Neue Aufgabe für Trainer Ralph Hasenhüttl

Ex-Leipzig-Coach Hasenhüttl heuerte bei Southampton an

Mittwoch, 05. Dezember 2018 | 14:22 Uhr

Ralph Hasenhüttl soll die “Heiligen” aus Südengland in der Premier League wieder in Form bringen. Der Steirer unterschrieb am Mittwoch einen Vertrag als Trainer des englischen Fußball-Erstligisten Southampton. Hasenhüttl avanciert damit zum ersten Österreicher, der einen Club aus der Premier League betreut. Der ehemalige Teamstürmer unterschrieb einen Vertrag über zweieinhalb Jahre bis 2021.

Über die Personalie Hasenhüttl herrschte schon am Tag davor so etwas wie Klarheit. Dass der 51-Jährige bei Southampton dem zu Wochenbeginn beurlaubten Mark Hughes nachfolgen soll, schien ausgemachte Sache. So unterrichtete Liverpools Jürgen Klopp die englischen Journalisten am Dienstag bereits in der richtigen Aussprache des Nachnamens seines Amtskollegen.

Southampton holte unter Hughes zuletzt nur einen Sieg in 14 Ligaspielen. In der Tabelle lagen die abstiegsbedrohten “Saints” vor dem Gastspiel bei Tottenham am Mittwochabend nur auf Platz 18. Im Wembley-Stadion wird Hasenhüttl auf der Tribüne sitzen, die Mannschaft noch interimistisch von Assistenzcoach Kelvin Davis betreut. Seinen ersten Einsatz an der Seitenlinie hat Hasenhüttl am Samstag erneut auswärts bei Cardiff City. Eine Woche später steht das Spiel gegen Arsenal (16.12.) im heimischen St. Mary’s Stadium auf dem Programm.

“Er ist ein guter Typ. Er lässt einen sehr lebendigen, aggressiven Fußball spielen”, meinte Klopp über Hasenhüttl. Der “Alpen-Klopp” soll bei Southampton schon seit längerem auf der Liste potenzieller Kandidaten für den Trainerjob gestanden haben. Dies machten auch die Statements des Vorstandsvorsitzenden Ralph Krueger deutlich. “Wir kennen Ralph seit seiner Zeit beim FC Ingolstadt, wo er Qualitäten gezeigt hat, die wir beim Club brauchen. Er hat diese Eigenschaften seither mit einer Erfolgsbilanz in der Bundesliga weiterentwickelt”, sagte Krueger.

Der Deutsch-Kanadier ist in Österreich vor allem aufgrund seiner Tätigkeit auf dem Eis bekannt. Krueger war Trainer der VEU Feldkirch (Sieg European Hockey League 1998) und danach auch als Schweizer Eishockey-Teamchef tätig. Zu Southampton holte ihn die damalige Schweizer Clubbesitzerin Katharina Liebherr. Seit dem Vorjahr steht der 1885 gegründete Verein in chinesischem Besitz. Größter Erfolg des Clubs war der Sieg im FA-Cup im Jahr 1976. In der Saison 1983/84 war Southampton in der damaligen First Division Vizemeister.

Hasenhüttl wird am Donnerstag seine erste Trainingseinheit bei seinem neuen Arbeitgeber leiten und sich auch erstmals den Medien stellen. Krueger war voll des Lobes. “Dieser Trainerwechsel gibt uns die Möglichkeit eines Neustarts. Ralph hat sich sehr schnell als idealer Kandidat herauskristallisiert”, sagte er. Es seien schnelle und reibungslose Verhandlungen gewesen. Hasenhüttl hatte in der Vergangenheit mehrmals betont, dass ihn die Premier League als Karrierestation reize. “Sein Hunger nach einem neuen, fordernden Job in der Premier League war offensichtlich”, berichtete Krueger. Hasenhüttl ist in Southampton schon der vierte Cheftrainer in zwei Jahren, seit Ronald Koeman 2016 den Club in Richtung Everton verlassen hat.

Vom gebürtigen Grazer wird in der 250.000 Einwohner zählenden Hafenstadt erwartet, dass er Talente entwickeln kann. Southampton vertraut auf den eigenen Nachwuchs, so begann auch Weltstar Gareth Bale seine Profikarriere bei den Saints. Kurzfristig muss Hasenhüttl den Weg aus der Abstiegszone finden. Schon die Vorsaison beendete Southampton nur auf Rang 17. In den vier Jahren davor war der Club immer in den Top Acht zu finden und hatte sich zweimal für einen Startplatz in der Europa League qualifiziert. Schlagzeilen lieferte man im Sommer des Vorjahres, als der niederländische Verteidiger Virgil van Dijk um 85 Mio. Euro zu Liverpool wechselte.

Hasenhüttl absolvierte seine letzte Karrierestation als Spieler bei den Amateuren des FC Bayern München. Danach arbeitete sich der Steirer als Betreuer kontinuierlich nach oben. Von der SpVgg Unterhaching ging es zu VfR Aalen (Aufstieg 2. Liga), danach zum FC Ingolstadt (Aufstieg Bundesliga 2015) und im Sommer 2016 zu RB Leipzig (Vizemeister 2017). Der Red-Bull-Club und Hasenhüttl gingen im Mai diesen Jahres nach unterschiedlichen Auffassungen bei der Vertragsverlängerung getrennte Wege.

Hasenhüttl erweitert damit Österreichs Trainerriege im Fußball-Ausland. Der Steirer ist einer von sechs heimischen Coaches bei einem Erstligisten außerhalb der rot-weiß-roten Grenzen. Dazu kommt noch Andreas Herzog, der seit August Israels Nationalteam betreut.

Hasenhüttl ist nicht nur der jüngste “Neuzugang” in der einschlägigsten Liste, sondern dank des Vizemeistertitels mit RB Leipzig 2016/17 auch der wohl erfolgreichste. Über die meiste Erfahrung im Oberhaus einer ausländischen Liga verfügt Michael Petrovic. Der 61-jährige gebürtige Serbe, der acht Jahre lang für Sturm Graz kickte, ist seit 2006 abgesehen von einer Saison in der zweiten Spielklasse in Japans Topliga tätig.

Den aktuell namhaftesten Job neben Herzog und Hasenhüttl hat Adi Hütter, der nach seinem Schweizer Meistertitel mit den Young Boys Bern seit Sommer bei Eintracht Frankfurt werkt und derzeit auf Europacupkurs liegt. Weiters sind die ehemaligen Rapid-Trainer Damir Canadi (Atromitos Athen) und Zoran Barisic (Olimpija Ljubljana) außerhalb der Landesgrenzen tätig. Sechster im Bunde ist der ehemalige Ried-Coach Lassaad Chabbi. Der gebürtige Tunesier arbeitet seit Sommer beim thailändischen Verein Ratchaburi.

Mit Ausnahme Chabbis verfügen alle der Genannten als Spieler über Erfahrung in der österreichischen Bundesliga. Von den gebürtigen Österreichern absolvierte nur Canadi kein A-Auswahlspiel, Herzog, Hütter und Hasenhüttl kickten zudem im Ausland.

Von: apa

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