Wiggins in Bedrängnis

Englisches Parlament erhob schwere Vorwürfe gegen Wiggins

Montag, 05. März 2018 | 20:28 Uhr

Der fünffache Radsport-Olympiasieger Bradley Wiggins soll nach einem britischen Parlamentsbericht eine leistungssteigernde Substanz dazu genutzt haben, die Tour de France 2012 zu gewinnen. Damit habe er zwar nicht gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen, wohl aber gegen die Prinzipien seines Rennstalls Sky, heißt es in dem am Montag in London veröffentlichten Bericht über den Kampf gegen Doping.

Der heute 37-jährige Brite hatte vor der Tour 2012 eine Ausnahmegenehmigung erhalten, wegen schweren Asthmas das Mittel Triamcinolon einzunehmen. Wiggins habe die Genehmigung jedoch dazu missbraucht, den Arzneistoff zur Steigerung seiner Leistungsfähigkeit bei der Tour de France einzusetzen, schreiben die Parlamentarier in ihrem Bericht. Möglicherweise hätten auch andere Profis aus dem Team Sky, die Wiggins bei der Tour unterstützten, das Mittel genommen – und zwar in der Vorbereitung auf die Rundfahrt.

Sky und Wiggins wiesen die Vorwürfe in schriftlichen Stellungnahmen scharf zurück. Wiggins war 2012 der erste Brite in der Geschichte der Tour de France, der das Etappenrennen gewann.

Das Arzneimittel Triamcinolon wird normalerweise dazu genutzt, diverse Allergien, entzündliche und rheumatische Erkrankungen zu behandeln. “(Im Fall Wiggins) war der Zweck nicht eine Behandlung aus medizinischer Notwendigkeit, sondern seine gewichtsbezogene Leistung vor dem Rennen zu verbessern”, heißt es in dem Bericht. “Dies bedeutet keinen Verstoß gegen die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA)”, räumten die Parlamentarier ein. “Aber damit wurde eine ethische Grenzlinie überschritten, die (der Teamchef) David Brailsford für die Profis des Teams Sky selbst gezogen hatte.”

Wiggins betonte, die Erhebung der Anschuldigungen sei traurig. “Menschen können beschuldigt werden, Dinge getan zu haben, die sie nie getan haben und die dann als Tatsachen betrachtet werden”, twitterte der Brite. “Ich weise die Behauptung entschieden zurück, jegliches Medikament ohne medizinische Notwendigkeit eingenommen zu haben.”

“Zu keiner Zeit in meiner Karriere habe wir die ethische Linie überschritten”, betonte Wiggins. Er weise die böswilligen Anschuldigungen auf das Entschiedenste zurück, betonte der Ex-Profi und sprach von einer “Hexenjagd” auf seine Person. Die Ausnahmegenehmigungen seien medizinisch begründet gewesen. Auf die Frage, ob er bestätigen könne, dass er nicht betrogen habe, antwortete er: “100 Prozent.”

Der Bericht “Dopingbekämpfung im Sport” des Sonderausschusses des Ministeriums für Digitales, Kultur, Medien und Sport befasste sich mit dem Einsatz von leistungssteigernden Mitteln in allen Sportarten. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Radsport und Wiggins.

Neben dem Gewinn der Tour de France ist Wiggins mit acht Medaillen, davon fünf in Gold, der erfolgreichste britische Olympionike. Der Ausschuss empfahl der WADA in ihrem Bericht, die Verwendung von Kortikosteroiden (Steroidhormone sowie chemisch vergleichbare synthetische Stoffe) und des Schmerzmittels Tramadol vollständig zu verbieten.

Von: APA/dpa/ag.