Hamilton und Vettel stehen im Mittelpunkt

Formel-1-Auftakt in Melbourne als Ende der Spekulationen

Donnerstag, 22. März 2018 | 09:35 Uhr

Melbourne ist an diesem Wochenende Schauplatz des ersten von 21 Formel-1-Grand-Prix in diesem Jahr. Die genauen Kräfteverhältnisse liegen davor noch im Dunkeln, Prognosen reichen von einem packenden Dreikampf zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull bis zum einsamen “Silberpfeil”-Solo. “Ich denke, wir freuen uns alle darauf, ins Auto zu steigen und zu fahren”, sprach Ferrari-Star Sebastian Vettel.

Titelverteidiger Lewis Hamilton widersprach der Einschätzung, dass Mercedes als klarer Favorit in die Saison geht. “Ich denke, um diese Zeit des Jahres versucht jeder, irgendjemand anderen zu hypen, und wir sind das perfekte Ziel, weil wir Weltmeister sind”, meinte der Engländer, der wie Vettel heuer seinen fünften WM-Titel anstrebt. Die beiden könnten mit dem legendären Argentinier Juan Manuel Fangio gleichziehen.

Im dominierenden Team der vergangenen vier Jahre gibt man sich vor dem ersten Rennen im Albert Park bescheiden. “Das wird eine lange Saison, die erst jetzt beginnt, und insofern würde ich gerne bei der gesunden Skepsis bleiben und schauen, dass wir die ersten Rennen mal richtig performen und da die Basis legen, dass wir siegfähig sind”, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Der Österreicher ist allerdings nicht der einzige seiner Mannschaft, der das neue Fahrzeug als große Weiterentwicklung des Vorgängermodells bezeichnete. Dieses war 2017 immerhin bei zwölf von 20 Rennen siegreich. “Das Auto ist auf jeden Fall besser als das vom vorigen Jahr”, posaunte Hamilton. Und auch Technikchef James Allison schüttete massives Lob aus. Bei den Testfahrten deckte Mercedes nicht alle Karten auf. So waren Hamilton und Valtteri Bottas bisher nicht auf weicheren Reifenmischungen auf schnelle Rundenzeiten aus.

Vettel will mit seinem Team vor allem an die erste Hälfte der vergangenen Saison anknüpfen. Vor dem Monza-Rennen Anfang September führte der Deutsche die WM-Wertung an, dann setzten auch technische Probleme der Scuderia zu. “Wir haben allen Grund, zuversichtlich zu sein. Ich denke, unser Auto ist hervorragend”, urteilte der 30-Jährige. “Aber zu diesem Zeitpunkt weiß man nicht, wo die anderen stehen. Deswegen wäre es sinnlos zu sagen, wir werden alle verblasen.” Seinen neuen Rennwagen taufte Vettel übrigens auf den Namen “Loria”.

Wolff geht von einem Dreikampf aus. “Wir haben bei Ferrari nicht nur eine unglaubliche starke Saison 2017 erlebt, sondern auch zwei Bestzeiten in Barcelona, die stark waren. Aber wir haben auch bei Red Bull wirklich Spitzenrunden gesehen”, erklärte der Wiener. Die Hoffnung von Daniel Ricciardo ist, dass sich die drei Topteams innerhalb einer halben Sekunde bewegen. “Ich würde gern denken, dass der Abstand nicht größer ist”, sagte der Red-Bull-Lokalmatador.

Der Mann aus Perth wird am Sonntag versuchen, den ersten Podestplatz eines Australiers bei seinem Heim-GP wahr werden zu lassen. “Wir kommen viel vorbereiteter nach Melbourne als in den Jahren zuvor”, verriet der 28-Jährige. Teamkollege Max Verstappen gab sich indes vorsichtig: “Ich bin sicher optimistisch, aber auch realistisch. Wir müssen abwarten und schauen.” Der Niederländer hat von den jüngsten sechs Rennen zwei gewonnen.

Das erste Formel-1-Wochenende in diesem Jahr wird einige Debüts erleben. Dabei wird der jeweils erste Renneinsatz des Monegassen Charles Leclerc im Sauber und des Russen Sergej Sirotkin für Williams aber weniger im Fokus stehen als die “Grid Kids” bei der Startaufstellung und vor allem der Halo-Kopfschutz, der das Aussehen der Autos maßgeblich verändert hat.

“Die Fahrer haben sich schnell gewöhnt. Sie sagen, dass es sie nicht einschränkt, weil sie einfach durchschauen”, erläuterte Toto Wolff, der nicht unbedingt ein Fan des “Heiligenscheins” ist. “Was ich mir wünsche, ist eine bessere Lösung, eine ästhetisch ansprechendere Lösung, aber die Hauptsache ist, dass wir den Fahrer schützen.” Fakt ist, dass es Halo den Zuschauern nahezu unmöglich macht, die Piloten im Cockpit zu erkennen.

Das Wetter in Australiens zweitgrößter Stadt verspricht Abwechslung. Am Freitag soll fast ungetrübter Sonnenschein Temperaturen von knapp unter 30 Grad bringen. Für Samstag sind jedoch Gewitter angesagt, die bis zum Qualifying um 17.00 Uhr Ortszeit anhalten könnten. Am Sonntag sollte es etwas bewölkt und trocken sein. Start des Rennen ist um 16.10 Uhr (7.10 Uhr MESZ/live ORF eins und RTL).

Von: apa