ÖSV-Sportdirektor Toni Giger bestätigte die Angaben

Erster Corona-Fall im ÖSV im Rahmen von Trainingstestungen

Freitag, 15. Mai 2020 | 15:24 Uhr

Im Österreichischen Skiverband (ÖSV) gibt es den ersten bestätigten positiven Corona-Fall. Betroffen ist ein Alpinski-Athlet aus der zweiten Abfahrts-Gruppe. Dem Sportler gehe es aber gut. Er musste in Quarantäne, brauche aber keine besondere Behandlung, sagte ÖSV-Sportdirektor Toni Giger am Freitag zu APA. Es wurde geprüft, mit wem dem der Sportler Kontakt hatte.

Der Test entstand wie derzeit üblich noch vor der Abreise des Abfahrers mit Weltcuperfahrung zum ersten Schneekurs in Tirol. “Er hätte selbst nicht gedacht, dass er erkrankt ist. Unser System greift also”, sagte Giger. Gruppenmitglieder, mit denen der betroffene Sportler Kontakt gehabt hatte, würde man vorsichtshalber auch nicht gleich zum Kurs anreisen lassen. Selbst bei einem negativen Test.

Angesteckt haben könnte sich der Athlet in einem privaten Trainingszentrum. Vom Portal oe24.at wurde das Therapie- und Trainingszentrum des ehemaligen Hirscher-Fitmachers Gernot Schweizer genannt. “Ich habe meine Praxis mit sofortiger Wirkung geschlossen. Aus moralischen Gründen. Um mich und meine Mitarbeiter zu schützen. Ich lasse jetzt alle Mitarbeiter testen”, zitierte oe24 Schweizer. Auch das Gesundheitsamt sei eingeschalten worden.

Für Giger ist der Fall ein Beleg für die Effizienz des ÖSV-Sicherheitskonzeptes, unter dem die Sportler seit einigen Wochen auf diversen Gletschern trainieren. “Wir testen jeden Aktiven vor dem ersten Trainingskurs. In diesem Fall hat sich das bewährt. Es waren nahezu keine Symptome da, trotzdem haben unsere zu Hause vorgenommenen Routinetests verhindert, dass ein erkrankter Athlet auf einen Schneekurs fährt und dort Covid-19 streut und es von dort weitergegeben wird. Es hat sich bewährt, dass wir von Anbeginn sehr vorsichtig waren”, sagte Giger.

Personenbezogene Daten würden natürlich nicht weitergeben werden. “Wir werden genau recherchieren, zu wem er Kontakt hatte. Betroffene Teamkollegen dürfen ebenfalls nicht zum Schneetraining anreisen.” Der ÖSV trainiert derzeit im Kaunertal und in Sölden. Giger: “Wir gehen weiterhin sehr vorsichtig mit der Sache um.”

Der Aufwand dafür ist groß, umfasst der Tross doch über 200 Personen. Man hat im ÖSV mit einem Kleingruppenkonzept reagiert, in denen die Kontakte auf ein Minimum gehalten werden. “Damit verhindern wir, dass bei einem positiven Fall das ganze Training gesperrt werden muss.” Erst wenn der medizinische Leiter Dr. Wolfgang Schobersberger sein Okay gebe, dürften betroffene Athleten wieder anreisen.

Wirklich überrascht hat Giger der positive Corona-Fall nicht. “Wir haben knapp tausend Leute und testen seit fast einem Monat. Rein statistisch musste man also fast damit rechnen.” Man werde selbst mit dem aktuellen System positive Fälle nicht vermeiden können. “Wir können aber durch verantwortungsvolles Vorgehen die Möglichkeit zu weiteren Ansteckungen möglichst klein halten.”

Grundsätzlich sei der Skisport aber ohnehin in einer günstigen Situation, so Giger. “Wir sind im Freien und direkte Kontakte zwischen Aktiven, Trainern und Servicepersonal sind nicht unbedingt notwendig.”

Die Unsicherheiten bezüglich der kommenden Weltcup-Saison samt WM in Cortina d’Ampezzo dürfen laut Giger beim aktuellen Sommertraining keine Rolle spielen. “Wir haben ohnehin etwas aufzuholen, weil unsere Alpinsaison nicht so war, wie wir uns das vorgestellt haben. Wenn man besser werden will muss man trainieren. Und das tun wir jetzt.”

Eine Ansteckung des Athleten in seiner Salzburger Praxis sei äußerst unwahrscheinlich, betonte Schweizer. Er habe seine Praxis mehrere Wochen und bis zum 4. Mai freiwillig geschlossen gehalten und habe dies nach dem Erhalt der Information über den positiven Corona-Fall sofort wieder getan. Alle sofort gemachten Tests seien negativ gewesen. “Bei uns ist das Virus nicht weitergegeben worden.”

Man habe seit Corona die Gäste auch dahin gehend professionell betreut, als es FFP2-Masken gegeben hätte und man durch Umbauten perfekte Hygiene-Situationen geschaffen habe. Etwa mittels abwaschbarer Wände oder Außenbereiche für das Training, so Schweizer. Nach Bekanntwerden des positiven Testergebisses habe er nun sein Institut sofort wieder zugemacht und damit verantwortlich gehandelt. Zudem wurden noch am Donnerstag alle Mitarbeiter und die Familie auf Privatkosten getestet. “Alle negativ”, sagte Schweizer am Freitag zur APA. “Das ganze ist ein riesen Imageschaden.”

Trotzdem bestehe nun eine gewisse Unsicherheit, ob man am kommenden Montag wieder arbeiten könne. Von der Corona-Hotline 1450 sei keine hilfreiche Info dazu gekommen. Das Gesundheitsamt erlaube zwar das Weiterarbeiten ausdrücklich, es gäbe aber Bedenken von Hausärzten. “Keine Angriffe meinerseits an irgendwelche Behörden. Wir sind alle das erste Mal in der Corona-Situation und haben deshalb Schwierigkeiten, das Richtige zu tun”, sagte Schweizer. “Aber es sollte eine klarere Richtlinie für Unternehmer geben.”

Von: apa

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