Siebenter Melbourne-Titel für Djokovic

Finale in Melbourne war “Spaziergang” für Djokovic

Sonntag, 27. Januar 2019 | 15:58 Uhr

Duell der Giganten, episches Finale, viele Stunden Weltklasse-Tennis. Die Erwartungen vor dem “Traum-Finale” der Herren bei den Australian Open waren hoch gewesen. Doch ein in fast schon überirdischer Form befindlicher Novak Djokovic ließ Rafael Nadal am Sonntag in Melbourne nicht den Funken einer Chance. Djokovic siegte nach nur 2:04 Stunden mit 6:3,6:2,6:3.

Mit dem siebenten Titel in Melbourne ist Djokovic nun alleiniger Rekordhalter beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Zudem hat er in der Allzeit-Bestenliste mit nun 15 Major-Titeln Pete Sampras (USA) hinter sich gelassen und gegenüber Leader Roger Federer (20) und Rafael Nadal (17) aufgeholt. Und Djokovic hat auch einen Hattrick geschafft: Dem 31-jährigen fehlt nach den Siegen in Wimbledon, bei den US Open und in Australien “nur” noch der Titel bei den French Open, um einen “unechten” Grand Slam (nicht innerhalb eines Kalenderjahres) zu feiern.

Da wird allerdings unter anderem der elffache Roland-Garros-Champion Nadal etwas dagegen haben. Seine Nummer-1-Position hat Djokovic nun jedenfalls einzementiert. Nicht weniger als 2.635 Zähler wird Djokovic am Montag vor Nadal liegen.

Ivan Lendl, selbst achtfacher Major-Sieger und der aktuelle Coach von Alexander Zverev, überreichte den Finalisten die Trophäen. Djokovic, der sich vor einem Jahr noch einer Operation hatte unterziehen müssen, konnte gut nachvollziehen, wie sich auch Nadal nach einem weiteren Comeback fühlte. “Kompliment an deine zwei Wochen. Du bist von einer Verletzung zurückgekommen. Du zeigst uns allen, was die Definition von Kampfgeist ist”, meinte Djokovic sportlich in Richtung des Spaniers.

Auch er selbst wurde beim Blick auf “seine Reise in den vergangenen zwölf Monaten” emotional. “Hier jetzt zu stehen, diesen Titel zu gewinnen und drei von vier Slams zu gewinnen, ist unglaublich. Ich hoffe, meine Familie zu Hause hat zugeschaut. Trophäen sind noch spezieller, wenn man sie mit den Liebsten teilen kann”, meinte Djokovic gerührt.

Ein an diesem Tag gegen Djokovic ratloser beziehungsweise machtloser Nadal war danach keinesfalls sprachlos: “Große Gratulationen an dich, Novak: Das war ein unglaubliches Tennis-Level, das du gezeigt hast.” Für ihn selbst seien es zwei sehr emotionale Wochen gewesen. “Ich hatte heute nicht meinen besten Tag, aber er hat heute viel besser gespielt. Ich habe seit den US Open nicht spielen können, aber ich bin glücklich, nach der Verletzung zurückgekommen zu sein. Es war eine Inspiration für mich, für das, was jetzt kommt. Ich werde weiter hart kämpfen und arbeiten”, versprach der 32-jährige Mallorquiner in der Rod-Laver-Arena.

Zuvor hatte Djokovic das Match von Beginn an dominiert. Bei einem Auto-Rennen würde man von einem Start-Ziel-Sieg reden. Mit einem Break zum 2:0 beziehungsweise nur einem Punkt in den ersten drei Spielen für Nadal erwischte Djokovic einen großartigen Start. Es folgte eine Demonstration, warum Djokovic die Nummer eins der Welt ist. Es war wohl der beste Djokovic, der sich je einem Tennis-Publikum gezeigt hat. 34 Winner gegenüber nur neun unerzwungenen Fehlern bei Djokovic. Sein Gegner Nadal schaffte nur 21 Winner, musste aber 28 unerzwungene Fehler zur Kenntnis nehmen.

Auch beim Service war Djokovic unantastbar, den einzigen Breakball des Spiels konnte Nadal bei einer 3:2-Führung des Serben im dritten Satz nicht nutzen. Spätestens dann war wohl jedem klar, dass es ein 3:0-Satz-Sieg des 31-jährigen Djokovic werden wird.

Das Turnier, das zu Beginn unter anderem eine Rücktrittsankündigung von Andy Murray beinhaltet hatte, ist jedenfalls weiter fest in der Hand der Ikonen dieses Sports. Gedankt haben es fast 800.000 Fans auf der Anlage des “Happy Slam” im australischen Sommer. Es wird ein neuer Zuschauer-Rekord sein. Sowohl Djokovic als auch Nadal lobten die Veranstalter für das “wohl beste Tennis-Event der Welt”.

Ein Novak Djokovic in dieser Form kann trotz der immer besser werdenden Jungstars und trotz eines Rafael Nadal oder Roger Federer natürlich auch von mehr träumen. “Dies war definitiv eines der besten Matches, wenn nicht das beste Match von mir in einem Grand-Slam-Finale”, sagte der 31-jährige Serbe. Nun kann er bei den French Open zum zweiten Mal alle vier Majors zur gleichen Zeit innehaben.

Die Frage, ob er nun den Schlüssel für Rafael Nadal gefunden hat, wollte Djokovic aber so nicht stehen lassen. “Das mag mir vielleicht für das Match gelungen sein, aber nicht für das Leben. Ich bin sicher, wir werden noch viele Matches gegeneinander haben”, meinte er nach dem 53. Aufeinandertreffen und seinem 28. Sieg über den Mallorquiner. “Sein Service hat sich verbessert und ich habe auch daran gearbeitet. Wir werden uns beide in Zukunft weiter verbessern”, versprach Djokovic.

Nur noch fünf Titel trennen ihn, nur noch drei Nadal vom vorerst auf 20 Grand-Slam-Titel feststehenden Allzeit-Herren-Rekord von Roger Federer. Der am 8. August 38 Jahre alt werdende Roger Federer hat es aber auch noch selbst in der Hand, seiner imposanten Trophäen-Sammlung noch etwas hinzuzufügen. “Ich hoffe, dass ich eine Chance bekomme. Aber das ist immer noch weit entfernt”, sagte der Serbe.

Besonders erfreut zeigte er sich, dass er nun im Allzeit-Ranking Tennis-Ikone Pete Sampras überholt hat. “Er war jemand, zu dem ich aufgeschaut habe, als ich begonnen habe, Tennis zu spielen. Es ist eines der ersten Bilder, das ich in Erinnerung habe, als er seinen ersten Wimbledontitel gewonnen hat”, erinnerte sich Djokovic. Er selbst habe als kleiner Bub in Kopaonik in einem Berg-Ressort im Süden Serbiens begonnen. “Dort hat vor mir wohl noch niemand ein Tennisracket angegriffen. Ich hatte keine Tennis-Tradion in meiner Familie. Es war ein bisschen Schicksal, dass ich mit dem Tennis begonnen habe. Jemanden wie Pete zu überholen, macht mich sprachlos. Ich hatte noch nicht so viel Zeit, das zu verdauen.”

Auf die Frage, ob er nun auch den Kalender-Grand-Slam (alle vier Majors im selben Jahr) für möglich hält, dachte Djokovic zunächst an Paris. “Wir werden sehen. Es ist ja gerade erst der Anfang der Saison. Ich muss sicher an meinem Sandplatz-Spiel noch mehr arbeiten. Ich muss besser spielen als letzte Saison”, sagte der Serbe.

Und bei den French Open steht Nadal, der im Mai auf seinen zwölften French-Open-Titel losgeht, über allen Konkurrenten. “Die ultimative Herausforderung in Paris ist es, gegen Nadal zu gewinnen. Dann gibt es auch noch (Alexander) Zverev und (Dominic) Thiem, und Roger (Federer) wird wohl wieder spielen”, erklärte Djokovic und fügte hinzu: “Es gibt eine Menge großartiger Spieler, die mich oder auch andere auf Sand herausfordern können.”

Von: apa

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