Den Athleten drohen laut Staatsanwalt Mayr bis zu drei Jahre Haft

Doping-Razzia: Hauke und Baldauf nach Geständnis enthaftet

Donnerstag, 28. Februar 2019 | 21:00 Uhr

Max Hauke und Dominik Baldauf haben Eigenblutdoping gestanden und sind auf freien Fuß gesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilte in einer Aussendung am Donnerstag mit, dass die beiden namentlich nicht genannten ÖSV-Skilangläufer und ein kasachischer Sportler am Nachmittag enthaftet worden sind.

Das Trio sowie zwei estnische Langläufer waren am Mittwoch im Zuge einer Anti-Doping-Razzia gegen ein international agierendes Netzwerk im Rahmen der Nordischen Ski-WM in Seefeld in Tirol festgenommen worden. Die beiden ÖSV-Läufer und der Kasache hätten umfangreiche Angaben gemacht, gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Da nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nicht anzunehmen sei, dass die verdächtigen Athleten auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würden, liegen keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor, hieß es. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft ihre Enthaftung angeordnet.

Mehrere österreichische Medien haben am Donnerstagabend ein Video veröffentlicht, das Langläufer Max Hauke mit einer Bluttransfusion im Arm zeigt. Auf der nur einige Sekunde langen Aufnahme ist Hauke auf einem Sofa sitzend mit einer Bluttransfusion im linken Arm zu sehen, im Hintergrund steht ein Polizeibeamter.

Den fünf Sportlern drohen bis zu drei Jahre Haft. Sie könnten wegen des Vergehens des Sportbetrugs angeklagt werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Hansjörg Mayr, im Gespräch mit der APA. Doping selbst sei nach österreichischer Rechtslage nämlich nur strafbar, wenn man es bei jemand anderen anwendet. Wenn man sich als Sportler selbst dopt, sei das nach dem Dopinggesetz nicht strafbar. “Es gibt aber eben das Vergehen des Sportbetrugs”, erklärte Mayr.

Auch sportrechtlich drohen Konsequenzen. Die österreichische Anti-Doping Agentur (NADA) wird als zuständiges Organ demnächst Disziplinarverfahren gegen die unter Blutdopingverdacht stehenden Hauke und Baldauf einleiten, kündigte die NADA auf Anfrage der APA an. Dem Duo droht eine Sperre von vier Jahren. Es könne aber auch sein, dass sie durch die Mitwirkung beim Aufdecken von Hintermännern als Kronzeugen eine Reduktion erhalten.

Die beiden estnischen Athleten sind laut Staatsanwaltschaft noch in Haft. Ihre Vernehmungen seien noch nicht abgeschlossen. Auch die beiden in Seefeld festgenommenen Komplizen des Sportmediziner würden vorerst in Haft bleiben, denn auch bei ihnen seien die Vernehmungen noch nicht abgeschlossen. Am Freitagvormittag soll in diesen vier Fällen über eine mögliche Verhängung der U-Haft entschieden werden.

Gegen den im Zusammenhang mit Doping-Razzien in Erfurt festgenommenen deutschen Sportmediziner ist dagegen ein Haftbefehl erlassen worden. Der Arzt werde nach einem Termin beim Ermittlungsrichter in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht, sagte ein Sprecher des Erfurter Amtsgerichtes am Donnerstag.

Der in Untersuchungshaft sitzende Mediziner Mark S. kooperiert nach Aussage seines Anwalts mit den Ermittlungsbehörden. “Der Haftbefehl gegen unseren Mandanten wird vollzogen. Er wird in die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim verbracht und kooperiert vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut”, zitierte die “Bild” Rechtsanwalt Andreas Kreysa.

Zuvor hatte ein Haftrichter in Erfurt entschieden, den Haftbefehl gegen den Arzt aus Thüringen nicht aufzuheben, sondern “die Haftfortdauer zu bestätigen”, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München mitteilte. Dem verhafteten Mediziner droht eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Sollte dem Arzt und seinen mutmaßlichen Komplizen in der Causa ein gewerbs- oder bandenmäßiges Delikt nachgewiesen werden, sieht das 2015 verabschiedete deutsche Anti-Doping-Gesetz einen Freiheitsentzug von einem bis zu zehn Jahren vor.

In Österreich wurde indes Kritik am Umgang mit der Doping-Causa laut. Der österreichische Anti-Doping-Experte Wilhelm Lilge hält es für unglaubwürdig, dass das enge Betreuungsumfeld von Eigenblut-Doping betreibenden Athleten nichts von den Manipulationen mitbekommt. “Das ist lächerlich, die Leute werden für blöd verkauft. Es ist undenkbar, dass Trainer, die immer dabei waren, nichts mitbekommen haben”, sagte Lilge der APA – Austria Presse Agentur. Die abrupte Leistungssteigerung von Eigenblutdoping sei so signifikant, dass Betreuer das registrieren müssten.

Von: apa