"Die FIFA ist kein deutsch-schweizer Verein", so Infantino

FIFA-Chef Infantino wehrte sich gegen “FIFA-Bashing”

Donnerstag, 11. Mai 2017 | 13:58 Uhr

Mit scharfen Worten hat FIFA-Präsident Gianni Infantino einen angeblich unfairen Umgang mit dem Fußball-Weltverband und seiner Person beklagt. Vor der umstrittenen Neubesetzung der Ethikkommission beklagte Infantino beim Kongress in Manama, es gebe “viele Fake News und alternative Fakten” rund um die FIFA. “In gewissen Ländern ist dieses FIFA-Bashing zum Volkssport geworden”, sagte der Schweizer.

Infantino wies darauf hin, dass man eine Organisation übernommen habe, die auf dem Tiefpunkt gewesen sei. “Wir sind dabei, den Ruf der FIFA neu aufzubauen. Die neue FIFA ist eine Demokratie, keine Diktatur”, ergänzte er beim 67. FIFA-Kongress am Donnerstag in Bahrains Hauptstadt.

Zuletzt hatte es deutliche Kritik an der Entscheidung gegeben, den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert und den Schweizer Chef-Ermittler Cornel Borbely als Spitzen der FIFA-Ethikkommission abzusetzen. Mit großer Mehrheit von 97 Prozent wurden nun die Kolumbianerin Maria Claudia Rojas als neue Chef-Ermittlerin und der ehemalige Präsident des Europäischen Gerichtshofes, Vassilios Skouris aus Griechenland, als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer vom Kongress bestätigt.

“Alle Regionen” sollten vertreten sein, begründete Infantino die zahlreichen Änderungen in den Gremien. Zuvor sagte er in deutscher Sprache in seiner Rede: “Die FIFA ist kein deutsch-schweizer Verein.” Der ebenfalls renommierte Portugiese Luis Miguel Poiares Maduro wurde als Chef der Governance Kommission abgesetzt und durch den Inder Justice Mukul Mudgal ersetzt.

Bei der Absetzung der FIFA-Ethikchefs könnte es zu einem Verstoß gegen die Statuten des Weltverbands gekommen sein. Die personelle Liste für die Besetzung der Kommissionen habe nicht wie in Paragraf 27 vorgesehen vier Monate vor der Wahl der FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura vorgelegen, bestätigten FIFA-nahe Quellen.

Dies wird damit begründet, dass es damals nicht ausreichend Personalvorschläge durch die Konföderationen gegeben hätte. Die Kongress-Entscheidung könnte nach Ansicht von Experten angefochten werden. Die FIFA betonte aber, dass es sich bei dem Zeitraum von vier Monaten nicht um eine Frist handle. Vielmehr solle genug Zeit gegeben werden, um beispielsweise Integritäts-Checks durchzuführen.

Ohne Namen zu nennen, lehnte Infantino öffentliche Ratschläge früherer Verantwortlicher für gute Unternehmensführung ab. “Wo sind all die selbst ernannten Good-Governance-Experten, sie sind alle kläglich gescheitert”, sagte der 47-Jährige. Die FIFA werde von diesen Personen “keine Good-Governance-Lektionen” annehmen. Zuletzt hatte beispielsweise Mark Pieth, früherer Governance-Beauftragter der FIFA, Infantino in der “FAZ” kritisiert und “eine autokratische Machtergreifung” durch den Schweizer beklagt.

In einer weiteren Abstimmung mit klarer Zustimmung wurde der Zeitplan für die Vergabe der WM 2026 beschlossen. Der Zuschlag für das erste Turnier mit 48 Teilnehmern soll zwei Jahre früher als geplant bereits im kommenden Jahr erfolgen. Potenzielle Kontrahenten der gemeinsamen Bewerbung der USA, Kanada und Mexiko haben drei Monate Zeit für eine Kandidatur, entschied der Kongress. Verbände aus Europa und Asien sind als Gastgeber wegen der WM 2018 in Russland und 2022 in Katar ausgeschlossen.

Verschoben wurde eine Entscheidung in der Dauer-Auseinandersetzung um die Rechte israelischer und palästinensischer Fußballer. Statt des Kongresses soll nun das FIFA-Council bis März 2018 eine Lösung in dem vielschichtigen Konflikt finden. Infantino betonte jedoch, dass bereits im Oktober dieses Jahres eine Entscheidung angestrebt wird.

Beide Parteien beschuldigen sich gegenseitig, die Entwicklung des Fußballs der anderen Seite zu behindern. Entgegen den FIFA-Statuten trainieren die israelischen Clubs in palästinensischen Gebieten. “Es kann nicht sein, dass es noch einmal verschoben wird. Das ist illegal”, sagte Palästinas Verbandspräsident Dschibril Radschub in einer emotionalen Rede. Sein israelischer Kollege Ofer Eini erklärte, dass er ein “Friedensspiel” zwischen beiden Teams vorgeschlagen habe.

Der Konflikt war bereits das fünfte Mal Thema beim FIFA-Kongress. Noch unter dem mittlerweile gesperrten Ex-Präsidenten Joseph Blatter war eine Task Force unter Vorsitz des Südafrikaners Tokyo Sexwale gegründet worden.

Von: APA/dpa