Baric holte in Österreich sieben Meister-Titel

Ex-Teamchef Otto Baric mit 88 Jahren in Zagreb verstorben

Sonntag, 13. Dezember 2020 | 22:34 Uhr

Rund 30 Jahre hat Otto Baric Österreichs Fußballszene geprägt. Mit Erfolgen, Charisma und legendären Sagern. “Otto Maximale”, benannt nach seiner inflationären Verwendung des Superlativs, wurde mit drei verschiedenen Teams im heimischen Oberhaus siebenmal Meister und stand mit Rapid (1985) und Austria Salzburg (1994) auch zweimal im Finale von Europacupwettbewerben. Am Samstag ist der Kroate im Alter von 88 Jahren in Zagreb gestorben.

Gemäß kroatischen Medienberichten starb Baric in einem Krankenhaus in der Hauptstadt an den Folgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus. ÖFB-Präsident Leo Windtner würdigte den Ex-Teamchef: “Otto Baric war über viele Jahre für ganz Österreich eine regelrechte Leitfigur des Fußballs.” Er erinnerte an die Europacup-Finalspiele: “Sie werden genauso unvergessen bleiben wie seine unverwechselbare und mitreißende Art. Otto Baric hat sein Ära geprägt und unglaublich viel für den österreichischen Fußball geleistet – auf Vereinsebene und beim Nationalteam. Er nimmt einen Ehrenplatz in der heimischen Fußballgeschichte ein.”

Auch Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler würdigte Baric. “Viermal standen österreichische Fußballvereine im Finale eines Europacupbewerbes, zweimal saß Otto Baric auf deren Trainerbank – und später auch auf jener des österreichischen Nationalteams. Mit Otto Baric ist ein Großer des Fußballs abgetreten. Mein aufrichtiges Mitgefühl an seine Familie und seine Fans. R.I.P. Otto Maximale”, verlautete Kogler auf Twitter.

Baric, geboren als Gastarbeiterkind im Kärntner Eisenkappel, aufgewachsen aber in Zagreb, blieben als Aktivem größere Erfolge versagt. Als Trainer sollte er das mehr als nachholen. 1970 tauchte der Kroate erstmals in Österreich auf, wurde wenig später mit Wacker Innsbruck Meister. Das war der Start zu einer vielbeachteten Laufbahn in der heimischen Bundesliga, die durch Gastspiele in Kroatien, Deutschland und der Türkei unterbrochen wurde und deren letzte Höhepunkte die grandiosen Europacuperfolge mit Austria Salzburg waren.

Unvergessen bleiben mit den Salzburgern das Vordringen ins UEFA-Cup-Finale 1994 gegen Inter Mailand, die auf dem Wege dorthin gegen Eintracht Frankfurt und Karlsruhe beendete “schwarze” Europacupserie österreichischer Vereine gegen DFB-Clubs (nach 17 vergeblichen Anläufen), die Leistungen in der Champions League 1994/95, in der dem späteren Triumphator Ajax Amsterdam zwei Remis abgetrotzt wurden und in der man erst im letzten Gruppenspiel vom AC Milan am Einzug ins Viertelfinale gehindert wurde.

Mit Rapid hatte Baric schon 1985 das Europacup-Endspiel der Cupsieger in Rotterdam gegen Everton (1:3) erreicht. Auf seiner Erfolgs-Visitenkarte in Österreich stehen mit Wacker Innsbruck (1971, 1972), Rapid (1983, 1987, 1988) und Salzburg (1994, 1995) sieben Meistertitel sowie zwei Doubles und vier Cupsiege (alle mit Rapid). Beim LASK hatte Baric dagegen kein Glück. 1974 entließ ihn Präsident Rudolf Trauner, im Jänner 1999 zog er nach der Verhaftung von Clubboss Wolfgang Rieger selbst die Reißleine.

1999 setzte auch das ÖFB-Team auf die Qualitäten Barics, der Erfolg blieb aber aus. Nach 22 Partien und der verpassten WM-Qualifikation machte er Platz für Hans Krankl und übernahm – zum letzten Mal in Österreich – 2002 noch einmal im Frühjahr die Salzburger Austria. Besser lief es mit seinem Heimatland, das er immerhin zur EM 2004 führte, dort allerdings in der Gruppenphase ausschied. Sein finales Trainerengagement hatte Baric 2006 und 2007 mit der albanischen Nationalmannschaft.

Den österreichischen Fans wird Baric nicht zuletzt wegen seiner Interviews in Erinnerung bleiben. Er war nicht nur Fußballexperte, sondern auch Selbstvermarkter. Sein fast schon liebevoll gepflegtes “maximal” (“Ich brauche maximal willige und maximal ehrgeizige Nationalspieler”) gerät zwar langsam in Vergessenheit, wurde in Achtziger- und Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts unter heimischen Fans aber zum geflügelten Wort.

Meinungsstark blieb Baric auch nach seinem Rückzug ins Privatleben, dem Fußball blieb er als gern gesehener und gehörter Gast in den kroatischen, aber auch österreichischen Medien treu. Nicht immer trafen seine markigen Kommentare freilich den Nerv der Zeit. Die diskriminierende Bemerkung in einer kroatischen Zeitschrift, er wolle keine Homosexuellen in seiner Mannschaft, brachte ihm 2007 eine Geldstrafe ein.

Von: apa