. Es ist ein Tennismatch und ich habe gelernt, dass (verlorene) Tennismatches nicht das Ende der Welt bedeuten.”

Die Stimmung seines Gegner war naturgemäß weit fröhlicher. Der ehemalige Weltranglisten-Dritte sieht sich wieder nahe seiner früheren Bestform. “”Ich habe unglaublich gespielt, ich habe viele Dinge sehr gut gemacht”, stellte der 28-jährige Raonic fest. “Ich wollte ihn aus dem Gleichgewicht bringen.” Raonic, der nach 1:59 Stunden seinen vierten Matchball verwertete, erreichte zum zweiten Mal das Viertelfinale der Australian Open.

Damit ist Zverev, dem man nach seinem London-Auftritt im November am ehesten zugetraut hätte, die “big three” Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer zu stürzen. Nun sind es andere, noch jüngere Helden wie der 20-jährige Stefanos Tsitsipas, der mit dem Viersatz-Sieg über Federer am Vortag für die erste große Sensation gesorgt hatte. Oder der erst seit Sonntag 21-jährige Frances Tiafoe. Der US-Amerikaner hat am Dienstag in seinem ersten Major-Viertelfinale die Chance, Nadal zu fordern. Gewinnen Nadal und Tsitisipas (gegen Roberto Bautista Agut), dann kommt es im Halbfinale zum Kracher Tsitsipas-Nadal.

Bei den Damen ist die Nummer 4 des Turniers hingegen im Viertelfinale angekommen. Doch auch US-Open-Siegerin Naomi Osaka hatte mit der in Österreich lebenden Lettin Anastasija Sevastova viel Mühe, ehe sie sich mit 4:6,6:3,6:4 durchgesetzt hatte. Die 21-jährige Japanerin zeigte sich inspiriert von den Erfolgen der fast gleich alten Tsitsipas und Tiafoe. “Ich habe die Jungs siegen sehen und auch mir gedacht: ‘wow’. Ich wollte das auch tun”, sagte Osaka.

Ihr blieb auch das Schicksal vieler ihrer Vorgängerinnen erspart: ein frühes Aus beim ersten Major nach dem großen Triumph. “Ein kleiner Teil in mir ist erleichtert. Ich habe abseits von New York noch bei keinem Grand Slam das Viertelfinale erreicht. Das war also definitiv eines meiner Ziele”, sagte Osaka, die es nun mit der als Nummer 6 gesetzten Ukrainerin Elina Switolina zu tun bekommt. Letztere besiegte Madison Keys (USA-17) 6:2,1:6,6:1. Im Viertelfinale steht auch die Nummer 7, Karolina Pliskova. Die Tschechin ließ Ex-Wimbledonsiegerin Garbine Muguruza aus Spanien beim 6:3,6:1 keine Chance.

Der große Schlager im Damen-Turnier folgte erst in der “Nightsession” im Duell der Ex-Nummer-1 Serena Williams gegen die aktuelle Nummer 1, Simona Halep. Pliskova trifft im Viertelfinale auf die Siegerin dieser Begegnung.

Von: APA/dpa