Für Löw ist die Ausgangslage nahezu ideal

Favoriten proben drei Monate vor WM-Auftakt den Ernstfall

Donnerstag, 22. März 2018 | 12:47 Uhr

Weniger als drei Monate vor dem Startschuss in die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland bieten sich für Turnierfavoriten und Außenseiter nur noch wenige Testläufe für den Ernstfall. Zwei Testspiele noch, dann müssen die vorläufigen WM-Kader benannt werden. In vielen hochkarätigen Duellen dieser Tage erhoffen sich die Nationaltrainer die vielleicht letzten Erkenntnisse für ihre Personalauswahl.

Gastgeber Russland gegen Rekordweltmeister Brasilien, Champion Deutschland gegen Spanien oder Argentinien gegen das nicht an der WM teilnehmende Italien stehen am Freitag auf dem Programm. Bei Europameister Portugal gegen Ägypten kommt es ebenso zu einem Duell zweier WM-Teilnehmer wie bei Frankreich gegen Kolumbien, Polen gegen Nigeria oder Marokko gegen Serbien. England gastiert zum Härtetest in den Niederlanden. In der Nacht auf Samstag sind bei Testspielen in den USA dann Peru und Mexiko gegen Kroatien bzw. Island im Einsatz.

Für Joachim Löw ist die Ausgangslage im Jahr der Titelverteidigung nahezu ideal. Von den Leistungsträgern fehlt nur der seit längerem verletzte Kapitän Manuel Neuer, auf der Torhüterposition hat der Bundestrainer mit Marc-Andre ter Stegen aber zuverlässigen Ersatz. Auf Mario Götze, entscheidender Torschütze im Finale 2014, verzichtet Löw bei der letzten Sichtung vor der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders am 15. Mai.

Nach dem Spiel gegen Spanien in Düsseldorf (20.45 Uhr/live ARD) wartet am Dienstag in Berlin gegen Brasilien der nächste Kracher. Das Doppel soll laut DFB-Präsident Reinhard Grindel “eine Standortbestimmung sein”. Im deutschen Team will man außerdem einen Rekord aufstellen. Aktuell erlebt der Weltmeister die längste Erfolgsserie in der zwölfjährigen Cheftrainer-Amtszeit von Löw. Seit 21 Spielen ist Deutschland bei 16 Siegen ungeschlagen, die Bestmarke liegt bei 23 Länderspielen ohne Niederlage unter Jupp Derwall (1978 bis 1980).

Ex-Weltmeister Spanien treibt den Umbruch voran und will gegen Deutschland und vier Tage später in Madrid gegen Argentinien zeigen, dass mit der “Roja” in Russland zu rechnen ist. Der ebenfalls erfolgsverwöhnte Teamchef Julen Lopetegui setzt zwar weiter auf Routiniers wie Andres Iniesta, Sergio Ramos, Gerard Pique und David Silva, doch Jüngere wie Chelsea-Verteidiger Marcos Alonso drängen nach. Wieder mit dabei ist Atletico-Stürmer Diego Costa. Lopetegui erklärte, dass sich auch andere Spieler eine Einberufung verdient hätten. Die Tür sei weiterhin offen.

Brasiliens Erfolgscoach heißt Tite. Als der 56-Jährige die “Selecao” im Juni 2016 übernahm, stand die Mannschaft in der WM-Qualifikation auf dem sechsten Platz. Es folgten neun Siege in Folge und letztlich die souveräne Qualifikation. Von bisher 21 Partien unter Tite ging nur eine verloren – ein 0:1 im Test gegen Argentinien im Juni 2017. Auf Russlands Teamchef Stanislaw Tschertschessow wartet in Moskau demnach ein Gradmesser, auch wenn der fünffache Weltmeister auf seinen verletzten Superstar Neymar verzichten muss. Tite will nach den anstehenden Spielen sein vorläufiges WM-Aufgebot nennen.

Englands Gareth Southgate tüftelt noch an seiner Auswahl. Die Tests gegen die Niederlande in Amsterdam und Italien am Dienstag im Londoner Wembley-Stadion sollen beispielsweise Erkenntnisse auf der Torhüterposition bringen. Vier Kandidaten hat Southgate eingeladen, darunter den Neuling Nick Pope vom FC Burnley. Auch die bisherige Nummer eins, Joe Hart, ist dabei. Im Angriff müssen die “Three Lions” verletzungsbedingt auf Tottenham-Star Harry Kane (Knöchel) verzichten. Der Torschützenkönig der Premier League gilt in Russland als gesetzt.

Southgate gab offen zu, was für ihn eines der größten Probleme ist. “Wir haben nicht so viele englische Spieler, von denen wir glauben, dass sie auf dem benötigten Level sind. Also habe ich versucht, Spieler auszuwählen, von denen wir denken, dass sie das nötige Level erreichen können.” Formstarke Akteure wie Pope, James Tarkowski (Burnley) oder Alfie Mawson (Swansea) sind demnach gefragt. Mit Blick auf seine Kaderplanung sagte Southgate: “Ich sehe Anzeichen von Verbesserung, und das ist das Wichtigste.”

Argentinien schaffte die Qualifikation für Russland nur mühsam. Für den Vizeweltmeister um Superstar Lionel Messi gilt es deshalb umso mehr, sich als gefürchtetes Team zu präsentieren. Mit Italien wartet in der Heimstätte von Manchester City ein Gegner, der beweisen will, eigentlich WM-reif zu sein. Für Argentiniens Teamchef Jorge Sampaoli steht der WM-Kader “zu 80 Prozent”. Wieder mit dabei ist Juventus-Torjäger Gonzalo Higuain. Es fehlt dessen Clubkollege Paulo Dybala, auf Mauro Icardi von Inter Mailand verzichtete Sampaoli ebenfalls.

Von: APA/dpa