Ogar und Vadlau haben keine Angst vor Herausforderung

“Erwarte das Unerwartete” im Segelrevier in Rio

Mittwoch, 03. August 2016 | 12:09 Uhr

“Wir sagen immer, erwarte das Unerwartete.” Mit dieser Einstellung will 470er-Steuerfrau Lara Vadlau in die olympische Segelregatta in Rio gehen. Größte Herausforderung ist das Revier, das als eines der anspruchsvollsten aller Zeiten gilt. “Jeder Kurs ist unterschiedlich, was Wellen, Strömung, Wasser, Farbe des Wassers und Wind betrifft. Das ist wie jedes Mal ein neues Land.”

Angst vor der Herausforderung auf den insgesamt sieben Kursen inner- und außerhalb der Guanabara-Bucht haben die zweifachen Ex-Weltmeisterinnen, aktuellen WM-Bronzemedaillengewinnerinnen sowie Europameisterinnen nicht, wie Vorschoterin Jolanta Ogar versicherte. “Ein wunderbares Revier, weil es sehr komplex ist. Für hier musst du bei allen Windverhältnissen gut sein. Es ist superhart zu segeln, aber wirklich eine große Herausforderung.” Wer in Rio die Goldmedaille gewinnen werde, sei ein komplexer, ein großartiger Segler. “Wir können neue Situationen schnell erfassen, ich mag Rio.”

49er-Steuermann Nico Delle Karth sprach davon, dass es ein “großer Brocken” gewesen sei, sich einen Überblick und Verständnis für die Bucht zu verschaffen. Zahlreiche Trainingslager waren dafür notwendig. “Das bedeutet nicht, dass wir immer wissen, wo es geht, aber dass wir uns sehr wenig überraschen lassen. Wenn die Verhältnisse so ähnlich bleiben und kein großes Naturphänomen auftritt, sind wir bestens vorbereitet”, sagte der Tiroler zur APA – Austria Presse Agentur.

In so einer Bucht sei man noch nie gesegelt, sie sei sehr einzigartig. “Alles zu begreifen und zu wissen, was da passiert, hat sicher eineinhalb bis zwei Jahre gedauert für die Wissenschafter und uns. Sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis.”

Die Regattabahnen außerhalb hätten allerdings ihre Eigenheiten wie andere auch, aber es sei nichts “total Bahnbrechendes” dabei. Sollte es Regenfälle geben und die Verschmutzung innerhalb der Bucht durch angeschwemmten Müll zu groß sein, werden alle Wettfahrten nach außen verlegt. “Das würde bedeuten, dass sehr viel Arbeit von uns umsonst war”, erläuterte Delle Karth.

Auch 470er-Vorschoter Florian Reichstädter meinte, dass man die Kurse “innen und draußen nicht miteinander vergleichen” könne. “Weymouth war schon wirklich speziell und auch China mit der Strömung, Athen und Barcelona wirken dagegen verhältnismäßig relativ simpel. Aber Rio setzt noch mal eines drauf. Draußen am Ozean kannst du zwei Meter hohe Wellen haben, in der Bucht kommt es auf die Strömung an”, erläuterte Steuermann Matthias Schmid.

Die Bucht liege hinter dem Zuckerhut, der fast vierhundert Meter hohe Berg sorge für teilweise “chaotische” Windverhältnisse. “Es gibt insgesamt sieben verschiedene Kurse, und jeder ist eine andere Welt, funktioniert anders und hat seine eigenen Regeln. Da musst du viel Zeit verbringen, damit du das alles verstehst.”

Wichtig war deshalb die Herangehensweise an die Aufgabe. “Wir versuchen Muster zu erkennen. Das was jeder Mensch sein ganzes Leben macht. Wenn du am Gürtel zu einer bestimmten Uhrzeit mit dem Auto fährst und die rechte Spur nicht läuft, fährst du lieber nach links. Umso öfter du wo fährst, umso besser wirst du wahrscheinlich durchkommen. Obwohl es nach Zufall wirkt, hat vieles doch irgendwo manchmal gewisse Regeln.”

Notwendig sei deshalb auch der Erfahrungsaustausch unter allen vier Bootsbesatzungen gewesen, sowie die Arbeit im Meteorologie- und Strömungsbereich. “Es kann sein, dass du drei oder vier Wettfahrten null Infos rausholst, und dann hast du eine, da bekommst du eine Information, die dir dann die entscheidenden Punkte bringt. Es geht mehr darum, die Chancen zu erhöhen, denn echte Fakten hast du wenige. Aber dass du weißt, wenn eine Wolke kommt, kannst du in die Ecke nicht mehr fahren, weil du dort verreckst”, sagte Schmid und meinte damit, dass dort kein Weiterkommen mehr sei. Aber es könne natürlich immer alles anders sein, weil die Natur trotzdem mache, was sie wolle.

Dem pflichtete auch Thomas Zajac bei. “Man glaubt immer, man ist schon alles gesegelt, was es hier gibt, dann passiert es doch immer wieder, dass ein, zwei Tage extrem aus der Regel fallen. Du musst sehr flexibel und sehr offen sein”, weiß der Steuermann des Nacra 17. “Es ist spannend. Es gibt Reviere, wo um Punkt 13.00 Uhr der Wind aus einer bestimmten Richtung da ist. Das ist in Rio nicht so.”

Im brasilianischen Winter komme dazu, dass es weniger Sonnenstunden gäbe, und die Sonne sehr wichtig sei, weil sie oft den thermischen Wind aufbaue. “Zwischen Mai und September sind ähnliche Bedingungen, das waren auch unsere Haupttrainingszeiten hier.” Fakt ist: “Man muss mit allem rechnen.”

Von: apa

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